It's complicated - eine komplikationsreiche Reise durch die GO Senator Kal. 100 Serie

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PinkFloyd
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Re: It's complicated - eine komplikationsreiche Reise durch die GO Senator Kal. 100 Serie

Beitrag von PinkFloyd » 08 Dez 2020, 22:37

Bild

Quelle ist ja genannt
Beste Grüße
... FAILURE IS NOT AN OPTION

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cool runnings
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Re: It's complicated - eine komplikationsreiche Reise durch die GO Senator Kal. 100 Serie

Beitrag von cool runnings » 08 Dez 2020, 22:59

Ich habe bewusst mit dem lesen gewartet, bis ich die nötige Zeit und Ruhe dafür habe. Wieder mal eine tolle Vorstellung mit interessanten Detailinformationen. Dankeschön.
Spannende Idee, alle Uhren aus einer Serie zu sammeln. Mir würde auch spontan etwas dazu einfallen. 8)
Mein Favorit ist, wen wundert‘s, die schlichte Zweizeiger.

haspe1
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Re: It's complicated - eine komplikationsreiche Reise durch die GO Senator Kal. 100 Serie

Beitrag von haspe1 » 09 Dez 2020, 13:23

Wieder einmal eine sehr interessante Vorstellung mit wunderbaren Fotos, Christian! Danke sehr!

Mir gefallen die unaufdringlich-zeitlos-eleganten GO-Modelle der 100-er Serie ab Mitte der 2000-er Jahre auch sehr gut. Mein Favorit wäre das Panoramadatum, denn ich mag es einfach und klar und wechsle oft die Uhren, so dass die restlichen immer stehen bleiben (müssen). Deshalb wäre z.B. ein Ewiger Kalender sicher nichts für mich (ich möchte sie nicht immer am Uhrenbeweger haben).

Die Mondphase schaut auch sehr originell und hübsch aus, die anderen sind auch sehr schön und makellos gemacht, aber mit einer 2-Zeigeruhr werde ich persönlich nicht recht warm, da fehlt mir etwas am Zifferblatt.

Für meinen Geschmack waren die GO-Uhren der 100-er Serie die zweitschönsten, ein bisschen besser gefallen mir noch die Vorgänger der 39-er-Serie mit ihren Dauphine-Zeigern. Alle anderen GO-Modelle davor und danach finde ich nicht mehr so ganz nach meinem Geschmack.

Noch eine Frage zum Werk: Das Kal. 100 sieht wirklich wunderschön aus, ist aufwändig gemacht und wahrscheinlich tadellos. Kann jemand von Euch aus eigener Erfahrung sagen, wie das Kal. 100 im Vergleich zum Kal. 39 einzuschätzen ist (rein technisch hat es 36 gegenüber 25 Steinen und 55 gegenüber 40 Stunden Gangresverse, einige mm mehr Durchmesser und die schöne Schraubenunruhe, sowie die aufwändigen und edlen Gold-Chatons).

Welche praktischen Erfahrungen habt Ihr mit den beiden GO-Kalibern und wie gefallen sie den Uhrmachern beim Service?

Hannes

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mhanke
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Re: It's complicated - eine komplikationsreiche Reise durch die GO Senator Kal. 100 Serie

Beitrag von mhanke » 09 Dez 2020, 13:45

haspe1 hat geschrieben:
09 Dez 2020, 13:23
... wie gefallen sie den Uhrmachern beim Service?
Ich nehme an, Du fragst nach den Uhrmachern bei GO. Denn leider hat Glashütte Original eine recht elitäre Servicepolitik: Jeder externe Uhrmacher, selbst wenn er Jahrzehnte Erfahrung hat, muss, um von der Swatchgroup die nötigen Ersatzteile zu erhalten, wie in einer Sekte eine ganze Anzahl aufsteigender und sehr teurer Seminare absolvieren. Das fängt mit dem cal. 39 an, das nun wirklich jeder mit ETA und Consorten vertraute Uhrmacher beherrschen sollte. Für das Dubois-Dépraz-Chronomodul gibt es dann wieder ein eigenes Seminar, für das Cal. 100 Basiskaliber, dann die verschiedenen Kadraturen, und so weiter. Mittlerweile tun sich das immer weniger Konzessionäre für ihre hauseigenen Serviceateliers an und schicken nur noch ein. Mit dem Ergebnis, dass die Servicezeiten nicht gerade kürzer werden.

Aus früheren Zeiten ist mir in Erinnerung, dass Uhrmacher das cal. 39 recht gerne hatten. Man darf nicht vergessen, dass der unmittelbare Vorgänger, cal. 10-30, als "sozialistische" Antwort auf das ETA 2824 konstruiert wurde. Es sollte robust, genau und relativ einfach zu warten sein. Das erfüllte es, auch mit Schwanenhals, Skelettrotor und Chatons. Es ist ein sehr gutes Werk. Sogar Christiaan van der Klaauw erhielt für den Antrieb seiner astronmischen Komplikationen eine Charge vom cal. 39, auch wenn er selbst es heute nicht mehr warten kann - bzw. darf.

Marcus
"Auf Komplikationen fallen eigentlich nur einfache Gemüter herein" - CF

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lottemann
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Re: It's complicated - eine komplikationsreiche Reise durch die GO Senator Kal. 100 Serie

Beitrag von lottemann » 09 Dez 2020, 15:18

mhanke hat geschrieben:
09 Dez 2020, 13:45
... Sogar Christiaan van der Klaauw erhielt für den Antrieb seiner astronmischen Komplikationen eine Charge vom cal. 39, auch wenn er selbst es heute nicht mehr warten kann - bzw. darf.

Marcus
Immer wieder faszinierend, mit was für einem hahnebüchenen
Scheiss wir uns selbst ins Knie schiessen, bzw. Industrien erlauben
uns ins Knie zu schiessen.
:roll:

haspe1
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Re: It's complicated - eine komplikationsreiche Reise durch die GO Senator Kal. 100 Serie

Beitrag von haspe1 » 10 Dez 2020, 07:59

mhanke hat geschrieben:
09 Dez 2020, 13:45
haspe1 hat geschrieben:
09 Dez 2020, 13:23
... wie gefallen sie den Uhrmachern beim Service?
Ich nehme an, Du fragst nach den Uhrmachern bei GO. Denn leider hat Glashütte Original eine recht elitäre Servicepolitik: Jeder externe Uhrmacher, selbst wenn er Jahrzehnte Erfahrung hat, muss, um von der Swatchgroup die nötigen Ersatzteile zu erhalten, wie in einer Sekte eine ganze Anzahl aufsteigender und sehr teurer Seminare absolvieren. Das fängt mit dem cal. 39 an, das nun wirklich jeder mit ETA und Consorten vertraute Uhrmacher beherrschen sollte. Für das Dubois-Dépraz-Chronomodul gibt es dann wieder ein eigenes Seminar, für das Cal. 100 Basiskaliber, dann die verschiedenen Kadraturen, und so weiter. Mittlerweile tun sich das immer weniger Konzessionäre für ihre hauseigenen Serviceateliers an und schicken nur noch ein. Mit dem Ergebnis, dass die Servicezeiten nicht gerade kürzer werden.

Aus früheren Zeiten ist mir in Erinnerung, dass Uhrmacher das cal. 39 recht gerne hatten. Man darf nicht vergessen, dass der unmittelbare Vorgänger, cal. 10-30, als "sozialistische" Antwort auf das ETA 2824 konstruiert wurde. Es sollte robust, genau und relativ einfach zu warten sein. Das erfüllte es, auch mit Schwanenhals, Skelettrotor und Chatons. Es ist ein sehr gutes Werk. Sogar Christiaan van der Klaauw erhielt für den Antrieb seiner astronmischen Komplikationen eine Charge vom cal. 39, auch wenn er selbst es heute nicht mehr warten kann - bzw. darf.

Marcus
Danke sehr für Deine fachmännischen Informationen, Marcus. Diese "elitäre Servicepolitik" von GO gefällt mir, wie vielen Uhrenfreunden, eher weniger. Ich habe zwar keine Uhr von GO, dafür aber 2 Modelle von Union Glashütte aus der Zeit, als diese noch Werke der großen Schwester verbauten, eine Diplomat kleine Sekunde mit dem Kal. 26, das ja eine weniger aufwändige Versions des Kal. 39 von GO ist und eine Julius Bergter Zeigerdatum mit dem schönen Handaufzugkaliber 30. Für die Bergter hätte ich so um 2005 herum gerne einen längeren Minutenzeiger gehabt, so wie er beim Chrono oder beim Regulator verbaut wurde und mein Konzi sagte mir damals: Dafür muss man die Uhr einsenden, er bekäme nicht mal einen Zeigersatz. Ich habe es nicht getan und bin beim kurzen Zeiger geblieben.

Schade, diese Service-Politik wird wohl einige Uhrenfreunde davon abhalten, sich eine Uhr von GO zu kaufen. Meine alten Union scheinen ziemlich selten zu sein, ich habe mal von einem Uhrmacher gehört, es sollen damals von Ende der 90-er bis Mitte der 2000-er nur ca. 15.000 Exemplare insgesamt mit den Werken von GO verkauft worden zu sein. Man sieht sie jedenfalls ziemlich selten am Gebrauchtmarkt.

Hannes

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mhanke
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Re: It's complicated - eine komplikationsreiche Reise durch die GO Senator Kal. 100 Serie

Beitrag von mhanke » 11 Dez 2020, 13:24

Bitte denk nicht, dass das andere Player in der Branche nicht genauso machen. Generell versucht man, den SAV komplett an das eigene Atelier zu binden, und jammert gleichzeitig, dass die Umlaufzeiten unerträglich lang werden und nicht genügend fachmännisches Personal antrabt.

Marcus
"Auf Komplikationen fallen eigentlich nur einfache Gemüter herein" - CF

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