Zenith ... eine Reise

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TST_64
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Zenith ... eine Reise

Beitrag von TST_64 » 11 Dez 2019, 20:30

Le Locle ... Wiege der Schweizer Uhrenindustrie und UNESCO Weltkulturerbe ... an den westlichen Ausläufern des Jurabogens gelegen, begibt sich doch selten ein Ostschweizer in diese Gegend. Dabei bietet diese neben ihrer landschaftlichen Vielfalt, auch ein grosses kulturelles und handwerkliches Erbe.
In erster Linie ist es natürlich das Uhrmacherhandwerk, welches sich in den Tälern östlich der ,Grand Traversée du Jura Suisse‘ im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte. Viele der berühmtesten Schweizer Uhren-Marken sind hier angesiedelt. Die Namen zergehen Uhren-Liebhabern wie feinste ‚Chocolat noir‘ auf der Zunge: Audemars Piguet, Blancpain, Girard-Perregaux, Jaeger-LeCoultre, Jaquet Droz, Piaget, Tag Heuer, Ulysse Nardin, Greubel Forsay und ...

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Dienstag, 22. Oktober

In St. Gallen treffen sich in den frühen Morgenstunden zwanzig Freunde der Haute Horlogerie, um gemeinsam der neben Vacheron Constantin ältesten industriellen Uhrenmanufaktur der Schweiz einen Besuch abzustatten.
Während wir, die Gäste, auf der langen Fahrt viel Zeit haben, um uns näher kennenzulernen, geben sich Hiob und Vanessa als Gastgeber par excellence.
Nach etwas mehr als drei Stunden erreichen wir La Chaux-de-Fonds.
Hier beginnt das Silicon Valley der Schweizer Uhrenindustrie.
Die schachbrettartige Anordnung der Architektur hat einen besonderen Grund: Licht … das wichtigste Gut der Uhrmacher.
Breite Strassen mit grossen Fenstern prägen das Stadtbild, denn im Neunzehnten Jahrhundert gab es in der Schweiz noch keine elektrischen Lichtquellen. Die Elektrifizierung der Schweiz begann erst um 1880 und das genau am anderen Ende der Confederation Helvetica, in St. Moritz.
So fahren wir weiter Richtung Le Locle, vorbei an den Gebäuden der Firmen Eberhard & Co, Tag Heuer, Greubel Forsay, Jaquet Droz, Cartier und Breitling.
Wie stark die Schweizer Uhrenindustrie heute aufgestellt ist, zeigt die Tatsache, dass weltweit nur etwa drei Prozent aller Uhren aus der Schweiz kommen, aber sie machen mehr als die Hälfte des Gewinns der weltweiten Uhrenindustrie aus.

Kurz vor 12 Uhr erreichen wir unser Ziel … die Manufaktur der Firma Zenith.

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Sie ist eines der geschichtsträchtigsten Symbole dieser Stadt und mit ihren 18’000 Quadratmetern eines der grössten Industrieareal in Le Locle.
Seit August 2011 laufen in mehreren Etappen die Renovierungsarbeiten. Allein die Restaurierung der 400 Fenster mit Dreifachverglasung war eine enorm aufwendige und kostenintensive Angelegenheit, denn es sollten nicht einfach nur neue Fenster eingesetzt werden … nein, der Firma und dem Architekten war es wichtig, den historischen Charme dieser Gebäude, an denen die grossen unterteilten Fenster einen wesentlichen Anteil haben, zu erhalten.

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Am Haupteingang eine goldene Tafel mit dem Namen des Gründers.

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Wer war dieser Mann?

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Foto Zenith

Georges Favre-Jacot, 1843 in Le Locle geboren, war bereits im Alter von 16 Jahren einer der begabtesten Uhrmacher der Region.
Er entstammte einer Uhrmacherfamilie und hatte somit die Begabung für dieses faszinierende Handwerk von seinem Vater in die Wiege gelegt bekommen.
Mit zwanzig Jahren heiratete er Louise-Philippine Jacot-Descombes, eine gelernte Uhrmacherin.
Georges Favre-Jacot war aber nicht nur ein hervorragender Uhrmacher, er war auch ein Visionär mit einem überaus ambitioniertem Ziel: Seine Uhren sollten die präzisesten und zuverlässigsten Zeitmesser der Welt werden.
Ihm war bewusst, dass er seine Vision nur verwirklichen konnte, wenn es ihm gelang die Fertigung seiner Uhren in einer einzigen Manufaktur zu konzentrieren.

Doch wie sollte Georges Favre-Jacot dies umsetzen.

Zur damaligen Zeit war die gesamte Uhrenherstellung in der Westschweiz ein Flickenteppich, verstreut in den vielen kleinen Handwerksstätten des Jura. Viele Teile der Uhren wurden von unabhängig arbeitenden Handwerkern und Bauern in Heimarbeit gefertigt. Zu fixen Terminen wurden die fertigen Teile dann abgeholt und zu den Ateliers der Uhrmacher in La Chaux-de-Fonds, Le Locle, St. Imier und Tramelan gebracht. Fehlerkorrekturen und Änderungen am Fertigungsprozess waren kaum möglich und wenn, dann nur über lange Zeiträume.
Im Jahr 1864 nahm Georges Favre-Jacot seinen Plan in Angriff und liess ein erstes grosses Gebäude errichten, welches ein Jahr später fertig gestellt wurde. Inzwischen hatte er viele der im Umland von Le Locle wohnenden ‚Hologers‘ für seine Fabrik gewinnen können. Einige von ihnen hatte er selbst ausgebildet. Er gab ihnen ein festes Anstellungsverhältnis und somit finanzielle Sicherheit. Für die vielen einfachen Arbeiten fanden sich schnell junge Männer und Frauen aus den Bauernfamilien. Für sie bot sich die Chance einer sicheren Lohnarbeit und bei entsprechendem Talent und Willen, eine Ausbildung zum Hologer, was mit einem sozialem Aufstieg verbunden war.
Der Manufaktur gab er den Namen ,Fabrique des Billades’.
Im Laufe der Zeit erweiterte er die Manufaktur und es entstand ein weitläufiger Gebäudekomplex.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Georges Favre-Jacot gerade mal sein dreiundzwanzigstes Lebensjahr vollendet und seine Vision einer Uhrenfabrik, in der alle Gewerke, welche für die Herstellung von Uhren gebraucht wurden, unter einem Dach vereint sind, verwirklicht.
Mit dieser Konzentration an Wissen und Fähigkeiten in seiner Manufaktur war es ihm möglich geworden, den gesamten Entwicklungs- und Herstellungsprozess zu koordinieren und damit in allen Abläufen zu beherrschen. Dabei war sein ganzer Ehrgeiz auf Präzision und Zuverlässigkeit fokussiert. Um diese beiden Kriterien auf ein immer höheres Qualitätsniveau zu heben, entwickelte er ein Konzept zur Automatisierung verschiedener Fertigungsschritte.

Georges Favre-Jacot hatte in der Schweiz eine Revolution in der Fertigung von Uhren angestossen und der unternehmerische Erfolg in den kommenden Jahren sollte ihm Recht geben.

Doch keine zehn Jahre später folgte die erste schwere Krise der Schweizer Uhrenhersteller.
Der Umsatz im damaligen grössten Absatzmarkt, den USA, brach innert zehn Jahren um 75 Prozent ein. Betrug der Absatz 1872 noch 18 Millionen Franken, so sank er bis 1882 auf ca. 4 Millionen Franken.
Einhundert Jahre vor der Quarzkrise wäre die Schweizer Uhrenproduktion fast vom Markt verschwunden.
Die USA hatten als erstes Land der Welt die Herstellung von Uhren industrialisiert. Die Fertigungs- und Arbeitsmethoden wurden einer solchen Optimierung unterzogen, dass die amerikanische Uhrenindustrie in der Lage war, riesige Stückzahlen in einer gleichbleibend hohen Qualität und Quantität zu solch günstigen Preisen zu fertigen, dass die Europäer mit ihren traditionellen Herstellungsmethoden dem nichts entgegensetzen konnten.
Die Amerikaner führten erstmals Standards und Normen ein, die es u.a. ermöglichten, die Einzelteile untereinander aus zu tauschen bzw. zu kombinieren.
Die Herstellungskosten wurden damit so günstig, dass die Uhren der Schweizer Hersteller mit ihren hohen Preisen und der schwankenden Qualität als Ladenhüter in den Geschäften liegen blieben.
Georges Favre-Jacot war durch seine, den Amerikanern annähernd gleichwertigen Fertigungsprozesse, in einem geringeren Masse als der Rest der damaligen Schweizer Uhrenhersteller dieser Krise ausgesetzt.
Doch die Schweizer Uhrenhersteller lernten schnell und stellten sich auf die neuen Gegebenheiten ein. Bis zum Ende des Neunzehnten Jahrhunderts fand eine enorme Konzentration in den Manufakturen statt und die Automatisierung und Spezialisierung wurde auch hier zu Lande perfektioniert.

Im Jahr 1896 wurde die ,Fabrique des Billades‘ in eine Gesellschaft umgewandelt. Unter dem Namen ,Georges Favre-Jacot & Cie‘ produzierte und vertrieb er jetzt seine Zeitmesser. Um diese Zeit wurden auch zum ersten Mal Uhren mit dem Namen Zenith hergestellt.
Neben seinen hochpräzisen Taschenuhren, wurde die Produktpalette zum Ende des 19. Jahrhunderts um Bordchronometer, Tischuhren und Präzisionspendeluhren erweitert und ab 1905 kamen auch Marinechronometer dazu.
Mit seinem ersten Taschen-Chronographen, den er im Jahr 1899 auf den Markt brachte, gewann er ein Jahr später bei der Pariser Weltausstellung seine erste Goldmedaille.
Es war der Beginn eines innovativen Erfolges, der bis heute der Firma Zenith 2333 Auszeichnungen brachte, soviel wie keiner anderen Uhrenmarke.

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Uhren von Zenith aus den Jahren 1900 bis 1930

James Favre, seine Neffe, hatte die Marke mittlerweile in den aufstrebenden Staaten Südamerikas, in Russland, Indien, China und Japan etabliert.
Eine der berühmtesten Persönlichkeiten der Geschichte, Mahatma Gandhi, besass eine Taschenuhr von Zenith, eine seiner ganz wenigen materialen Dinge.

Es kam das Jahr 1911 und Georges Favre-Jacot zog sich aus dem operativen Geschäft und der Führung seines Unternehmens zurück. Mit der Umwandlung der Manufaktur in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen ,Fabrique de montres Zénith SA‘ übergab er die Leitung des Unternehmens an seinen Neffen.
Oberhalb der Zenith Werke liess Georges Favre-Jacot 1911 eine Villa errichten, damit er sein Lebenswerk immer im Blick hatte.
Für die Planung und Ausführung der Arbeiten engagierte er den Architekten Charles-Edouard Jeanneret, der unter seinem Künstlernamen ‚Le Corbusier’ ab 1920 weltweite Bekanntheit erreichen sollte.
Am 19. Mai 1917 starb Georges Favre-Jacot in seiner Heimatstadt Le Locle.

Im Foyer des Hauptgebäudes begrüsst uns Patrick, der viel Charme und Esprit versprüht und uns völlig unprätentiös seine Art des ‚savoir vivre‘ zelebriert.
Da das Mittag vom Gourmet Catering noch auf sich warten lies, zeigt Patrick uns den Prototyp des neuen Defy Double Tourbillon.
Volà … ein technisches Meisterwerk.

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Defy Double Tourbillon

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Defy Double Tourbillon (Foto Zenith)

Der Tourbillon für die Uhr schlägt mit 36‘000 VpH, wobei der Käfig in 60 Sekunden eine komplette Drehung vollführt. Der zweite Tourbillon ist für den Chronographen und schlägt mit 360‘000 Halbschwingungen, was 50 Hz entspricht. In nur fünf Sekunden vollführt der Käfig des Tourbillons eine volle Umdrehung. Für diesen Double Tourbillon wurde das El Primero Kaliber 9020, welches aus 311 Bauteilen besteht, entwickelt.
Beim Beobachten des Chrongraphen-Zeigers, wie dieser in nur einer Sekunde einmal komplett das Zifferblatt umrundet, kann man sich schon mal in der Zeit der Hundertstelsekunden verlieren.

Der Tourbillon wird in Platin auf 10 Stück und im Carbon-Gehäuse auf 50 Stück limitiert sein. Hiob strahlt vor Freude, denn Zenith hat ihn als einen von zehn Geschäftspartnern ausgewählt. Bei Chronoart wird es die Nummer 7 der Platin-Variante geben.

Mittlerweile ist der Catering-Service eingetroffen und das Essen serviert. Patrick und Veronique entschuldigen sich bei uns, dass Zenith immer noch kein eigenes Restaurant hat. Ganz bescheiden und in Demut verfallen, bittet uns Patrick doch öfter mal eine Zenith Uhr zu kaufen, damit den Mitarbeitern der Traum eines eigenen Restaurants in Erfüllung geht.
In Anbetracht der grossartigen Uhren Kollektion … wie kann man solch einen Wunsch ausschlagen.

Pour être bref … on y va!

Willkommen in der Entwicklungsabteilung
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Gedanken müssen fliessen wie ein Fluss durch die Weiten der Landschaft. Ist er zu schnell, gehen viele Eindrücke und Informationen verloren, ist er zu langsam, verliert er sich in der Zeit. Neue Ideen müssen reifen, ihre Umsetzung benötigt Zeit.
Zenith ist es wichtig, dass die Entwickler ihre Kreativität ausleben können und sich die Zeit nehmen können, diese in einem strukturierten Prozess zu einem perfekten Produkt umzusetzen.

Jean Claude Biver brachte es auf den Punkt: „Es geht bei Zenith um Kunst. Kunst ist ewig.“

Hier zeigt sich auch der Vorteil, dass man unter dem Dach eines solch finanziellen Riesen wie LVMH angesiedelt ist. Im ersten Halbjahr 2019 erwirtschaftete der Luxusgüter-Konzern über 25 Milliarden Euro Umsatz und 5,2 Milliarden Euro Gewinn. Am Umsatz hatten das Segment Uhren und Schmuck 2,2 Milliarden Euro Anteil. Den meisten Umsatz generiert LVMH mit den Uhren auf dem chinesischen Markt. Das Wachstum dort liegt im zweistelligen Bereich. Dabei wirkt sich der Handelsstreit zwischen China und den USA positiv für die Europäer aus, denn China hat für europäische Luxusgüter die Einfuhrsteuern gesenkt und im Gegensatz dazu diese für amerikanische Waren erhöht.

Der Weg einer neuen Uhr von der Idee über die Planung und Entwicklung bis zur Herstellung ist ein langer Weg. Solche Projekte können Jahre in Anspruch nehmen ... und sie haben ihren Preis.

Eine der spannendsten Entwicklungen der letzten Jahre ist die Defy Fusee Tourbillon, ein Uhrwerk mit Kette und Schnecke.
In ihr arbeitet das El Primero 4805 SK. Es besteht aus 807 Einzelteilen, wobei allein die Kette 575 Teile umfasst.

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Foto Zenith

Die wohl innovativste Entwicklung der Marke Zenith ist das gyroskopische „Gravity Control“ Modul, welches die Ingenieure nach über fünf Jahren Forschung im legendären Tourbillon Academy Christoph Colomb beim Grand Prix d’Horlogerie de Genève 2011 präsentierten. Das dieser als Sieger bei den grossen Komplikationen den Grand Prix verliess, war absolut keine Überraschung.

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Die Idee hinter diesem Modul ist, dass man die schwerkraftbedingten Gangfehler einer Uhr eliminiert.
Doch in welcher Position gewährleisten Hemmung und Unruh einer Uhr die maximale Präzision, weisen sie unabhängig von der Bewegung und Position des Trägers eine gleichbleibende Ganggenauigkeit auf?
Die Ingenieure fanden schliesslich die Lösung in der eigenen langen Uhrmachertradition der Manufaktur.
Es waren die Marine-Chronographen von Zenith, welche in Anlehnung an die Lagerung von Schiffskompassen mit einer kardanischen Aufhängung versehen waren. Bei dieser Konstruktion wird der Einfluss der Schwerkraft dadurch überwunden, weil sich die Unruh eben an dieser ausrichtet. Der Schwerpunkt des zu lagernden Objektes der kardanischen Aufhängung liegt unterhalb des Schnittpunktes der Drehachsen, so dass dieser die Neigung seiner Umgebung nicht mit macht.
Das Ergebnis: Die perfekte Position für eine maximale Ganggenauigkeit einer Uhr ist die Horizontale.
Doch mussten die Ingenieure im Gegensatz zum Marinechronometer, wo die gesamte Uhr kardanisch aufgehängt war, einen anderen Lösungsansatz finden. Also entwickelte man eine solche Aufhängung nur für die Hemmung und Unruh.
Damit stand das nächste Problem an, denn man entkoppelte die Hemmung und die Unruh von dem restlichen Räderwerk. Weitere Lösungen mussten gefunden werden, um mit dem Räderwerk ausserhalb des Moduls in Verbindung zu bleiben.
Schliesslich testeten die Entwickler gewölbte Zahnräder, welche seitlich am Modulkäfig angebracht wurden und mit den anderen Zahnrädern in Verbindung standen. Und siehe da … es funktionierte. Die Hemmung blieb, egal in welcher Position, mit dem Räderwerk an den entsprechenden Achsen gekoppelt.
Mit der Entwicklung des Moduls war es aber nicht getan, denn für die Herstellung bedurfte es über 60 Spezialwerkzeuge. Auch diese mussten entwickelt und gebaut werden.
Der Käfig des Moduls besteht aus 175 Komponenten, mehr als manch komplettes Uhrwerk. Und natürlich schlägt auch das Herz dieses Tourbillons mit 36’000 VpH.
Wenn man es unter technischen Aspekten genau betrachtet, handelt es sich eigentlich um keinen richtigen Tourbillon, sondern um eine normale Hemmung mit schwingender Unruh, die in diesem Modul kreiselnd gelagert ist.

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Über acht Jahre an Entwicklungszeit vergingen für den Tourbillon Academy Christoph Colomb.

Ein neuer Prototyp mit dem Gravity Control-Modul ist bereits gefertigt. Hier gelang es den Ingenieuren dieses Modul noch weiter zu optimieren, so dass man die Wölbung an der Stelle des Saphirglases, wo der Käfig mit dem Modul sitzt, nicht mehr benötigt. Er ist perfekt flach.

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Nach dem spannenden und hochinteressanten Besuch der Entwicklungsabteilung, beginnt nun eine Reise durch die Geschichte der Manufaktur und diese ist untrennbar mit einer der grossen Legenden der Schweizer Uhrenindustrie verbunden.

Am 3.März 1969 wurde das Geheimnis um ein Projekt der Hersteller Breitling, Heuer-Leonidas, Hamilton/Büren und Dubois Dépraz in Genf und New York der Öffentlichkeit präsentiert. Das Kaliber 11 Chronomatic war ein Chronographenwerk mit automatischen Aufzug, welches auf einem Mikrorotor basiert.
Doch wie so oft im Leben kamen auch die vier beteiligten Firmen zwei Monate zu spät.
Zenith hatte am 10. Januar 1969 in New York das erste Automatik-Chronographenwerk vorgestellt … das El Primero.

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Foto Zenith

Von der ersten Idee bis zur Vollendung vergingen fast sieben Jahre. Das Resultat war ein äusserst anspruchsvoller Mechanismus, welcher es ermöglichte, den Chronographen ohne ein zusätzliches Modul direkt im Uhrwerk unterzubringen.
Das gesamte Uhrwerk wurde um einen kugelgelagerten Zentralrotor aufgebaut, welcher sich auf einem Säulenrad dreht.
Und damit nicht genug …
Das Uhrwerk schlägt mit einer Schwingungszahl von 36'000 Halbschwingungen pro Stunde, was einer Frequenz von 5 Hertz entspricht. Mit einer Bauhöhe von nur 6,5 Millimetern und einem Durchmesser von 29,33 Millimetern setzte dieses komplexe Kaliber neue Massstäbe.
Zwei Versionen wurden von Zenith auf den Markt gebracht:
Das Kaliber 3019 PHC, bestehend aus 280 Komponenten mit einer einfachen Datumsanzeige und die kompliziertere Version, dass Kaliber 3019 PHF, mit Dreifach-Kalender und Mondphasen-Anzeige, bestehend aus 354 Komponenten.
Auch im Design ging Zenith neue Wege. Die drei Totalisatoren wurden farblich unterschiedlich gestaltet - hellgrau, anthrazit, blau - womit sich die Uhren von den anderen Marken deutlich abhoben.
Doch der Erfolg währte nur kurze Zeit.

Zwei Jahre später kämpfte Zenith bereits mit Absatzproblemen. Die Quarzkrise hatte die Schweizer Uhrenindustrie erreicht.
So schloss sich Zenith mit Mondia und Movado zusammen. Ein amerikanischer Investor übernahm unter dem Namen Zenith Radio Corporation das Dreiergestirn.
Da kaum noch Nachfrage nach mechanischen Uhren bestand, wurde auch bei Zenith die Produktion auf Quarzuhren umgestellt.
Und es sollte noch schlimmer kommen.
Das Management der Zenith Radio Cooperation erklärte 1975 die mechanische Uhr für tot. Alle Dokumente, Pläne, Werkzeuge, Rohwerke und Komponenten sollten vernichtet werden. Die Investoren von Zenith glaubten nicht mehr an eine Renaissance der mechanischen Uhren.

Und wie es zu solchen Geschichten gehört, gab es auch hier einen Helden.

Charles Vermot
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Auf einem Speicher der Manufaktur, wo er jeden Winkel, jeden Gang und jeden Raum kannte, versteckte er alle wichtigen Sachen, die für einen Neuanfang des El Primero von Bedeutung waren. Als er fertig war, mauerte er den Dachboden zu. Mit dieser mutigen Aktion nahm er sogar seine Kündigung in Kauf.

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Das Versteck.

Allmählich verloren die Amerikaner die Geduld, da die Umsätze stagnierten und die Gewinne ausblieben.
Mit dem Verkauf der Manufaktur 1978 an die Firma Dixi in Le Locle, flackerte für Zenith nach sieben Jahren des wirtschaftlichen Martyriums wieder ein Licht am Ende des Tunnels auf.
Mit Paul Castella übernahm ein Liebhaber alter mechanischer Uhren die Führung des Unternehmens. Doch es sollten noch drei weitere Jahre vergehen, bis der Stern von Zenith wieder zu leuchten beginnen sollte.
 
Rolex, auf der Suche nach einem Automatik Chronographen-Kaliber für ihre legendäre Daytona, soll mit einem Angebot das El Primero wieder aus der Vergessenheit geholt und Zenith vorm Untergang bewahrt haben.
Ein Mythos ward geboren … obwohl es nicht ganz falsch ist aber eben auch nicht ganz der Wahrheit entspricht.

Pierre-Alain Blum von der Firma Ebel war es, der 1981 bei Zenith nach einem Automatikkaliber für einen Chronographen nachfragte, denn speziell aus Italien kam verstärkt die Nachfrage nach hochwertigen mechanischen Uhren. Für Charles Vermot war es eine Erlösung. Mit Tränen in den Augen öffnete er die Bodenkammer und präsentierte der Geschäftsleitung von Zenith und Herrn Blum die versteckten Schätze. Mit Unterstützung von Ebel wurde die Produktion der El Primero-Werke ab 1982 wieder aufgenommen und im Frühjahr 1984 begann auch Zenith wieder mit der Produktion eigener Uhren, in welchem das legendäre Werk tickte. Dabei entwickelte man das Kaliber 3019 weiter und benannte es in Kaliber 400 um. Es wurde von diesem Zeitpunkt an das Basiswerk der El Primero Reihe.
Bei Ebel war das El Primero 400 unter dem Namen E 134 und später E 136 vor allem in der Serie 1911 Automatik Chronograph verbaut. Diese verkaufte sich von Mitte der Achtzigerjahre bis Ende der Neunzigerjahre sehr erfolgreich.
Die berühmte Anfrage von Rolex kam erst im zweiten Halbjahr 1984, also drei Jahre nach Ebel und ein halbes Jahr nach der Wiederaufnahme der eigenen Produktion.
Natürlich war das Angebot von Rolex für Zenith finanziell sehr lukrativ und spülte gutes Geld in die Kasse.
In der wohl begehrtesten Rolex, der Daytona Cosmograph, wurde das El Primero von 1988 bis 2000 als Basiskaliber verbaut. Rolex modifizierte dieses und verbaute es als Automatik-Werk 4030 in ihrer Daytona. Das Werk war auf 28’800 VpH getaktet. Ab 2001 wurde das Werk von Rolex durch die Eigenentwicklung Kaliber 4130 ersetzt.

Im Jahr 1994 stellte Zenith ein komplett neues Kaliber mit dem Namen Elite vor. Mit seinem extraflachen Automatikwerk (3,28 mm) ist es das Kaliber, welches die meisten Kombinationsmöglichkeiten bietet.
Langsam entwickelte sich Zenith wieder zu alter Stärke.
Doch es blieb vom Umsatz eine kleine Manufaktur. Ende der Neunziger Jahre erreichte man weltweit einen Absatz von ca. 15’000 Uhren.
Anfang des neuen Jahrtausends verlegte Zenith auch die Verarbeitung sämtlicher Edelmetalle und Diamanten in ihre Manufaktur.
Das war der Einstieg in die Haute Horlogerie.
Heute sind in den Werkstätten der Manufaktur über 80 verschiedene Berufsgruppen integriert.
Innovation und Weitsicht … davon zeugen mehr als 300 Patente der Marke Zenith.
Von der weltweit ersten Armbanduhr, der ersten Gangreserveanzeige, dem ersten integrierten Automatik-Chronograph, dem ersten Hochfrequenzschwinger bis zum ersten gyroskopischen Modul für eine konstant waagerecht gelagerte Hemmung reichen die Erfindungen.
Und die Geschichte von Zenith ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.

So begeben wir uns aus Charles Vermots Versteck zum kleinen Museum der Manufaktur, wo wir am Ende des Rundgangs in einem magischen Raum voller 3D-Effekte in ein visuelles Erlebnis der besonderen Art eintauchen. Die Verführungen des El Primero sind allgegenwärtig.

Mittlerweile besteht die El Primero Familie aus über 30 Kalibern und es werden in Zukunft sicher noch mehr Mitglieder dazu kommen. Vom Basiskaliber 400 mit 278 Einzelteilen über das mit Mondphase ausgestattete Kaliber 410 mit 390 Einzelteilen, dem Kaliber 4033 - ein Tourbillon-Werk mit Ewigem Kalender - bestehend aus 492 Einzelteilen, dem mit 322 Einzelteilen bestücktem Kaliber 4068, wo verschleissintensive Teile aus Silizium gefertigt sind, bis zum neusten Kaliber, dem El Primero 9020, welches die Defy Double Tourbillon in Bewegung hält, reicht die Palette.

Nächste Station unserer Führung ist die mechanische Fertigung … vollautomatisiert und Hightech wohin man schaut.
Hier werden sämtliche Einzelteile gefräst, gedreht, geschliffen und poliert.

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CNC Maschinen

Das Herzstück dieser Abteilung ist eine 5-Achsen Horizontal-Fräsmaschine mit der die Mechaniker die hochkomplexen Teile der Uhr in einer Komplettbearbeitung herstellen.

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Gefräste Platinenteile

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Platine-Rohling

Nach der mechanischen Fertigung betreten wir die Räume für die Endmontage.
Working away from any stress.

Hier braucht es sehr gute Augen und Präzision.

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Ölen der Lagersteine

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Montage der Zeiger

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Ein Automat sortiert die Saphire und ...

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ein weiterer setzt diese ein.

Zenith verwendet, wie die meisten Uhrenhersteller, rote Saphire, welche durch eine Verbindung von Eisen und Aluminiumoxid, sowie Zugabe von Chrom in einem Elektroschmelzverfahren hergestellt werden. Entwickelt hat dies der deutsche Chemiker Ernst Moyat. Auf Grund der steigenden Nachfrage nach hochwertigen Uhren, verwendete man ab den Zwanziger Jahren zunehmend synthetische Lagersteine, da diese in Festigkeit und den Verarbeitungsmöglichkeiten ihren Naturpendant in nichts nachstanden.
Sie müssen in verschiedenen Einsatzgebieten unterschiedliche Anforderungen erfüllen. So gibt es diese Steine im Kugellager des Rotor von Automatikuhren, als Ankerpalettenstein in der Hemmung und als Lochstein in der Werksplatine.

Das erste El Primero Kaliber hatte nur 17 Lagersteine, was bei den Hochfrequenzschwingern zu erhöhtem Verschleiss führte. Um diesem Problem zu begegnen, erhöhte man die Anzahl auf 25 und später auf 33 Saphire.
Seitdem ist der Verschleiss beim El Primero nicht höher als bei anderen Kalibern.

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Elite Kaliber

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Hier werden die Uhren geprüft und getestet.

Und damit bin ich am Ende meiner Reise durch die Geschichte und die Gegenwart der Firma Zenith angekommen.

Wie sagte Jean Claude Biver sinngemäss einmal …

‚Zenith ist wie ein Startup. Man spürt immer wieder diesen frischen und unverbrauchten Geist an Kreativität und den Mut, Neues zu probieren.
Das ist es, was ein Startup ausmacht. Zenith verkörpert das erfolgreich schon seit über 150 Jahren.‘
 
Zum Abschluss meiner Exkursion möchte ich noch zwei der für mich spannendsten Uhren von Zenith hier kurz ansprechen.
Eine davon aus der aktuellen Kollektion und eine aus der jüngeren Vergangenheit.

Die Pilot Type 20 Chronograph Trinidad 50th Anniversary Edition.

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In dieser arbeitet das El Primero 4069. Die Gangreserve beträgt 50 Stunden.
Diese hier ist ein Prototyp dessen Gehäuse mit 18 Karat Roségold veredelt ist.
Sehr schön ist zusehen, wie das Zifferblatt in Anlehnung an ein Tabakblatt gestaltet wurde.

Die Geschichte der Aviatik Uhren von Zenith kennen meist nur Liebhaber dieser Marke, denn sie steht im Schatten der beiden grossen Hersteller IWC und Breitling. Nach der von Cartier 1903 lancierten Santos Dumont ist Zenith eigentlich der zweitälteste Hersteller von Fliegeruhren.
Louis Blériot, ein französischer Pionier der Luftfahrt, überquerte am 25. Juli 1909 als erster Mensch mit einem Flugzeug den Ärmelkanal. Eine gute halbe Stunde war er von Calais nach Dover unterwegs und an seinem Arm begleitete ihn die Zenith Pilot Type 20.
Nach dem Flug schrieb er in einem Brief an Zenith (damals noch Georges Favre-Jacot & Cie): “I am extremely satisfied with the Zenith watch, which I use regularly.”

Ende der Dreissigerjahre fertigte Zenith die Montre d’Aéronef Type 20 für die französische Luftwaffe.
Der italienische Uhrmacher und Juwelier A. Cairelli liess 1962 in Zusammenarbeit mit Zenith die Tipo CP-2 für das italienische Militär inkl. Luftwaffe entwerfen. Davon wurden 2’500 Stück gefertigt.

Im Jahre 2012 legte Zenith die Montre d’Aéronef Type 20 als Limitierte Edition wieder neu auf, in Erinnerung an Louis Blériot.

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Foto Zenith

Und diese ...

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Zenith Pilot Doublematic.

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Diese wurde 2012 lanciert und verfügt über eine Weltzeit-Anzeige sowie eine Alarmfunktion. Ausgestattet ist es mit dem El Primero 4046, das aus 439 Teilen besteht. Es gab zwei Versionen, eine in Stahl und eine in Roségold.


‚Zenith war eine Manufaktur, Zenith ist heute eine Manufaktur und Zenith wird auch morgen eine Manufaktur bleiben. … Das ist der Kern der Marke.‘ J.C.Biver

Danke Zenith und Danke Chronoart
... und Danke Euch.
Die Auserwählten sind die, denen schöne Dinge nichts bedeuten als Schönheit.
Oscar Wilde

maxbill
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von maxbill » 12 Dez 2019, 00:13

Danke fürs Mitnehmen! Ich mag Zenith. :thumbsup:
Was gab es denn zu essen?

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Paulchen
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von Paulchen » 12 Dez 2019, 07:58

Vielen herzlichen Dank für deine Mühe und den schönen Einblick!

Roland90
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von Roland90 » 12 Dez 2019, 08:14

Toller Bericht, habe ich wirklich gerne gelesen. :thumbsup:
Vielen Dank für die Mühe.

mr2680
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von mr2680 » 12 Dez 2019, 08:33

Wow!! Was für ein Bericht!
Vielen Dank fürs mitnehmen
WHY THE hell NOT?

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Heinz-Jürgen
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von Heinz-Jürgen » 12 Dez 2019, 09:02

Sehr ausführlicher Bericht*. Vielen Dank! :thumbsup:

* Nicht wahr, Jörg? :mrgreen:
Grüße aus dem Pott

Heinz-Jürgen

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baghipapa
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von baghipapa » 12 Dez 2019, 09:08

Super Bericht zu einer interessanten El Primero Geschichte :thumbsup:

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stere
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von stere » 12 Dez 2019, 09:59

Danke für den tollen Bericht und die Zusammenfassung zur Zenith Historie. Dazu mal eine Frage: Wie geht man denn bei Zenith mit der Nataf Zeit um? Verschweigt man diese oder steht dazu? Er hatte ja auch eine neue Welle der Modernisierung der Produktion ins alte haus getragen.... :whistling:

stere, der wohl nun doch eine Zenith kaufen muss, um den Mitarbeitern endlich eine warme Mahlzeit zu gewähren :whistling: :mrgreen: :mrgreen:
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Knall
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von Knall » 12 Dez 2019, 11:19

Toll :thumbsup:

Gruss

uwe
Das Gute ist eine Frage der Erkenntnis.

gatewnrw
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von gatewnrw » 12 Dez 2019, 12:15

Danke, ausgezeichnet, Lesezeichen gesetzt!

LG Peter
yi lu ping an 20200216

mingtian mingtian ni de wei xiao
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C.95
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von C.95 » 12 Dez 2019, 18:21

Vielen Dank für den klasse Bericht und den Aufwand dazu.

Mein letzter Besuch bei Zenith ist schon wieder acht Jahre her, aber den Dachboden mit den alten Werkzeugen und viele andere Details erkenne ich sofort wieder, denn die Besichtigung war sehr interessant. Muss mal wieder hin.

Beste Grüße

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cool runnings
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von cool runnings » 12 Dez 2019, 19:35

Klasse Bericht. Dankeschön fürs Mitnehmen. :thumbsup:

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3fe
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von 3fe » 12 Dez 2019, 21:01

Heinz-Jürgen hat geschrieben:
12 Dez 2019, 09:02
Sehr ausführlicher Bericht*. Vielen Dank! :thumbsup:

* Nicht wahr, Jörg? :mrgreen:
Ganz toller Bericht. Wenn alles so gut geschrieben war, wie das, was ich gelesen hab .... :mrgreen:

Danke für die Einblicke. :thumbsup:
Beste Grüsse
Jörg


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TST_64
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von TST_64 » 12 Dez 2019, 22:52

stere hat geschrieben:
12 Dez 2019, 09:59
Danke für den tollen Bericht und die Zusammenfassung zur Zenith Historie. Dazu mal eine Frage: Wie geht man denn bei Zenith mit der Nataf Zeit um? Verschweigt man diese oder steht dazu? Er hatte ja auch eine neue Welle der Modernisierung der Produktion ins alte haus getragen.... :whistling:

stere, der wohl nun doch eine Zenith kaufen muss, um den Mitarbeitern endlich eine warme Mahlzeit zu gewähren :whistling: :mrgreen: :mrgreen:
Bei Zenith selbst hat man kein Statement im Negativen abgegeben.

Als Ergänzung habe ich mal noch etwas recherchiert und einen Bekannten heute gesprochen, der während dieser Zeit mit Zenith zu tun hatte.

Hier also noch etwas Text ... ohne Bilder. :D

Nach der Quarzkrise war Zenith immer noch auf der Suche nach sich selbst.
Trotz der finanziell soliden Basis, die ihr die Produktion des El Primero als Basis-Kaliber für Ebel, Rolex und Officine Panerai brachte, durchlitt die eigene Marke sehr schwierige Zeiten. Der Name von Zenith verblasste in der Welt der Horlogerie zunehmend.
Im Jahr der Übernahme lag die Produktion bei ca. 40’000 Uhren und der Umsatz bei ca. 60 Millionen Franken. Die Uhren von Zenith waren qualitativ auf einem sehr hohem Niveau, doch das Design war in den Siebzigern stehen geblieben … angestaubt und ohne Glanz, nur etwas für Kenner und Liebhaber der Marke.Und preislich waren ihre Uhren im Gegensatz zu Marken gleicher Qualität ein Schnäppchen.

Im Oktober 1999 wird Zenith vom Luxusgüterkonzern LVMH übernommen und zwei Jahre später wurde Thierry Nataf neuer CEO.

Sein erstes Statement zu Zenith: «Zenith ist wie ein Diamant. Ein Rohdiamant, um es ganz genau zu sagen. Einer, der noch einen Schliff benötigt, um zum Brillanten zu werden. Auf diesem Weg spielt der prestigeträchtige Manufakturcharakter natürlich eine entscheidende Rolle.»

Nataf, studierter Ingenieur, hatte einen grossen Teil seiner Berufskarriere im LVMH-Konzern gemacht und sich dabei als Vize-Präsident des Champagnerhauses Veuve Cliquot bewährt.
Champagner und Uhren … beides Luxusgüter … also kein Problem für den zur Selbstinszenierung hochbegabten Nataf.
Doch sollte man ihn nicht so schlecht darstellen, denn was er hatte, zumindest am Anfang, war ein Gespür für die Marke Zenith.
Er nahm die Tradition der Marke als Basis und ergänzte diese mit der glanzvollen technischen Seite und ihrer Innovationskraft, die jedoch in einem Tiefschlaf verfallen war.
Er wusste das die Westeuropäer und insbesondere die Schweizer eine Uhrenmarke nach ihrer Tradition beurteilen und die Amerikaner und Asiaten mehr auf modernes innovatives Design, das auch Tabus brechen darf, stehen.
Den Spagat schafft er fast perfekt und inszenierte in seinen neuen Modellen die Geschichte der Manufaktur Zenith, unterlegt mit grosser Philosophie von Seneca bis Nietzsche und er begeistert mit ausgefallener technischer Substanz und avantgardistischem Design.
Fünf Jahre nach seinem Antritt bei Zenith sind die Auftragsbücher voll und die Preise der Uhren erreichen im Durchschnitt 16’000 Sfr.
Mit der Entwicklung der Defy-Kollektion hat er das richtige Gespür für den damaligen Markt vor allem in Amerika, China und Russland gehabt.
Auch der Chronometer mit dem Open heart ist sehr erfolgreich, vor allem in Japan und Hongkong. Im Heimatland Schweiz verkauft sich mehr die klassische Linie, so die Capitan.
Und unter seiner Regie begann die Entwicklung des gyroskopischen Moduls, was später im Tourbillon Christophe Colomb verbaut wurde.
Nataf liess damals ein Muster herstellen, jedoch ohne Funktion. Er nannte es Zero-G-Tourbillon.

Mit diesem gipfelte auch sein kreatives Marketing-Management auf seinem Zenith, denn nur kurze Zeit später kam der Absturz. Die Finanzkrise 2008/2009 brachte die Ernüchterung und alle Visionen verloren sich in den nebelverhangenen Tälern des Jura. Um über 25% brach der Umsatz von Zenith im ersten Quartal 2009 ein. Obwohl es anderen Marken auch nicht besser erging, so war es für Zenith doch sehr bitter.
Seine Vision, aus Zenith eine Luxus-Ikone zu machen, musste am Ende scheitern. Er schaffte es nicht mit der Marke Zenith eine Botschaft bei den Kunden zu manifestieren, zu widersprüchlich waren die Designs. Überdimensioniert und martialisch, dann wieder klassisch und am Ende Retro. Eine Linie war nicht zu finden, nur preislich fand sich diese ... aber jenseits der Realität.
Im April 2009 musste Thierry Nataf sein Büro in Le Locle räumen und Platz machen für seinen Nachfolger.

Jean-Fréderic Dufour hat Zenith wieder zurückgeführt zu ihrer alten Stärke. Die Show wurde gestrichen und man besann sich wieder auf die grossartige Uhrmacherkunst im Sinne ihres Gründers.
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Re: Zenith ... eine Reise

Beitrag von TST_64 » 12 Dez 2019, 22:54

maxbill hat geschrieben:
12 Dez 2019, 00:13
Danke fürs Mitnehmen! Ich mag Zenith. :thumbsup:
Was gab es denn zu essen?
Hmm ... du fragst mich Sachen. :shock:
Ich weiss es wirklich nicht mehr genau. Auf jeden Fall habe ich etwas vegetarisches gegessen.
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