Guinand Flight Engineer

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Andi
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Re: Guinand Flight Engineer

Beitrag von Andi » 02 Feb 2020, 12:19

Albert H. Potter hat geschrieben:
02 Feb 2020, 11:56
Es muß wohl jeder selbst sehen, wann er mit dem Geschlechterthema durch ist.
Als "großer" Junge finde ich das Thema Frau noch immer spannend, sehe es allerdings auch mit mehr Humor als früher, was vieles erträglicher macht.

Die Uhr empfinde ich als uninspirierte Zusammenstellung aus dem Lieferantenbaukasten.
Ist das das Stahlband von Sinn mit einer zusätzlichen Kantenabschrägung?

Die Uhr ist 10bar wasserdicht und gegen die Magnetfelder geschützt, die sie ständig umgeben.
Das ist klasse und ich hoffe, man hat sich auch einen Schutz gegen die lauwarme Fürze ausgedacht, die diese Kreation umgeben.
Jeder hat da halt seine persönliche Meinung zu.
Wenn ich die netten Worte derzeit über die SeaQ lese, dann gehört die Uhr zum uninspirierten was mir alles so zwischen die Finger gekommen ist.
Und nun mal Glashütte Original aussen vor (die ich sehr schätze), Uhren aus den 60is, 70is und die Diver dazu heute aufzulegen, ohne eigene Kreationen ist nun auch nicht das "Nonplusultra". Ich bin dann immer gewillt hinten nach einer SED-Gravur zu suchen. Nicht böse gemeint, aber das assoziiere ich mit den Uhren.
Da empfinde ich die Guinand schon etwas schöner, alleine auch schon vom Preis.
Viele Grüße Andi!

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Albert H. Potter
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Re: Guinand Flight Engineer

Beitrag von Albert H. Potter » 02 Feb 2020, 17:41

Das ist sicherlich falsch rübergekommen.

Ich will präzisieren, was ich an diesem Design und seiner entwicklung nicht mag.
Da ich selbst beruflich Entwürfe und Konstruktionen in Solidworks mache, weiß ich, was regelmäßig beim Designprozeß abläuft.
Es gibt vor allem Vorgaben für den Entwurf auf verschiedenen Ebenen.
ZB:
- offizielle Normen, die berücksichtigt werden müssen (DIN für Taucheruhren/ Fliegeruhren bzw das Erreichen von Chronometerstandards)
- interne technische Vorgaben (Materialien, Kronenschutz, Nachtablesbarkeit, bestimmte WD oder Magnetfeldschutz etc)
- Lieferantenvorgabe (Uhrwerktyp, Verwendung eines bestimmten Kronensystems, Zeigerhersteller, Armband und Schließe, etc)
- Hausinterne Designvorgaben (zB Ähnlichkeiten zu bestehenden Produkten der eigenen Marke / oder der Mitbewerber: "Die haben sowas, also brauchen wir das auch...")
Bei den Normen kann man nicht viel machen, insbesondere da sie im Uhrenbereich so simpel sind, daß man sich den Kopf über kreative Normenauslegung nicht zerbrechen muß. Die Einhaltung der Normen bei Uhren muß offiziell nicht zertifiziert werden. Sogar die Einreichung von Uhren zur Chronometerprüfung ist freiwillig.
Technische Vorgaben ergeben sich aus dem Einsatzzweck. Dazu kann man sich bei Wikipedia über das Berufsprofil des Flight Engineer informieren:
https://de.wikipedia.org/wiki/Flugingenieur
(Der Artikel zeigt sehr schön, daß Flugingenieure auf modernen Flugzeugen so sehr benötigt werden, wie Dampfkesselheizer im ICE. Ergo geht es um technische Vorgaben für eine Verwendung, die ausstirbt.)
Was die Guinand Uhr wohl zur Uhr für Flugingenieure machen soll, ist der Magnetfeldschutz.
https://www.youtube.com/watch?v=gk65AzD ... atch_on_yt
Warum die Uhr wie eine Taucheruhr daherkommt, wird nicht klar.
Bei Guinand ist die Lunette nicht rastend und daher in beide Richtungen drehbar.
(Pensionierte Flugingenieure werden wissen, wofür man das mal brauchte.)
Die gute Ablesbarkeit wird durch ein Kontrastzifferblatt und Superluminova erreicht. (Wo habe ich nur diese Ziffern schon einmal gesehen?)
Was hausinterne Vorgaben betrifft, ist die Firma Guinand eigentlich unabhängig von Vorgaben einer Gruppe wie Richmont oder Swatch.
Leider scheint es bei Guinand so zu sein, daß man sich immer noch nicht vom "Sinn" Erbe lösen konnte. Man spielt noch immer die Auffangmarke für preisbewußte Sinn-Groupies, die sich nicht mit der Profilschärfung und Weiterentwicklung der Firma Sinn Spezialuhren abfinden wollen.
Der Blick auf die Seite zeigt Einheitsbrei.
Alles was hier gezeigt wird, kann man auch anderswo finden.
Was ist hier typisch Guinand?
Es bleibt ein Wettbewerb über den Preis. Das mag alte Sinn-Tradition sein, aber will man dafür Geld ausgeben?
Hier ein Überblick:
https://www.guinand-uhren.de/uhren.html
Ich empfinde dieses Design als unemanzipiert.
Ich habe nicht das Gefühl, daß man sich bei Guinand zusammengesetzt hat, um zu Überlegen, wie Uhren für Piloten, Stewardessen, Flugzeugfahrwerksradmutternschrauber, Mongolfierern-Heizer oder eben Flugingenieure aussehen sollten.
Diese Uhren sehen so aus, als hätte man sich insgesamt nicht viele Gedanken gemacht, sondern nur zum nächsten Mitbewerber geschielt.
Einem Mitbewerber, der uns mit Silikonölfüllungen, Trockenhaltetechnik, Eistaucher-Spezialöl, Diapal und Tegimentierung, jede Menge Innovationen bescherte. Und das als ein im Branchenvergleich kleines Unternehmen, jenseits der Zulieferer-Ansiedlungen.
Es ist in meinen Augen bewundernswert, wenn ein Unternehmen Entwürfe herausbringt, die eine ganze Uhrengattung neu interpretiert und dabei hoch funktional ist. Bei Taucheruhren wäre das zum Beispiel die Ocean 2000, deren Gehäuse über das innovative Design hinaus ganz ohne ein albernes Heliumventil auskommt.
Nehmen wir, als mit Guinand vergleichbar kleine Marke, die Firma Temption, die es geschafft hat, mit einer grundlegenden Design-Idee, eine eigenständige Marke aufzubauen. Hier hat man das Gefühl, daß alle äußeren Teile im Haus entworfen wurden und dann Zulieferer gesucht wurden, die Zeiger, Zifferblatt, Gehäuseteile und Band genau so herstellen können, daß es dem Entwurf entspricht.
Die Guinand-Uhren machen den Eindruck, als hätte man aus den Katalogen der Zulieferer ausgewählt und nur noch angemerkt, das Logo auf die Krone zu setzen. Natürlich spart es Geld, wenn man aus der Großserie wählt, aber es ist irgendwie arm.

Mir ist das Preisargument auch klar. Die Uhren von Sinn und Temption sind teurer als die Guinand-Modelle, aber das hat seinen Grund.
Natürlich haben auch die Guinand-Uhren ihre Existenzberechtigung und sei es als preisgünstige Alternative auf dem Markt.
In meinen Augen begibt sich die Argumentation damit auf das Niveau chinesischer Hersteller, die ebenfalls versuchen den preisbewußten Markt zu bedienen. Abgesehen von der Frage, welche Komponenten der Guinand-Uhren möglicherweise aus asiatischer Zullieferung stammen, überlege ich, ob eine China-Uhr auf dem gleichen Preisniveau der Guinand-Uhren nicht mehr zu bieten hat.
Die Zeit wird zeigen, ob sich Guinand am Markt behaupten kann. Wenn sie sich behaupten, dann sicher nicht über den Preis.

Preiswerte Grüße!
Peter

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Andi
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Re: Guinand Flight Engineer

Beitrag von Andi » 02 Feb 2020, 18:48

Danke für die Ausführungen.

Ja, Sinn ist eine andere Liga, Temption eine meiner Lieblingsmarken (ich hatte bis um 2000 die CGK 203 und leider verkauft, was für ein Vollidiot, Trauer ich immer noch hinterher). Bei Temption schiele ich immer noch hin. Was hatte mir die CGK 203 nun irgendwie versaut?
Es war das Armband, zu eng, oder zu weit. Soweit dann wenn man wirklich mal was durchdachtes machen möchte, hapert es dann doch wieder irgendwo, und zwar letztendlich doch an einem Detail.

Aber wie gesagt, Danke für die Ausführungen. Und ja, Guinand versucht über den Preis zu Punkten. Manchmal ok, mittlerweile ohne irgendwelche Sachen dann doch wieder zu teuer (Starfighter für knapp 1.900€ :whistling: ).

Wir sind garnicht soweit auseinander.

PS. wenn Dir mal eine gute Temption preislich attraktiv über den Weg läuft, PN an mich :wink:
Viele Grüße Andi!

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Re: Guinand Flight Engineer

Beitrag von mhanke » 03 Feb 2020, 10:53

Ich finde die Uhr nicht unattraktiv, aber zu beliebig für einen Sammler, der genug Uhren zum Wechseln hat. Was mich hier stört: Wie bei Bell&Ross (und diversen Seiko Chronos) hat man es geschafft, die ohnehin schon sehr kleine Datumsanzeige des Basiswerkes nochmal winziger und damit unablesbar zu gestalten. Weshalb dann nicht ganz drauf verzichten?

Marcus
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Frano
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Re: Guinand Flight Engineer

Beitrag von Frano » 03 Feb 2020, 19:17

Omegamann hat geschrieben:
01 Feb 2020, 23:54
Schöne Uhr mit dem unschönen Schriftzug
Sollte man denen mal mitteilen.Im Ernst...
+1 :thumbsup:
Wo aber der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens. Euripides

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