Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

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haspe1
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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von haspe1 » 13 Okt 2020, 15:23

mezdis hat geschrieben:
12 Okt 2020, 09:53

Da fehlt in deiner Sammlung noch der Ceratanium Doppel, wann kommt der dazu? :wink:

Bild
Hallo Lorenz,

eine feine High-Tech-Uhr hast Du da am Arm. Man vermutet fast, Du sitzt dafür an der Quelle! :D

Was kannst Du als Fachmann über diese gesinterte Material-Kombination sagen? Ich als Laie vermute, dass hier die Leichtigkeit und Bruchfestigkeit des Titans mit der Kratzfestigkeit einer Keramik kombiniert wurde. Die Frage ist nur, ob das auch umfassend funktioniert oder ob die Sache einen Pferdefuß hat. Gibt es dazu längerfristige Erfahrungen? Und wird dieses Material auch für andere Einsatzgebiete verwendet abgesehen von Uhrengehäusen?

Bei der Verarbeitung hat dieses Material ja den Vorteil, dass die harte Schicht erst zum Schluss entsteht und man vorher die ganze Gehäuse-Herstellung an relativ gut bearbeitbarem Material durchführt im Gegensatz zur Keramik-Gehäuse-Herstellung.

Hannes

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mezdis
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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von mezdis » 13 Okt 2020, 15:59

Hallo Hannes,

Ja, du hast Recht, ich sitze ziemlich nahe an der Quelle. Aber die oben gezeigte Uhr ist leider nicht meine eigene. Und à propos Quelle: Hier gibt es einige zusätzliche Infos zum Ceratanium:

https://www.youtube.com/watch?v=BPP-0BYAFYQ

Das Material funktioniert bis jetzt ausgezeichnet. Wobei natürlich noch keine extrem lange Erfahrung gesammelt werden konnte, da die ersten Uhren 2017 produziert wurden.
Jedes Material hat grundsätzlich Vor- und Nachteile (mir ist zumindest keines bekannt, das nur Vorteile hat). Beim Ceratanium muss man sich bewusst sein, dass es sich um eine schwarze, keramische Schicht handelt. Mit extrem viel Gewalt zwingt man auch diese Schicht in die Knie und dann kommt das silberne Basismaterial zum Vorschein. Die Kräfte, die dafür aufgewendet werden müssen, sind aber deutlich höher als bei jeder DLC Beschichtung und vermutlich auch in der Grössenordnung, bei welcher Vollkeramik brechen würde. Alltägliche Schläge uns Stösse übersteht Ceratanium aber unbeschadet.
Im Moment wird das Material für Gehäuse- und Anbauteile verwendet. Bei der oben gezeigten Uhr sind Gehäuse, Krone, Drücker und Schliesse aus Ceratanium.
___________
Gruss mezdis

haspe1
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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von haspe1 » 14 Okt 2020, 16:18

mezdis hat geschrieben:
13 Okt 2020, 15:59
Hallo Hannes,

Hier gibt es einige zusätzliche Infos zum Ceratanium:

https://www.youtube.com/watch?v=BPP-0BYAFYQ

Das Material funktioniert bis jetzt ausgezeichnet. Wobei natürlich noch keine extrem lange Erfahrung gesammelt werden konnte, da die ersten Uhren 2017 produziert wurden.

Im Moment wird das Material für Gehäuse- und Anbauteile verwendet. Bei der oben gezeigten Uhr sind Gehäuse, Krone, Drücker und Schliesse aus Ceratanium.
Danke sehr, Lorenz für die Info über das IWC-High-Tech-Material. Herr Brunner zeigt uns im Film ja schön, worum es geht, ohne aber technische Details zu verraten :D . Ich nehme an, die "keramisierte" Schicht der Titan-Legierung erstreckt sich einige µm oder 10 µm in die Oberfläche hinein und die Tiefe hängt von der Dauer und Temperatur des Sinter-Prozesses ab. Stoppt das Wachstum der Schicht eigentlich von selbst infolge einer Diffusionssperre oder muss man die Ofen-Verweildauer sehr genau einstellen?

Beim deutschen Untertext im Film steht übrigens "CERMAMIC" geschrieben, das sollte wohl "CERAMIC" heißen.

Hannes

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mezdis
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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von mezdis » 15 Okt 2020, 08:22

haspe1 hat geschrieben:
14 Okt 2020, 16:18
Stoppt das Wachstum der Schicht eigentlich von selbst infolge einer Diffusionssperre oder muss man die Ofen-Verweildauer sehr genau einstellen?
Hannes
Beides trifft eigentlich zu. Wachsende Oxidschichten verlangsamen ihr Wachstum kontinuierlich, wobei die Qualität der Schicht mit der Zeit immer schlechter wird. Man muss die Ofenzeit schon genau richtig wählen, damit man am Schluss ideale Eigenschaften erhält.
___________
Gruss mezdis

haspe1
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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von haspe1 » 15 Okt 2020, 13:53

mezdis hat geschrieben:
15 Okt 2020, 08:22
Beides trifft eigentlich zu. Wachsende Oxidschichten verlangsamen ihr Wachstum kontinuierlich, wobei die Qualität der Schicht mit der Zeit immer schlechter wird. Man muss die Ofenzeit schon genau richtig wählen, damit man am Schluss ideale Eigenschaften erhält.
Danke sehr für Deine Erläuterung, Lorenz. Wäre ja auch zu einfach, wenn man beim Erzeugen der Schutzschicht nicht die Prozess-Parameter ganz genau wählen müsste.

Viele Grüße in die Schweiz,

Hannes

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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von JonasUhren123 » 15 Okt 2020, 14:22

IWC hat echt sehr tolle Uhren. Habe meinem Sohn letztes eine gekauft und wollte sie fast für mich behalten. Finde das IWC für den Preis echt super Qualität auf den Markt bringt und auch sehr schöne Modelle hat. Alle diejenigen die du dort aufgleistet hast sind einen Blick und Recherche wert.

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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von Richard Habring » 16 Okt 2020, 10:27

JonasUhren123 hat geschrieben:
15 Okt 2020, 14:22
......
Finde das IWC für den Preis echt super Qualität auf den Markt bringt ....
......
:rofl: :rofl: :rofl:
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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von lottemann » 16 Okt 2020, 10:43

Richard Habring hat geschrieben:
16 Okt 2020, 10:27
JonasUhren123 hat geschrieben:
15 Okt 2020, 14:22
......
Finde das IWC für den Preis echt super Qualität auf den Markt bringt ....
......
:rofl: :rofl: :rofl:
:whistling: :mrgreen:

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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von ocean2000 » 16 Okt 2020, 12:35

JonasUhren123 hat geschrieben:
15 Okt 2020, 14:22
Finde das IWC für den Preis echt super Qualität auf den Markt bringt...
Ich bewundere Deinen Sarkasmus... :lol:
Gruß aus Wien
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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von r.as. » 16 Okt 2020, 14:13

...und insbesondere Super-Servicequalität 😡

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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von u2112 » 16 Okt 2020, 18:12

... also ich kann mich über die Service-Qualität nicht beschweren und ich habe da ja schon einige Erfahrung (eine solide zweistellige Zahl an Revisionen, in allen Bereichen und Preislagen), sowohl in München als auch in SH. Ich kann auch das Klagelied über München nicht bestätigen, gerade der Sascha Röhr dort war mir öfters schon sehr behilflich bei wirklich nervigen/zeitaufwändigen Spezial-/Vintage-Fragen. Auch bei diesem Doppel passt das aus meiner Sicht, obwohl der vorher extrem gerockt war. Die Gangwerte sind perfekt (+3s/Tag), da kommen keine Klagen.

Anderes Beispiel: Ersatzband für meine Boesch (die ist ja auch schon 12 Jahre alt und hatte nur eine 300er Auflage) - am Freitagabend bei Wempe bestellt, Dienstag konnte es abgeholt werden. Das habe ich bei anderen Marken schon ganz anders erlebt (mein Rekord waren 3,5 Monate für ein Band und 3 Monate für zwei Bandglieder (übrigens zu 180 Euro das Stück :roll: ), jeweils aktuelle Modelle etablierter Schweizer Marken).

Die Preise sind natürlich eine andere Sache, da wurde in den vergangenen Jahren im Service und bei Teilen sehr an der Schraube gedreht - teilweise auch in absurder Weise. Aber auch das ist leider bei allen anderen größeren Herstellern der Fall.

Und wenn man schließlich zu den Uhren selbst kommt: Vergleicht man die Marktpreise (und nur das ist für mich relevant), bekomme ich bei IWC sicherlich kein schlechteres Preis-Leistungsverhältnis als anderswo. Gerade bei spezielleren Uhren und Komplikationen gibt es sogar deutlich spannendere Optionen als bei den meisten anderen. Nehmen wir die vier Doppelchronos von oben - die haben zusammen weniger gekostet als ich heute für eine sofort verfügbare Pepsi zahlen müsste. Alle 4 Uhren übrigens mit neuer Revision und 3 davon waren komplett.

Finde ich ok :whistling: ...

Gruß,
Christian

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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von Don Tomaso » 18 Okt 2020, 17:42

Kritik an Revisionspreisen der IWC kann ich auch nicht ganz nachvollziehen. Es ist nicht billig, ok, aber z.B. die Gehäuseaufarbeitung meiner Ingenieur Vintage wurde perfekt erledigt, das Werk lief danach wie eine 1 und das ganze überschaubar teuer. OK, es wurde ein kleiner Fehler eingebaut, die Datumsschaltung, iirc, was aber kulant erledigt wurde.
Vielleicht ist es alles gar nicht mehr so schlimm? :mrgreen:
Gruss

Thomas

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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von r.as. » 18 Okt 2020, 18:05

Bei meinem Fliegerchrono mussten vorletztes Mal die Zeiger (fleckig) getauscht werden; das Ergebnis war ein gealtertes Tritiumblatt mit SL-Zeigern.

Beim letzten Service wurde einfach das Tritiumblatt gegen ein Sl-Blatt getauscht. Die Uhr ging aber zurück, weil die Rastung der Krone in Position 2 klemmte. Nun wurden 3-Monate Bearbeitungszeit avisiert!

Das sind ganz simple, weil schnell erkennbare Mängel. Deshalb meine Schlussfolgerung (höflich formuliert): es interessiert sich im SAV keiner dafür.

Rolf

P.S. Demnächst sollten eigentlich meine Mk X und Mk XI hin, aber dann widmen sie sich womöglich ungefragt dem Radium-Blatt der X...🤓

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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von u2112 » 18 Okt 2020, 18:44

@Thomas: Bei den komplizierten Sachen und bei Vintage finde ich die IWC-Preise noch ok, da sind andere wesentlich teurer bzw. machen nichts mehr.

Störend finde ich die Preise bei einem einfachen Dreizeiger mit ETA 2892A2 - das kostet inzwischen 595,- Euro und bei Uhren mit Stahlband sind es nochmal 85 Euro mehr. Das steht dann nicht mehr im Verhältnis zum Preis einer solchen Uhr.

Ganz schwierig finde ich die Preise bei Ersatzteilen - z.B. Bandglieder lagen vor nicht allzu langer Zeit um ca. 40-50 Euro (was Geld genug ist), heute sind es zwischen 90 und 100 Euro. Stahl-Dornschließen habe ich noch 2013 für 40 Euro gekauft, heute >100 Euro. Kautschuk-Band für die AT 270 Euro, Stammbuchauszug früher 60 Euro, heute 300+ Euro (und man muss die Uhr einschicken) etc.

Wie gesagt, das ist kein spezifischen IWC-Problem, das machen andere auch so - ich habe gerade z.B. eine Breitling, wo ein neues Glas 500 Euro kosten soll und nur in der Kombination mit einer Komplettrevision eingebaut werden darf (nochmal 700 Euro :roll: - die Uhr ist ein Jahr alt...).

Gruß,
Christian

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Re: Variationen eines Klassikers: Der IWC Doppelchronograph

Beitrag von Don Tomaso » 19 Okt 2020, 16:05

Hi Christian, sowas ist ärgerlich und imho Geldschneiderei. Ich weiß, auch IWC ist sich dafür nicht zu schade, aber wie du schon schrubst, das durchzieht inzwischen die ganze Branche. Und, mal im Vertrauen, das hat kein Arbeitgeber, bei dem ich bis jetzt war, je anders gemacht, obwohl ganz andere Produkte und Kunden.
Die “Ingenieur Vintage“ war übrigens nicht wirklich alt, sondern aus der ehemaligen Vintage-Reihe. Schöne Uhr, imho, habe sie gerade am Arm

Bild

Dem Puristen natürlich bäh, da kein Magnetfeldschutz. IWC begründete das mit dem schönen Werk... Keine Ahnung, was die in Schaffhausen so trinken - ich würde die Finger davon lassen.
Aber nun isse, wie sie ist. Ich würde mal vermuten, dass ich von den Membern hier mit am meisten mit starken Magnetfeldern zu tun habe, dann lege ich die Uhr halt ab... :mrgreen:
Der Rest der Zwiebel ist jedenfalls top, tolle Verarbeitung, gangstabil, trägt sich gut und sieht gut aus. Sagt auch meine Frau. :yahoo:
Gruss

Thomas

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