Uhren aus nicht Schweizer Produktion- Moralisch verwerflich?

Allgemeine Diskussionen rund um zeitgenössische Uhren
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jeannie
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Re: Uhren aus nicht Schweizer Produktion- Moralisch verwerfl

Beitrag von jeannie » 05 Mär 2006, 13:22

ducaticorse21 hat geschrieben:Hallo zusammen,

ich lese immer wieder etwas verwundert die Lobgesänge über Uhren von nicht schweizer Herkunft, speziell über japanische Uhren.

Sicher, diese Uhren mögen gut sein. Aber ich habe so meine Probleme damit, Firmen zu unterstützen, die fast als die Totengräber der Schweizer Uhrenindustrie in die Geschichte eigegangen wären.

Bin ich mit meinem Gefühl alleine? Wie seht Ihr das?
Die Schweizer Uhrenindustrie enstand genau wie die chinesische heute: Billige Arbeitskräfte, die in Arbeitsteilung billig Uhren herstellten. In Tsching-Tschang sind es heute zwar grosse Fabrikhallen und Zwangsarbeiter und damals im Jura arme Bergbauern in Heimarbeit. Aber der Auslöser war der gleiche.

Die Schweiz als Wiege der Uhrenindustrie hinzustellen ist wohl "etwas übertrieben".

Und die Schweizer Uhrenindustrie wurde nicht gemeuchelt, die sind selber von der Brücke gesprungen. Wäre damals nicht ein Libaneser am Ufer gestanden wäre das letzte bisschen Uhrenindustrie auch noch den Bach runter und es gäbe nur noch Seiko und Citizen.
http://www.watchtools.ch Uhrenwerkzeug, direkt aus der Schweiz.

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nasdaq10
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Beitrag von nasdaq10 » 05 Mär 2006, 13:40

ducaticorse21 hat geschrieben: Und trotzdem verkörpern japanische Uhren für mich nach wie vor einen Wegwerfartikel. Emotional gehen bei mir nur schweizer/europäiche Uhren. Und das sollte eigentlich auch Ausgangspunkt meiner Eingangsfrage sein. Fühle nur ich so?
Du hast im Titel aber die Moral mit ins Spiel gebracht. Das ist etwas anderes als Deine emotionalen Präferenzen. So darfst Du Dich über entsprechende Reaktionen m.E. nicht wundern. Es nicht über sich zu bringen, eine GS als hochwertige Konkurrenz zu Schweizer Uhren anzuerkennen und sie deshalb nicht zu kaufen, ist etwas anderes als die europäischen Käufer einer GS als amoralische "Vaterlandsverräter" hinzustellen. :wink:
Zuletzt geändert von nasdaq10 am 05 Mär 2006, 13:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Ralf » 05 Mär 2006, 13:44

ducaticorse21 hat geschrieben: Und trotzdem verkörpern japanische Uhren für mich nach wie vor einen Wegwerfartikel. Emotional gehen bei mir nur schweizer/europäiche Uhren. Und das sollte eigentlich auch Ausgangspunkt meiner Eingangsfrage sein. Fühle nur ich so?
Das ist eine durchaus verbreitete Meinung (und nicht irgendetwas, was in die Kategorien >falsch> oder >richtig< gehört). Was aber bei mir auch gleich zu dem Satz
ducaticorse21 hat geschrieben:... für mich zählt halt nur das Erlebte.
führt. Ich bin nicht eigentlich alt, mehr so gehobenes Mittelalter, kann mich aber aus eigener Erfahrung noch gut an Zeiten erinnern, als die - damals drei - Länder BRD, DDR und auch die Schweiz viele Uhren in Wegwerfqualität hergestellt haben. Als diese Wegwerfware dann zum endgültigen Niedergang führte war genau der Zeitpunkt, an dem ich mein Studium machte und mich entschloss, Uhrentechnik nur als Pflichtfach zu belegen und mich auf mehr Zukunftsperspektiven versprechende Sachgebiete zu konzentrieren. Vor 25 Jahren war so etwas wie Glashütte heute nicht vorstellbar. Was in 25 Jahren sein wird? Es ist nicht auszuschliessen, das auch Du dann einen chinesischen Ortsnamen in einem Atemzug mit Biel und LeLocle aussprichst. :wink:

Noch was zum Lesen empfohlen, mehr emotional, etwas weniger historisch absolut korrekt, eher historisch stimmig:

Bild
Man liest sich!

Ralf

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Beitrag von ducaticorse21 » 05 Mär 2006, 13:46

Hallo David,

die Fragestellung war schon bewusst etwas provokativ gewählt... :wink: Hat aber leider etwas meine wahren Beweggründe verwässert... :?

So what, es kamen ja trotz allem sehr interessante Stellungnahmen zurück.
Gruß
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Beitrag von nasdaq10 » 05 Mär 2006, 13:50

Tja, das Problem hat die Werbung heutzutage ja auch in großem Masse. Da wird Aufmerksamkeit erzeugen ja ebenfalls häufig mit Werbebotschaft transportieren verwechselt. Hinterher wundern sich die Werbefuzzis dann immer, warum ihre Werbespots zwar tolle Preise bei Werbefilmfestivals abräumen aber die Umsätze des beworbenen Produktes nicht steigen. :wink:
Gruß

David
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Beitrag von ducaticorse21 » 05 Mär 2006, 14:00

Hallo Ralf,

erst einmal vielen Dank für den Buchtip... :wink:

Ich wollte auf gar keinen Fall kategorisieren in falsche od. richtige Gedanken/Gefühle. Wollte nur in Erfahrung bringen wie andere ticken...


Du magst Recht haben, das in den nächsten 25 Jahren eine Menge passieren wird, auch Dinge die wir uns aktuell nicht vorstellen können.
Aber ich wage zu behaupten, das ich auch dann keine asiatische Ortschaft im gleichem Atemzug mit Biel od. Le Locle nennen werde... :?
Gruß
Stefan
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Beitrag von andreaseck » 05 Mär 2006, 14:02

ducaticorse21 hat geschrieben: Aber ich wage zu behaupten, das ich auch dann keine asiatische Ortschaft im gleichem Atemzug mit Biel od. Le Locle nennen werde... :?
...Glashütte nicht vergessen :wink: :D

Gruß
Andreas

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Beitrag von ducaticorse21 » 05 Mär 2006, 14:09

andreaseck hat geschrieben:
ducaticorse21 hat geschrieben: Aber ich wage zu behaupten, das ich auch dann keine asiatische Ortschaft im gleichem Atemzug mit Biel od. Le Locle nennen werde... :?
...Glashütte nicht vergessen :wink: :D

Gruß
Andreas

:lol: :lol:
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Beitrag von akon » 05 Mär 2006, 14:12

ducaticorse21 hat geschrieben:Und trotzdem verkörpern japanische Uhren für mich nach wie vor einen Wegwerfartikel. Emotional gehen bei mir nur schweizer/europäiche Uhren.
Gegen dein Bauchgefühl habe ich nichts einzuwenden. Dies aber verzweifelt rational begründen zu versuchen ist IMHO total daneben. Es ist einfach ein Vorurteil. Ein Musterbeispiel für eine Wegwerfuhr kommt aus der Schweiz: Swatch.

Seltsam mutet auch die regionale Eingrenzung "schweizer / europäische Uhren" an. Ungarn gehört ja wohl eindeutig zu Europa. Du hättest also mit einer ungarischen Uhr kein Problem, wohl aber mit einer japanischen ? Versteh mich richtig: wenn du keine japischen Uhren magst dann kauf dir keine. Das ist für mich ok. Dies aber mit historischen oder qualitativen Argumenten zu begründen tut richtig weh.
G´schamster Diener, euer
Andy

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Beitrag von nasdaq10 » 05 Mär 2006, 14:13

@ Andreas

Und genau da sieht man doch wie mit genügend Kapitaleinsatz und cleverer PR ein eigentlich abgewirtschafteter Standort innerhalb kürzester Zeit höhere Weihen bekommt.

Glashütte war ja eigentlich schon in den 30er Jahren am Ende, da man den Trend zur Armbanduhr nahezu völlig ignoriert hatte. Ohne die Aufträge der Luftwaffe wären da schon damals viele Lichter ausgegangen auch ohne Sowjets und DDR.

Wenn man dann sieht, wie schnell sich Toyata mit der Marke "Lexus" weltweit im oberen Marktsegment etabliert hat, kann man sich vorstellen wie ein geschickter PR-Manager in Kombination mit asiatischer Gründlichkeit in der Qualität eine hochwertige Uhrenmarke im Markt etabliert.
Gruß

David
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Beitrag von mst-basel » 05 Mär 2006, 14:16

Bei entsprechenden Englischkenntnissen weise ich immer wieder gerne (und haeufig) auf folgenden Artikel bei "Timezone" hin: http://www.timezone.com/library/cjrml/cjrml0023

Erklaert so einiges.... aber auch mir ist klar, dass dies nie und nimmer die Meinung von Hardcore Schweiz- und/oder Deutschland-Fans beeinflussen kann.

Was an dem Mischmasch einer Uhr "made in Germany" mit Schweizer Uhrwerk so toll ist, muss mir erst noch jemand erklaeren. Wie sind denn da die Emotionen verteilt?
Fairerweise 50/50????

EDIT: Hab mir gerade nochmals den Titel dieses Beitrags angeschaut. Moralisch verwerflich??? Junge, Junge, gehts hier jetzt schon bald um eine Religion? :roll:

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Beitrag von ducaticorse21 » 05 Mär 2006, 14:37

Na, leider lassen viele Postings für mich den Eindruck entstehen daß auch in diesem Forum der "Mainstream-Gedanke" angesagt ist...

Aber ich werde auch weiterhin gegen den Strom schwimmen, und die Uhren aus Japan und dem restlichen Asien nicht beklatschen. Es soll sich aber deswegen keiner auf den Schlips getreten fühlen, da ich schon zugestehe das z.B. Seiko durchaus qualitativ gute Uhren baut.

Und solche Wortklaubereien, das Ungarn ja nun auch zu Europa gehört, sorry, solche Aussagen sind IMHO total daneben. Trägt nicht unbedingt zur Diskussion bei... :roll:


@ mst-basel:

Ich hatte ein paar Postings vorher schon erwähnt, das ich den Titel extra provokant gewählt habe. Mach Dir doch einfach mal die Mühe diese durchzulesen, dann kennst Du auch meine Intention... :wink:
Gruß
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Beitrag von nasdaq10 » 05 Mär 2006, 14:40

Da kommt's ja wohl auch darauf an, wie man Mainstream definiert. Außerhalb dieses Forums, dürfte Deine Einstellung wohl eher dem Mainstream entsprechen. :wink:
Gruß

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Beitrag von ducaticorse21 » 05 Mär 2006, 14:42

nasdaq10 hat geschrieben:Da kommt's ja wohl auch darauf an, wie man Mainstream definiert. Außerhalb dieses Forums, dürfte Deine Einstellung wohl eher dem Mainstream entsprechen. :wink:

Aber die Frage habe ich nun einmal hier im Forum gestellt... :wink: 8)
Gruß
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Beitrag von mst-basel » 05 Mär 2006, 14:47

ducaticorse21 hat geschrieben:Na, leider lassen viele Postings für mich den Eindruck entstehen daß auch in diesem Forum der "Mainstream-Gedanke" angesagt ist...:
"Mainstream-Gedanke" in Bezug auf japanischen Uhren? Wohl kaum. In diesem Forum geht es ja zum ueberwiegenden Teil um Uhren aus Europa (sprich CH und D). Die paar Vaterlandsverraeter (zu denen ich mich stolz zaehle :wink: ), welche japanischen Uhren moegen, haben hier nun wirklich keinen Mainstream-Charakter.

PS: Ich lese mir einen Beitrag prinzipiell immer ganz durch bevor ich poste. Die Frage bleibt, ob es solche reisserische Titel braucht...

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