Vacheron Constantin Deck Watch aus 1944.

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u2112
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Re: Vacheron Constantin Deck Watch aus 1944.

Beitrag von u2112 » Sa 13. Jan 2018, 02:13

Glückwunsch zur Deckwatch, Heiko :thumbsup:

So ein maritimes Dingen muss ich mir irgendwann auch nochmal holen, da gibt es ja neben VC noch ein paar Möglichkeiten (z.B. UN), leider alles nicht so ganz preiswert - vor allem, wenn es komplett ist.

Es ist übrigens sehr wahrscheinlich, dass das Rohwerk von JLC kommt, denn beide Firmen sind ja eng verbunden gewesen. Nicht nur bei der Lieferung von Werken, sondern seit 1940 hatten sie mit Georges Ketterer auch den gleichen Eigentümer. Das zieht sich übrigens bis heute durch, z.B. basierten ja auch die Ultra Thins der 50er Jahre oder das 1120-Kaliber der 222 auf JLC Rohwerken. Bei vielen Vintage-Uhren von JLC findet sich dagegen witzigerweise das Vacheron Zollkürzel "VXN" eingraviert - auf dem US-Markt wurden beide Marken jahrzehntelang vom gleichen Importeur vermarket (Longines-Wittnauer).

Du hast es vermutlich schon gelesen, aber für Dich als alten IWCler natürlich ein spannendes Detail: Die Rohwerke-Entwicklung bei VC leitete Albert Pellaton, der dann Leidtragender der Fusion mit JLC war und just im Jahre 1944 den Arbeitgeber wechselte. Das Ziel und die Folgen sind bekannt :wink:

Was die Armbanduhren angeht, ist VC leider ein sehr schwieriges Pflaster. Die haben praktisch nur Kleinstserien produziert (um 50 Stück pro Referenz), so dass es unendlich viele Varianten gibt, aber nur eine sehr dünne Dokumentation. Das Risiko von Bastelarbeiten ist deshalb hoch, da niemand heute mehr sicher sagen kann, was wirklich original war. Früher gab es in der Hour Lounge noch gute Beiträge zur Geschichte und eine wirklich gut gepflegte Liste der Referenzen - leider hat man das dicht gemacht, ist jetzt nur noch als Foto-Seite bei Instagram weitergeführt #substanzverlust ...

Zweizeiger gibt es viele alte, auch in Gold sehr günstig zu haben (um 2k) - das Problem ist nur, dass die wirklich sehr klein sind (30-32mm). Ich bin da im Selbstversuch gescheitert und habe meine 1002er bald wieder verkauft.

Auch nicht mehr da (allerdings aus blanker Not und nicht aus freiem Willen :crying: ) ist meine Patrimony - die ist mit 40mm wahrlich nicht zu klein, aber leider inzwischen lächerlich teuer im UVP. Fand übrigens auch VC und hat sie um 600 Euro im Preis gesenkt. Blöd nur, dass sie immer noch 18,x k Euro kostet - schön ist sie trotzdem...

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Viel Freude an der VC!
Christian

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cool runnings
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Re: Vacheron Constantin Deck Watch aus 1944.

Beitrag von cool runnings » Sa 13. Jan 2018, 07:05

Interessante Hintergründe. Danke für den ausführlichen Bericht. :thumbsup:

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C.95
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Re: Vacheron Constantin Deck Watch aus 1944.

Beitrag von C.95 » Sa 13. Jan 2018, 11:32

Glückwunsch zur Deckwatch, Heiko

Herzlichen Dank, Cristian,

insbesondere für den Aufwand zu den interessanten Details, die mir nicht so umfangreich bekannt waren.

Die Uhr lagerte ca. 4 Jahre im Banksafe und ist für frische Fotos mal wieder hier.

So ein maritimes Dingen muss ich mir irgendwann auch nochmal holen, da gibt es ja neben VC noch ein paar Möglichkeiten (z.B. UN), leider alles nicht so ganz preiswert - vor allem, wenn es komplett ist.

UN ist natürlich interessant und da gibt es die Auswahl , das Original Werk oder den UDSSR Nachbau, der vom Original lediglich anhand der Beschriftung zu unterscheiden ist und preislich etwa für 15 - 25 % des Originals zu finden ist.

Wer es richtig mächtig mag, sollte sich mal mit einer HAMILTON 22 beschäftigen und preislich immer noch moderat, im Vergleich zu UN und z.B. LONGINES.


Es ist übrigens sehr wahrscheinlich, dass das Rohwerk von JLC kommt, denn beide Firmen sind ja eng verbunden gewesen. Nicht nur bei der Lieferung von Werken, sondern seit 1940 hatten sie mit Georges Ketterer auch den gleichen Eigentümer. Das zieht sich übrigens bis heute durch, z.B. basierten ja auch die Ultra Thins der 50er Jahre oder das 1120-Kaliber der 222 auf JLC Rohwerken. Bei vielen Vintage-Uhren von JLC findet sich dagegen witzigerweise das Vacheron Zollkürzel "VXN" eingraviert - auf dem US-Markt wurden beide Marken jahrzehntelang vom gleichen Importeur vermarket (Longines-Wittnauer).

Dein ergänzender Hinweis auf die Verwendung eines JLC Basiswerks für Uhr verstärkt die Wahrscheinlichkeit, dass es so ist.

Bisher fehlt mir als Beweis noch eine JLC mit so einem Werk ?!

Wenn allerdings Rohwerke nach Spezifikation anderer Hersteller gefertigt wurden, werde ich keine vergleichbare JLC finden.

Du hast es vermutlich schon gelesen, aber für Dich als alten IWCler natürlich ein spannendes Detail: Die Rohwerke-Entwicklung bei VC leitete Albert Pellaton, der dann Leidtragender der Fusion mit JLC war und just im Jahre 1944 den Arbeitgeber wechselte. Das Ziel und die Folgen sind bekannt

Was die Armbanduhren angeht, ist VC leider ein sehr schwieriges Pflaster. Die haben praktisch nur Kleinstserien produziert (um 50 Stück pro Referenz), so dass es unendlich viele Varianten gibt, aber nur eine sehr dünne Dokumentation. Das Risiko von Bastelarbeiten ist deshalb hoch, da niemand heute mehr sicher sagen kann, was wirklich original war. Früher gab es in der Hour Lounge noch gute Beiträge zur Geschichte und eine wirklich gut gepflegte Liste der Referenzen - leider hat man das dicht gemacht, ist jetzt nur noch als Foto-Seite bei Instagram weitergeführt #substanzverlust ...

Zweizeiger gibt es viele alte, auch in Gold sehr günstig zu haben (um 2k) - das Problem ist nur, dass die wirklich sehr klein sind (30-32mm). Ich bin da im Selbstversuch gescheitert und habe meine 1002er bald wieder verkauft.

Wie schon zuvor ergänzt, habe ich zwei Uhren mit zwei Zeigern, deren Design nach meinem Geschmack ist und mir persönlich besser gefällt als das der Partrimony und deren Preise aufgrund von Stahl nicht durchgeknallt sind, siehe Fotos.

Eine 222 zeichnet sich immer stärker als mein neues Ziel ab, auch wenn es verdammt lange dauern kann, dieses Ziel zu finden.

Auch nicht mehr da (allerdings aus blanker Not und nicht aus freiem Willen ) ist meine Patrimony - die ist mit 40mm wahrlich nicht zu klein, aber leider inzwischen lächerlich teuer im UVP. Fand übrigens auch VC und hat sie um 600 Euro im Preis gesenkt. Blöd nur, dass sie immer noch 18,x k Euro kostet - schön ist sie trotzdem...

Beste Grüße

Heiko


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gatewnrw
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Re: Vacheron Constantin Deck Watch aus 1944.

Beitrag von gatewnrw » Sa 13. Jan 2018, 11:45

Dir und Christian nochmals Danke für die Bilder (hier die IWC´s, wissen beide zu gefallen) und die Hintergrundinformationen.

LG Peter
- einen Jux will er sich machen ...

Nestroy

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Paulchen
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Re: Vacheron Constantin Deck Watch aus 1944.

Beitrag von Paulchen » Sa 13. Jan 2018, 12:11

C.95 hat geschrieben:
Sa 13. Jan 2018, 11:32
Wer es richtig mächtig mag, sollte sich mal mit einer HAMILTON 22 beschäftigen
guckst du

https://uhrforum.de/hamilton-watch-co-m ... hr-t336786

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C.95
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Re: Vacheron Constantin Deck Watch aus 1944.

Beitrag von C.95 » Sa 13. Jan 2018, 12:43

@ gatewnrw

Dieser Tread hat mit Spaß gemacht und wenn dann noch auch noch weitere Details hinzu kommen, ist das perfekt.


@ Paulchen

Jau, danke für die Reaktion,

die satten 320 Gramm Masse und 71 mm Durchmesser sind beindruckend und dazu die massiven Boxen, das hat schon was. Wer diese Uhr mal in der Hand hatte, bekommt ein anderes "Verhältnis" zum Werkzeug Uhr.

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r.as.
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Re: Vacheron Constantin Deck Watch aus 1944.

Beitrag von r.as. » Sa 13. Jan 2018, 17:18

Diese Art Uhren stellten das non plus ultra an Ganggenauigkeit für tragbare, professionelle Uhren dar (abgesehen von den Observatoriumskalibern) und waren, gleichbedeutend mit dem Schiffschronometer auf der Brücke, vorgesehen zu Bestimmung des Schiffsstandortes.
Sie wurden jeweils mit dem Schiffschronometer synchronisiert, um den jeweiligen Schiffsoffizier so in die Lage zu versetzen, die genaue Zeit an Deck 'zu tragen'. Dann erst konnte man dann dort präzise - zum richtigen Zeitpunkt - den Stand der Sonne mit dem Sextanten "schießen".

Rolf

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C.95
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Re: Vacheron Constantin Deck Watch aus 1944.

Beitrag von C.95 » So 14. Jan 2018, 10:59

r.as. hat geschrieben:
Sa 13. Jan 2018, 17:18
Diese Art Uhren stellten das non plus ultra an Ganggenauigkeit für tragbare, professionelle Uhren dar (abgesehen von den Observatoriumskalibern) und waren, gleichbedeutend mit dem Schiffschronometer auf der Brücke, vorgesehen zu Bestimmung des Schiffsstandortes.
Sie wurden jeweils mit dem Schiffschronometer synchronisiert, um den jeweiligen Schiffsoffizier so in die Lage zu versetzen, die genaue Zeit an Deck 'zu tragen'. Dann erst konnte man dann dort präzise - zum richtigen Zeitpunkt - den Stand der Sonne mit dem Sextanten "schießen".

Rolf
Danke für die Hinweise zum Ablauf der Kombination zwischen Schiffschronometer, der wenn möglich im gesicherten Funkraum untergebracht war und Deck Watch, deren Funktion in Verantwortung des 1. Offiziers lag, wenn dieser vorhanden war.

Dazu noch ein Blick auf des Hamilton 21 Werk, eines der schönsten Werke für Schiffschronometer.

Beste Grüße

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r.as.
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Re: Vacheron Constantin Deck Watch aus 1944.

Beitrag von r.as. » So 14. Jan 2018, 17:42

Es ist interessant zu sehen, wie letztlich in der Werkentwicklung die hochwertigen Ankerchronometer (wie in dieser Deck Watch) bezüglich Ganggenauigkeit und Robustheit mit den Chronometerwerken der Schiffschronometer gleichzogen.

So hat Zenith in seiner m.W. letzten Produktionsserie von mechanischen Schiffschronometern in den 80iger Jahren die wesentlich kleineren Ankerchronometerwerke eingesetzt (anstatt der üblichen Werke mit Chronometerhemmung) welche problemlos den in diesem Anwendungsbereich geforderten Ansprüchen genügten.

Rolf

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schlumpf
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Re: Vacheron Constantin Deck Watch aus 1944.

Beitrag von schlumpf » So 14. Jan 2018, 22:06

Tolle Uhr, tolle Bilder!!
Schöne Uhrengrüße, Gerhard

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