Seite 1 von 5

Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 09:02
von Hertie
Gestern abend lief eine Kurzreportage über Philippe Dufour im schweizer SF1 . Der Mann kann begeistern. Ein cooler älterer sympathischer Typ, mit vom Pfeifenrauch finissierten Zähnen. :wink:

Falls ich es noch richtig wiedergeben kann, stellt er in Valle de Joux nur ein paar wenige Uhren im Jahr her (7 Stück ?) .
In Manufakturarbeit vom feinsten. Mit seiner "Grande Sonnerie" mit 425 Einzelteilen hat er sich bereits als Ikone erewigt.

Als einzigen Mitarbeiter beschäftigt er einen deutschsprachigen Uhrmacher. Das wars. Ein Zweimannbetrieb in einem ehemaligen Schulhaus. Während den Pausen wird gemütlich auf de Bank vor dem Haus der Kaffee getrunken. Idylle pur. Und das Chlichee wird auch genährt.

Seine Kunden sind die Reichen der Reichen und müßen jahrelang auf ihre Ticker warten. Geht eben nicht schneller.

Auf der Basler Messe stellt er nicht aus. Warum ? Weil er " Angst hat, dort neue Kunden zu gewinnen, und diese braucht er derzeit leider nicht". Seine Auftragsbücher sind über Jahre hinweg ausgebucht. :D

In Japan scheint er bekannter als in unseren Breitengraden zu sein und es gäbe genug Leute, welche sich eine Uhr von ihm für 700000.- kaufen würden. 8)

Im laufe der kurzen Sendung bekam ich plötzlich das Bedürfnis, eine PD haben zu wollen. will jemand tauschen ? :mrgreen:

Hat die Sendung jemand gesehen ?

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 09:09
von andreaseck
Hallo

Leider kann ich kein Schweizer Fernsehn empfangen :(

Die Uhren von Philippe Dufour finde ich klasse!!!
Zudem ist Dufour selbst ja auch Lange-Fan :D

Gruß
Andreas

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 09:13
von Nikolaus B.
Hertie hat geschrieben:...will jemand tauschen ? ...
Frag doch mal bricktop... :whistling:

Aber im Ernst, ich habe vor längerer Zeit auch mal etwas über ihn gelesen - war schon beeindruckend.
Gruß Nikolaus :wink:

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 09:25
von stere
Moin,

da gabs mal einen Franzosen, der seine Uhr direkt bei ihm abgeholt
hat. Er hat das ganz nett dokumentiert. Ich denke, der Bericht
gibt in etwa wieder, was für eine nette Person der Herr Duour ist:

http://mywatches.free.fr/dufour.html

Viel Spass !

stere

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 10:14
von ocean2000
Ich habe den Bericht zufällig in 3sat gesehen, der Mann ist wirklich beeindruckend. 7 Uhren pro Jahr, die einfachen Uhren ohne Komplikation kosten so um die 70.000 Euro, die teuerste Uhr, die er hergestellt hat, wurde um 850.000 Euro (!) verkauft. Lt. Bericht stellt er alles selber her (auf alten Maschinen) kontrolliert immer wieder jedes Teil eines Werks und schafft eben mit seinem Anspruch an die Perfektion nicht mehr als 7 Uhren pro Jahr. Eine Dufour scheint wirklich die ultimative Manufaktur-Uhr zu sein :-)

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 11:13
von Hertie
Eine Dufour scheint wirklich die ultimative Manufaktur-Uhr zu sein
Ob das eingefleichte Rolex-Jünger auch anerkennen ? :mrgreen:

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 11:28
von mst-basel
Ja, habs auch gesehen! War wirklich toll.
Und in Japan liegt wohl sein "grosser" Markt. Meine jap. Frau hatte gerade letzte Woche mit ihrer Mutter telefoniert, und diese erwähnte einen längeren Bericht über Dufour im jap. Fernsehen.

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 12:29
von andreaseck
Hallo

Mein Favorit wäre eindeutig die Simplicity

Bild

Bild

Bild
@Bilder von dufourwatches

Wobei die Preise hier bei 48.000 CHF beginnen.

Gruß
Andreas

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 13:15
von Hertie
Die Simplicity verkauft sich auch gut. :D

Ob ich wohl meine letzten Stücke der Sammlung verticken soll, um irgendwann, irgendwo eine gebrauchte Dufour zu ergattern ?
Eine allgemein unbekannte Uhr eines unbekannten Genies.
Einen Ticker, den man getrost immer tragen kann und keine Neider aufs Gelenk schielen.
Eine hochwertige Uhr, welche abr nicht mal der Portier im 1-Sterne-Hotel als Kaution für die Nächtigung nehmen würde.

Hat seinen Reiz, keine Frage. :whistling:

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 13:26
von PeterCDE
Dufour ist toll, nett ist er auch und die gelegentliche Plauderei mit ihm macht wirklich Spaß.
Die Uhren sind auch nett.

Aber so ganz stimmen die Zahlen nicht.
Letztes Jahr hatte er 3 Mitarbeiter, bei 2 weiteren waren die Anstellung geplant.
Seit 2000 wurden - nach seinen Angaben, also "mindestens" - 130 Uhren des Models "Simplicity" produziert, bei denen Gehäuse, ZB, Zeiger, Gläser, Bänder und Teile des Uhrwerks aus Zulieferungen stammen. Bis 2010 sollen es 200 Stück werden, damit ist die Serie mehr oder weniger ausverkauft. Dazu kommen noch einige wenige "Duality" und eine Handvoll "Sonnerie".

Gebrauchte PD´s sind selten, aber nicht unmöglich zu finden. Nicht billig, allerdings (und schon gar nicht unter dem damaligen Einstandspreis).

Beste Grüße,

Peter

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 13:32
von royfocke
Wieder eine der wenige Uhren bei denen ich mich nicht enscheiden könnte ob ich das Ziffernblatt oder doch das Uhrwerk nach oben tragen wollen würde!


Sehr schicke Uhr! Endlich mal wieder eine die mir gefällt!!!


Roy

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 14:58
von stere
Mal eine blöde Frage:

Wenn man sowas kauft und in 20 Jahren mal was kaputt geht...was denn dann?

stere

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 15:21
von mst-basel
Eher eine gute Frage! :wink:

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 15:26
von Hauke Heffels
stere hat geschrieben:Mal eine blöde Frage:

Wenn man sowas kauft und in 20 Jahren mal was kaputt geht...was denn dann?

stere
Bei jeder alten Uhr die ich auf dem Tisch habe suche ich mir erst einmal die Hotlinenummer des After Sales Service raus:

"Berthoud Paris war doch noch ind er Rue... .... 8) "
"Vicktorin Piguet war in Le Brassus ... na dann wollen wir mal die Auskunft bemühen " :lol: :lol: :lol:

Hauke Heffels

PS:

P.Dufour gehört zu dem Besten was für Geld zu kaufen ist derzeit. Die Asiaten verstehen halt den Spirit. Ob dieses Verständnis je in Deutschland für handcraft vorhanden sein wird weiß ich nicht. Die Freaks hier verschlafen wieder den Loop.

Re: Philippe Dufour - einer der Angst vor Kundschaft hat

Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 16:06
von Albert H. Potter
Also ich kann den positiven Eindruck nur bestätigen. Ich war vor Jahren mal mit einer kleinen Uhrmachergruppe bei Herrn Dufour zu Besuch. Seine Werkstatt war wunderbar. Und er zeigte bei allen Vorführungen viel Humor. Viele Details waren zu entdecken. Vom Gewehr hinter der Tür bis zu den selbstgefertigten Spezialpinzetten für das Biegen der Spiralendkurven. Damals war er noch alleine mit dem beschriebenen Uhrmacher, der übrigens von Chronoswiss kam. Er hatte zwischenzeitlich mehrere Hilfen, die aber häufig nicht lange aushalten, da Herrn Dufours Qualitätsansprüche etwas extrem sein sollen, was das Arbeitsverhältnis stark belasten kann. Damals hatte er das letzte Modell der Sonnerie und zwei Duality in der Werkstatt. Alles schon nach Japan verkauft.....
Auf der Gangwaage lag eine Simplicity mit einem Gangbild, daß wir darum herum geschlichen sind und nach der Manipulation gesucht haben. Da wir diese nicht entdecken konnten, handelte es sich wohl um die Uhr mit dem besten Gangbild, daß wir je gesehen hatten. Das was an Reglage-Zeit in dieser Uhr stecken mußte, ist wahrscheinlich ein vielfaches der Gesamtfertigungszeit einer der üblichen Manufaktur-Uhren. Damals entstanden diese Uhren nahezu komplett in Herrn Dufours Werkstatt. Als Beispiel für Herrn Dufours Humor, kann ich hier erzählen, wie er auf die hartnäckig-dämlichen Fragen nach der "Fertigungstiefe" einzelner Teile reagierte. Er bot dem Frager an, mit hinter das Haus zu gehen, da er jetzt gleich die Krokodile für die Lederbänder versorgen müsse.
Es ist wohl so, daß er für seine frühen Uhren schöne Hemmungsteile aus alten Beständen verwendete, für die "große Serie" werden diese Teile neu gefertigt. Er baute auch die Unruh in seinem Atelier wobei die Spirale roh zugekauft war. Die nötigen Umgänge wurden auf einer wunderbaren Maschine abgezählt (aus der Zeit wo die tollen Manufakturen solche Maschinen ausmusterten). Das Anstiften erledigte er selbst und die Endkurven legte er mit den oben erwähnten Spezialpinzetten. Die Gehäuse ließ er fremdfertigen.
Die Werkplatinen und Brücken bohrte er damals selbst (auch hierfür hatte er eine wunderbare 50 Jahre alte Maschine). Ob er das auch in der Großserie durchhalten konnte??? Herr Dufour ist in der traditionellen Uhrmacherei verwurzelt, aber auch Neuem gegenüber aufgeschlossen. Er war einer der ersten Uhrmacher, die mit einem CAD-Programm arbeiteten und wer CNC-Fertigungen kennengelernt hat, wird diese für die Fertigungsqualtität zu schätzen wissen.
Auch bei Herrn Dufour gab es Ausschußteile. Das war sicher der makelloseste Ausschuß, den ich je gesehen habe. Ein Azubi der so etwas abliefert, hätte seine Eins sicher.

Fazit: Ein netter Uhrmacher, tolle Uhren, deren Qualität sich auch einem Laien erschließt, leider ausverkauft. Ein Bild von Herrn Dufours Uhren hängt über meinem Werktisch.

Wenn ein solches Stück mal wirklich eine defektes Teil hätte, findet sich sicher jemand, der so etwas nachfertigen kann. Es ist ja eine Uhr wo sich die Handarbeit lohnt. Die ganz großen Manufakturen haben ja auch solche Spezialisten die solche Teile noch anfertigen können, obwohl ihre moderne Massenproduktion auf einem ganz anderen Niveau abläuft.

Gruß,
Peter