Kienzle mal anders - Kienzle Swiss

Allgemeine Diskussionen rund um Vintage-Uhren (Oldtimer)
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+???+
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Kienzle mal anders - Kienzle Swiss

Beitrag von +???+ » 14 Nov 2007, 15:33

Hallo,

als Kontrast zu den bisherigen Kienzle Threads dachte ich, stelle ich mal meinen Kienzle Swiss Chronographen ein:
Bild
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Vielleicht weiß einer von euch, was für ein Werk das ist. Markiert ist es mit "L 248" , das "L" in einer Art Wappenkontur (ähnlich wie das ETA-Logo).

Gruß
Steffen

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Paulchen
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Beitrag von Paulchen » 14 Nov 2007, 15:53

Dieses? :wink:
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Landeron 248

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Beitrag von +???+ » 14 Nov 2007, 18:54

Jau, das sieht gut aus!

Wenn ich den Kommentar von Uhrendoktorshs zu der von ihm angebotenen Uhr lese "...dazu ist der Kaliber Landeron 248 nicht gerade ein Massenwerk und damit auch für den Sammler wertvoll."
http://www.ranfft.de/cgi-bin/bidfun.cgi ... 1196366400
dann hat sich Kienzle ja damals richtig in Aufwand gestürzt.
Nur hat es dann keiner honoriert...

Gruß
Steffen

Roland Ranfft
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Beitrag von Roland Ranfft » 16 Nov 2007, 17:21

Moin Kinnings,

na ja, bei ebay ist nichts so häufig wie Raritäten. Das in verschiedenen Varianten (48, 148, 248...) in über 3,5 Mio Exemplaren gebaute Landeron-Kaliber ist aber keine Rarität, und mit einem Preis von CHF 3,50 in den 40er Jahren wohl auch kein Nobelwerk.

Dennoch, kaum ein Hersteller konnte in den 40er und 50er Jahren auf einen billigen bis preiswerten Chronographen verzichten. Also gab es neben den Billigheimern wie Kienzle auch Beispiele wie dieses:
http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?Vie ... 0188951745

Nach ebay-Gepflogenheiten natürlich auch hochselten und nobel bis zum Erbrechen. Und ein wenig stimmt das sogar: Es ist wie man will ein spätes Landeron 47 oder ein frühes Landeron 48. Das Hebelwerk entspricht noch dem 47, das Basiswerk samt Chrono-Kloben schon dem 48. Dieses Übergangskaliber ist zwar häufiger als ein "lupeneines" 47, aber eben doch seltener als ein "lupeneines" 48.

Immerhin, die breite Verwendung dieser Kaliber kann man nicht einfach auf den lächerlich niedrigen Preis zurückführen. Sie gehörten einfach zum besten, was man für wenig Geld kaufen konnte. Und wer etwas Feinarbeit hinein steckte, der konnte einen Chronographen damit bauen, der genau so butterweich schaltet wie ein hochwertiges Schaltrad-Kaliber.

Kurzum: Dieses Nockenschaltwerk war eine Pionierleistung, und ein Landeron als erfolgreichstes Chrono-Kaliber seiner Zeit gehört in jede Chronographen-Sammlung. Es gibt aber kein Mangel, und wer 451 Euros für eine ziemlich verrottete Uhr zahlt, die Longines mit Sicherheit fertig zugekauft hat, der hat es nicht besser verdient.

Die große Anzahl verfügbarer Landeron-Chronos verstellt zur Zeit etwas den Blick für wirkliche Raritäten, und die gibt es durchaus: So sind z.B. Exemplare mit Datum, Stunden-Zähler oder gar Kalender wirklich selten. Und auch die obern erwähnten frühen Exemplare werden manchmal nicht als solche erkannt, weil viele Landerons nicht signiert sind. Wer sich hier also ein wenig informiert, der kann durchaus Schnäppchen machen - auch bei ebay.

Gruß, Roland Ranfft
Das größte Uhrwerk-Archiv im Internet:
http://www.ranfft.de/cgi-bin/bidfun-db. ... fft&&2uswk

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Beitrag von +???+ » 17 Nov 2007, 23:32

Hallo Roland,

für mich war diese Uhr bemerkenswert durch die Kombination "Kienzle", wie von Dir richtig bemerkt, als "Billigheimer" bekannt und "Swiss", was ja schon zur Entstehungszeit dieser Uhren ein Widerspruch in sich war. Übrigens habe ich die Uhr noch vor meiner derzeitigen Infektion mit dem Uhrenvirus ':lol:'
im Jahre 2001 für damals ca. 400,- DM erworben, einfach wegen "Kienzle" als der Marke meiner ersten Uhr
(http://forum.watchtime.ch/viewtopic.php?t=13168). Da hatte ich mit der Bucht noch nicht viel am Hut.

Gruß
Steffen

Unruhwelle
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Beitrag von Unruhwelle » 21 Nov 2007, 09:44

Ist Kienzle nicht irgendwann in die Schweiz verkauft worden und deshalb ab da der Zusatz Kienzle Swiss?

Ich besitze eine Kienzle Swiss mit Eta Automatik Werk und 21 Juwels.

Gruss :wink:

walkuere
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Beitrag von walkuere » 21 Nov 2007, 11:54

Ja wunderbar,

das ist meine erste ordentliche Uhr, geerbt von meinem Opa:

Bild

allerdings sollte diese bald mal überholt werden, Sekundenzähler springt nicht auf die Null zurück und die Drücker sitzen nicht mehr richtig:

Bild

Roland, (wenn das hier dem Comment entspricht ), vielleicht kannst Du mich ja mal per PM wissen lassen, mit was ich da ungefähr rechnen müsste.

Auf jeden Fall eine sehr schöne, schlichte Uhr!

mannberlin
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Beitrag von mannberlin » 21 Nov 2007, 12:29

kienzle baute eigentlich nur massenzeugs mit äußerst anspruchslosen werken, waren sozusagen in den 50er/60er jahren reine 'zweckuhren', meistens mit handaufzugstiftankern und ähnlichem. lagen in der wertigkeit (und im preis) deutlich unter junghans.

ausnahmen gab es aber auch bei den deutschen kienzles, oft genannt kienzle superia mit anspruchsvolleren PUW-automatikkalibern.

Kienzle swiss hingegen war eine (rechtlich) eigenständige tochter, die 1964 gegründet wurde um das höherpreisige/anspruchsvollere segement zu bedienen. verwendet wurden hier eta und eben auch venuskaliber. ob die uhren zugekauft oder selbst produziert wurden, weiß ich jedoch nicht,

interessant ist, dass kinezle derzeit versucht im höherpreisigen segment wieder fuß zu fassen und uhren in deutschland produzieren lässt (mit eta werken und dd-modulen), ich weiß nicht wer sie baut. ich glaube die aktuelle kienzle ag in hamburg ist nur der markeninhaber, selbst bauen sie wohl nichts.

wenn einer besseres oder mehr weiß, wäre das immer hilfreich.

danke

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Marechal
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Beitrag von Marechal » 21 Nov 2007, 12:48

Also, meine Landeron laufen butterweich - ich mag sie, weil ich sie inzwischen kenne ... und für den lächerlichen Preis in den 40ern ist das Teil ein Wunder.

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Beitrag von +???+ » 21 Nov 2007, 13:09

Hallo,

...endlich kommt Leben in den Thread!

Es stimmt, Kienzle hat hauptsächlich den Massenmarkt bedient und das vor allem mit dem Massenkaliber 051 und seinen Abarten, von dem insgesamt 25 Millionen Stück gebaut wurden. Kienzle hat jedoch auch nebenher eigene höherwertige Werke gebaut (mit 17 und mehr Steinen, mal bei Roland Ranfft nachschlagen), diese wurden oft unter "Kienzle Markant" verkauft.

Bei den Automatik-Kalibern gab es drei Linien:
Die erste hatte ein eigenentwickeltes Automatik-Werk mit 19 oder 21 Steinen, sowohl mit kleiner als auch mit Zentralsekunde. Diese wurde von Kienzle selbst auch als "Volksautomatik" bezeichnet, da sie mit einem Ladenpreis von 65,-DM für breitere Kreise erschwinglich sein sollte.
In der zweiten Linie wurden Durowe-Werke ("Duromat") verbaut, diese sind in der Regel mit 25 Steinen ausgestattet.
Die dritte Linie ist ab 1962 mit zugekauften Seiko-Werken bestückt. Diese tragen dann solche Namen wie "Superiamatic".

Einige Bilder wurden hier schon im Forum gepostet:

http://forum.watchtime.ch/viewtopic.php?=&p=162250

Kienzle Swiss sollte, wie mannberlin schon schrieb, den anspruchsvolleren Markt bedienen. In der Regel wurden wohl die Kaliber zugekauft und der Rest selbst gemacht. Diese Linie hatte aber das Problem, daß Kienzle nun einmal als Billigheimer bekannt war und daran konnte auch das stolze "Kienzle Swiss" nichts ändern.

Zu der aktuellen Entwicklung wird auf der Kienzle-Webseite http://www.kienzle-ag.de/ noch geschrieben:

2004 Gründung der Kienzle Uhrenfabriken GmbH in Villingen-Schwenningen durch Highway Holdings. Neben der Kienzle AG in Hamburg hat die Kienzle Uhrenfabriken... die Aufgabe Klein- und Großuhrensortimente zu entwickeln.

Gruß Steffen

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_Christoph
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Beitrag von _Christoph » 21 Nov 2007, 21:47

+???+ hat geschrieben: Bei den Automatik-Kalibern gab es drei Linien:
Die erste hatte ein eigenentwickeltes Automatik-Werk mit 19 oder 21 Steinen, sowohl mit kleiner als auch mit Zentralsekunde. Diese wurde von Kienzle selbst auch als "Volksautomatik" bezeichnet, da sie mit einem Ladenpreis von 65,-DM für breitere Kreise erschwinglich sein sollte.
In der zweiten Linie wurden Durowe-Werke ("Duromat") verbaut, diese sind in der Regel mit 25 Steinen ausgestattet.
Die dritte Linie ist ab 1962 mit zugekauften Seiko-Werken bestückt. Diese tragen dann solche Namen wie "Superiamatic".
Zu welcher Linie zählen denn die schweizer Kienzle-Automatics? Ich besitze auch eine, ca. Baujahr 1970, in die ein, damals eigentlich schon veraltetes ETA 2472 eingeschalt wurde (lief dort unter der Bezeichnung Kaliber 70/1). Offenbar waren diese Uhren auch gar nicht so selten...

Interessanterweise ist übrigens die Volksautomatik heute fast schon eine Rarität, zumindest ist der Run darauf gewaltig. Ich versuche schon seit 2 Jahren, mal eine zu einem vernünftigen Preis zu ergattern - keine Chance, die Dinger verkaufen sich wie warme Semmeln :-(

Ciao
Christoph
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Beitrag von +???+ » 22 Nov 2007, 15:52

_Christoph hat geschrieben:
Zu welcher Linie zählen denn die schweizer Kienzle-Automatics? Ich besitze auch eine, ca. Baujahr 1970, in die ein, damals eigentlich schon veraltetes ETA 2472 eingeschalt wurde (lief dort unter der Bezeichnung Kaliber 70/1). Offenbar waren diese Uhren auch gar nicht so selten...

Interessanterweise ist übrigens die Volksautomatik heute fast schon eine Rarität, zumindest ist der Run darauf gewaltig. Ich versuche schon seit 2 Jahren, mal eine zu einem vernünftigen Preis zu ergattern - keine Chance, die Dinger verkaufen sich wie warme Semmeln :-(

Ciao
Christoph
Moin,

die Schweizer Automatics dürften entweder aus der Kienzle Swiss-Periode stammen, oder wie die von Axel66 an anderer Stelle abgebildete Uhr http://forum.watchtime.ch/viewtopic.php?t=13168 aus der Zeit nach 1979, als Kienzle keine eigenen Werke mehr gebaut hat.

Die Volksautomatic dürfte deswegen etwas seltener sein, da sie nur zwischen 1956 und ca. 1962 gebaut wurde, danach kamen die Durowe- und Seiko-Werke zum Einsatz.
Allerdings teile ich Deine Einschätzung nicht, was die Preise angehen, in der Bucht werden selbst einfache Uhren mit 051er Kaliber meist höher gehandelt (wenn nur das Zifferblatt schön ist), als Kienzle Automatics (egal, ob Volksautomatic oder Durowe-/Seiko-Kaliber).

Bye
Steffen

Roland Ranfft
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Beitrag von Roland Ranfft » 23 Nov 2007, 18:07

Hallo Steffen,
in der Bucht werden selbst einfache Uhren mit 051er Kaliber meist höher gehandelt (wenn nur das Zifferblatt schön ist), als Kienzle Automatics (egal, ob Volksautomatic oder Durowe-/Seiko-Kaliber).
Es braucht sicher noch einige Arbeit der Verhaltensforschung, bis das Verhältnis zwischen ebayern und Kienzle-Uhren geklärt ist.

Klar, die Volksautomatik ist gesucht. Ich habe sogar zwei recht gut erhaltene herumliegen. Ich kann sie aber nicht für einen Werbeblock nutzen, denn an beiden ist etwas kaputt. Und da man die Kosten für Service und/oder Instandsetzung nicht auf den Preis abwälzen kann, bleiben sie liegen, bis sich herumgesprochen hat, daß bei fast allen irgendwas kaputt ist (auch wenn sie als perfekt angeboten werden).

Gruß, Roland Ranfft
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_Christoph
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Beitrag von _Christoph » 23 Nov 2007, 18:45

Ich wäre ja durchaus auch an einer defekten "Volksautomatic" für mein Uhrwerkearchiv interessiert, sofern sie nicht irreparabel defekt ist.

Wenn sie soweit wieder gangbar zu machen ist, daß sie zumindest 10 Minuten tickt, wäre das schon OK, wenn der Preis stimmt :-)
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Beitrag von +???+ » 25 Nov 2007, 20:49

+???+ hat geschrieben:
Bei den Automatik-Kalibern gab es drei Linien:
Die erste hatte ein eigenentwickeltes Automatik-Werk mit 19 oder 21 Steinen, sowohl mit kleiner als auch mit Zentralsekunde. Diese wurde von Kienzle selbst auch als "Volksautomatik" bezeichnet, da sie mit einem Ladenpreis von 65,-DM für breitere Kreise erschwinglich sein sollte.
In der zweiten Linie wurden Durowe-Werke ("Duromat") verbaut, diese sind in der Regel mit 25 Steinen ausgestattet.
Die dritte Linie ist ab 1962 mit zugekauften Seiko-Werken bestückt. Diese tragen dann solche Namen wie "Superiamatic".
Moin,

jetzt muß ich mich schon selbst korrigieren: Offensichtlich gab es auch noch Kienzle Automatik mit PUW-Werken: "Autorotor". Eine solche schwimmt gerade in der Bucht herum http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?Vie ... :IT&ih=018. Wenn das Angebot stimmt und ich dabei Glück habe, mache ich demnächst einen neuen Kienzle Thread auf...

Übrigens stammte mein Wissen zu den Kienzle Automatiks aus dem Buch von Hampel: Automatik-Armbanduhren. Offensichtlich hat auch er Dinge wie die Kienzle mit PUW-Automatik nicht gesehen.
Ich denke aber, daß die Uhr echt ist, da sich Kienzle-Fakes nicht auszahlen dürften...

Tschüs
Steffen

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