Welcher Hersteller baut eigene Werke bis Preiskl.um 500 EU ?

Allgemeine Diskussionen rund um zeitgenössische Uhren
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Crusader
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Beitrag von Crusader » 20 Mär 2006, 17:19

Wikinger hat geschrieben:........nee, nee. Gar keine Diskriminierung. Nur reine Neugier. Sag ja, meine nächste ist mit 2824-2. Für mich alles andere als ein Problem. 8)
Ich meinte gar nicht Dich, Nordmann, aber Du hast dankenswerterweise mit diesem Thread ein immer wiederkehrendes Thema angesprochen, und das hat mich zum Nachdenken darüber inspiriert, warum die Unterscheidungslinie in Diskussionen immer um Inhouse vs. Fremdwerke geht, aber selten (Rolex und IWC sind Ausnahmen) Vergleiche zu Leistungsmerkmalen (Ganggenauigkeit, Robustheit, Wartungsfreundlichkeit) zwischen ETA und neuen Inhouse-Werken angestellt werden.

Dass die Inhouse-Werke vom Wert her höher bewertet werden, ist mir klar, aber sind sie auch immer von der Leistung her besser als ein ETA?

Matthias Liebe
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Beitrag von Matthias Liebe » 20 Mär 2006, 17:32

kochsmichel hat geschrieben:(c) http://www.emes-uhren.automaticuhren.de/

Bild
Das ist aber doch ein Chinesenwerk. Wird das exklusiv für Emes gemacht, so dass man wenigstein im alllllllllerallerweitesten Sinne von "eigenem Werk" sprechen kann.

Matthias

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kochsmichel
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Beitrag von kochsmichel » 20 Mär 2006, 17:34

Ich meine gelesen zu haben, dass es "exclusiv" für Emes produziert wird :wink:
Light side of the mood!

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Wikinger
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Beitrag von Wikinger » 20 Mär 2006, 17:41

aber sind sie auch immer von der Leistung her besser als
ein ETA?
Genau so sehe ich das auch, mein edeler Ritter. Lieber ein veredeltes ETA Werk als irgendein Ticker der schlechter läuft. Von den gesparten Entwicklungskosten ganz zu schweigen. Und die würden dann nämlich noch dazu kommen.
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd.

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zifferblatt
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Beitrag von zifferblatt » 20 Mär 2006, 19:43

mannberlin hat geschrieben:ein bisschen offtopic..aber interessant was EMES uhren so bewegen....

http://www.nadir.org/nadir/periodika/ju ... 51/17b.htm
Interessant, aber wer die RZ-Geschichte kennt, weiß, dass die eigentlich auf Ruhla-Wecker gestanden haben, die vornehmlich - weil anonym - in Kaufhäusern erworben wurden.
Und ewig grüsst das Zifferblatt

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Axel66
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Beitrag von Axel66 » 20 Mär 2006, 20:15

Inhouse-Werke sogar unter der 500 Euro-Marke und teilweise stark darunter findet man im Vintagebereich bei Marken wie Roamer, Mido, Tissot, Certina, teilw. Helvetia, etc. wenn man nicht gerade Neuzustand verlangt auch bei Omega und Longines und und und...

Gruss,

Axel :wink:

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_Christoph
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Beitrag von _Christoph » 20 Mär 2006, 20:51

Crusader hat geschrieben:Warum ist es denn wichtig, ob das Werk einer Uhr inhouse ist oder nicht?
Ganz einfach: Wenn es nämlich egal wäre, was innen tickt, dann können wir gleich alle Quarzticker kaufen.

"Inhouse" bedeutet, daß im Inneren auch das tickt, was das Zifferblatt verspricht. D.h. wenn Du einen Ferrari kaufst, wird in diesem auch ein Ferrari-Motor verbaut sein, auch wenn er sicher wesentlich mehr Benzin verbraucht und serviceanfälliger ist, als ein Mercedes-Diesel-Motor.

"Inhouse" ist also nicht unbedingt ein Qualitätskriterium, aber es zeugt halt von ehrlichen Produkten und bietet noch ein echtes Unterscheidungsmerkmal von all denjenigen, die Werke von der Stange in Gehäuse von der Stange einschalen und sich effektiv nur durch die paar Mikrogramm Farbe im Firmennamen auf dem Zifferblatt unterscheiden.

Ciao
Christoph
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Sperrklinke
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Beitrag von Sperrklinke » 20 Mär 2006, 20:59

_Christoph hat geschrieben:
Crusader hat geschrieben:Warum ist es denn wichtig, ob das Werk einer Uhr inhouse ist oder nicht?
Ganz einfach: Wenn es nämlich egal wäre, was innen tickt, dann können wir gleich alle Quarzticker kaufen.

"Inhouse" bedeutet, daß im Inneren auch das tickt, was das Zifferblatt verspricht. D.h. wenn Du einen Ferrari kaufst, wird in diesem auch ein Ferrari-Motor verbaut sein, auch wenn er sicher wesentlich mehr Benzin verbraucht und serviceanfälliger ist, als ein Mercedes-Diesel-Motor.

"Inhouse" ist also nicht unbedingt ein Qualitätskriterium, aber es zeugt halt von ehrlichen Produkten und bietet noch ein echtes Unterscheidungsmerkmal von all denjenigen, die Werke von der Stange in Gehäuse von der Stange einschalen und sich effektiv nur durch die paar Mikrogramm Farbe im Firmennamen auf dem Zifferblatt unterscheiden.

Ciao
Christoph
Perfekt formuliert! Du hast alles gesagt...... :D

Gruss Frank
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Ralf
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Beitrag von Ralf » 20 Mär 2006, 21:25

Manchmal bekomme ich richtig Lust, den Leuten zu erzählen, wie "hoch" die Fertigungstiefe im aktuellen Automobilbau ist (Einige sind da wohl in den Zeiten von Henry Ford und Co hängengeblieben). Aber jetzt setz' ich mich lieber in die Ecke und warte, bis der Anfall vorbei ist. Würde ja doch nichts helfen, wenn sie wüssten, dass sie 22 bis 25% beträgt.
Man liest sich!

Ralf

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Beitrag von Sperrklinke » 20 Mär 2006, 21:33

Ralf hat geschrieben:Manchmal bekomme ich richtig Lust, den Leuten zu erzählen, wie "hoch" die Fertigungstiefe im aktuellen Automobilbau ist (Einige sind da wohl in den Zeiten von Henry Ford und Co hängengeblieben). Aber jetzt setz' ich mich lieber in die Ecke und warte, bis der Anfall vorbei ist. Würde ja doch nichts helfen, wenn sie wüssten, dass sie 22 bis 25% beträgt.
Da musst Du Dich gar nicht in die Ecke setzten... :wink: :D
Als eingefleischter Autofreak weiss ich das haargenau!

Deshalb ist es mir auch sch....egal ob ich heute in einem Benz der in Polen entwickelt wurde sitze oder in einem Toyota Corolla. Und in einer Autoausstellung bin ich auch seit 4 Jahren nicht mehr gewesen......

Ich kenne die Szene und wie sie abläuft..... :wink:

Gruss Frank
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Beitrag von Crusader » 20 Mär 2006, 22:20

_Christoph hat geschrieben:
Crusader hat geschrieben:Warum ist es denn wichtig, ob das Werk einer Uhr inhouse ist oder nicht?
Ganz einfach: Wenn es nämlich egal wäre, was innen tickt, dann können wir gleich alle Quarzticker kaufen.

"Inhouse" bedeutet, daß im Inneren auch das tickt, was das Zifferblatt verspricht. D.h. wenn Du einen Ferrari kaufst, wird in diesem auch ein Ferrari-Motor verbaut sein, auch wenn er sicher wesentlich mehr Benzin verbraucht und serviceanfälliger ist, als ein Mercedes-Diesel-Motor.

"Inhouse" ist also nicht unbedingt ein Qualitätskriterium, aber es zeugt halt von ehrlichen Produkten und bietet noch ein echtes Unterscheidungsmerkmal von all denjenigen, die Werke von der Stange in Gehäuse von der Stange einschalen und sich effektiv nur durch die paar Mikrogramm Farbe im Firmennamen auf dem Zifferblatt unterscheiden.

Ciao
Christoph
Neee ... soweit würde ich jetzt nicht gehen. Denn historisch gesehen ist die Schweizer Uhrenindustrie arbeitsteilig gewesen, und hat sich nie gescheut, Werke anderer Lieferanten einzusetzen. Dass jede Uhrenmarke nur eigene Werke verwendet, ist ein sekundär ausgebildeter Mythos, der - wie IIRC Thomas Ernst an anderer Stelle geschrieben hat - seine Entstehung dem modernen Uhrensammler verdankt. :wink:

Und Unterscheidungsmerkmal hin oder her - was ist das im vergleich zur Qualität der Werke? Lieber ein unterscheidbares Schlechteres als ein Verwechselbares das genauer geht? Da kann man durchaus geteilter Meinung sein, was man bevorzugt. :)

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jeannie
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Beitrag von jeannie » 20 Mär 2006, 22:27

Harry hat geschrieben:Wie blöd manche Kriminelle doch sind, dass sie sich wegen solcher "Ticks" (anders kann man die Verwendung von immer derselben seltenen Uhrenmarke bei Verbrechen nicht nennen) auf die Spur kommen lassen.
Vielleicht liessen die sich gut umbauen zu Zeitzündern? Vielleicht ein Relikt von Wehrmachtsmodellen mit eingebautem Zündkontakt? 8)
http://www.watchtools.ch Uhrenwerkzeug, direkt aus der Schweiz.

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Beitrag von jeannie » 20 Mär 2006, 22:30

Matthias Liebe hat geschrieben:
kochsmichel hat geschrieben:(c) http://www.emes-uhren.automaticuhren.de/

Bild
Das ist aber doch ein Chinesenwerk. Wird das exklusiv für Emes gemacht, so dass man wenigstein im alllllllllerallerweitesten Sinne von "eigenem Werk" sprechen kann.

Matthias

Von der EMES-Seite:
Der Qualitätsgedanke, dessen praktische Verwirklichung Johannes Müller-Schlenker - der Gründer der EMES Uhrenfabrik - mit echt Schwarzwälder Zähigkeit verfochten hat, war der Grundstock für den überaus guten Ruf, den EMES Uhren heute genießen. Auch heute ist es der ehrliche Leistungswille aller EMES-Mitarbeiter dieser Verpflichtung seit 2001 von Kassel aus gerecht zu werden.
Auf deutsch: vor ein paar Jahren haben wir diese Marke für ein paar Kröten gekauft und machen jetzt auf alte Uhrenfabrik. :wink:
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Charles
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Beitrag von Charles » 20 Mär 2006, 22:48

Welche arbeiten sind nötig, um ein eigenes Werk zu entwickeln?
Welche Berufsleute braucht es dazu, mit welcher Erfahrung?
Wieviel Arbeitszeit brauchen diese jeweils insgesamt?
Wieviel verdienen solche Berufsleute bei uns, in China, in Afrika,...
(wenn es denn dort solche gibt)

Damit hat man einmal die Konstruktion des ersten Werks.
Jetzt kommt noch die Produktion. Analoge Fragen. ...

Kostet bei uns die Entwicklung € 2'500'000, und die Fabrikation bei 100'000 Stück € 25, macht das € 50 pro Werk. Im Endpreis (Händler, Werbung etc.) ergibt das bereits € 500 nur fürs Werk.

Gehäuse mit Einschalen und Band, Befestigung, Verpackung, Service Après Vente während Garantie usw. usw. sind jedoch nicht gratis.

Die Rechnung ist natürlich nichts Genaues, aber gibt sicher eine Idee.

Manche Werkentwicklungen kosten wesentlich mehr, nur wenige wesentlich weniger, und dies nur, wenn Vorlagen zur Verfügung stehen, die nur abgeändert werden müssen.

Matthias Liebe
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Beitrag von Matthias Liebe » 21 Mär 2006, 09:12

Ich zitere mich mal selbst aus dem WBF

DirkZ hatte geschrieben:
Uhrenfirmen mit großer Tradition sollten in der heutigen Zeit nach meiner Meinung schon die wichtigsten Herstellungsprozesse in eigenen Produktionsstätten durchführen, um auch dem Kunden ein authentisches Manufakturwerk anbieten zu können.
Und ich habe geantwortet:
Sorry, aber rein historisch gesehen ist das nicht richtig.
Es wird immer wieder "aus der Tradition" heraus eine hohe Fertigungstiefe als Qualitätsmerkmal für eine Uhrenfirma gefordert, aber geschichtlich gesehen entbehrt das weitgehend der Grundlage.

Die schweizer Uhrenindustrie ist seit je her sehr stark arbeitsteilig organisiert. Die "Manufakkturen" also die Uhrenfirmen waren immer Betriebe, bei dem der Schwerpunkt der Tätigkeit im Zusammensetzten des Produktes, der Assemblage lag und im Sicherstellen der korrekten Funktionsweise, besonders hier der Regulierung. Das war immer die Kernkopmetenz einer Uhrenfirma. Die reine Fertigung der Teile erfolgte in der Regel in hohem Maße bei Zulieferern und bei auf eine Baugruppe spezialisierten Fachwerkstätten. Anfangs waren das Bauernfamilien, die in den langen Wintern im Jura Teile für Uhrenfirmen in Heimarbeit fertigten.
Die heutige Idee einer "Manufaktur", die möglichst alles selber macht, ist der Uhrenindustrie historisch also eigentlich wesensfremd.

Das führt in der Argumentation der Uhrenfirmen immer wieder zu Peinlichkeiten, weil man einerseits Traditionen verkaufsfördernd pflegen will, anderesseits die eigene Geschichte leugnen muss, nur weil man selber das Manuafakturkaliber zum Nonplusultra verklärt hat, um sich von der ETA zu differenzieren.
Was aber nicht heißt, dass man Bemühungen zur Erhöhung der Fetrtigungstiefe nicht auch begrüßen kann. Man soll es aber nur nicht immer als "historisch" begründet bezeichnen, wenn dies geschieht.

Matthias

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