Norqain Neverest

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watchhans18
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Re: Norqain Neverest

Beitrag von watchhans18 » 05 Okt 2021, 07:52

10buddhist hat geschrieben:
04 Okt 2021, 06:28
watchhans18 hat geschrieben:
02 Okt 2021, 09:36
Ich kann mich noch gut an die Euro-Einführung in Deutschland erinnern.
Stand tags zuvor im Schaufenster bei einer Uhr noch 5000,- DM, waren es über Nacht plötzlich 4100,- Euro.
Seitdem ist die Preisentwicklung einfach nur noch irre!
Hätte Deutschland damals den Schweizer Franken eingeführt, wäre das alles nicht soweit gekommen … :whistling:
Da habe ich so meine Zweifel....
Zumindest wenn ich mir die allgemeine Preisentwicklung nicht nur in Deutschland anschaue.
Auch in der Schweiz müssen immer mehr Menschen jeden Rappen einzeln umdrehen.

watchhans18
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Re: Norqain Neverest

Beitrag von watchhans18 » 05 Okt 2021, 08:00

Thomas H. Ernst hat geschrieben:
04 Okt 2021, 09:34
watchhans18 hat geschrieben:
02 Okt 2021, 14:10
Titoni bietet sein eigenes, nicht unbedingt schlechteres Werk für die Hälfte an.
Mit Sicherheit auch kein 08/15 - Kaliber.
Ich kann Deine Begeisterung verstehen nachdem Du Titoni besucht hast.

Nüchtern betrachtet sehe ich allerdings sehr grosse Unterschiede zwischen den Werken. Während das T10 von der technischen Ausstattung auf dem Niveau eines 2824 oder SW200 liegt, verfügen die Tudor Kaliber doch über erheblich mehr Features und sind deutlich aufwändiger gebaut.
Die Begeisterung war schon vor dem Besuch da.
Aus nüchterner Uhrmachersicht heißt deutlich aufwändiger nicht unbedingt deutlich besser.
Ich darf da an die anfänglich erheblichen Probleme mit dem Tudor GMT-Kaliber erinnern, welche ja scheinbar immer noch nicht komplett gelöst sind.
Vieles macht Uhrwerke teurer, aber nicht zwangsläufig besser.

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Thomas H. Ernst
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Re: Norqain Neverest

Beitrag von Thomas H. Ernst » 05 Okt 2021, 12:00

watchhans18 hat geschrieben:
05 Okt 2021, 08:00
Aus nüchterner Uhrmachersicht heißt deutlich aufwändiger nicht unbedingt deutlich besser.
Ausser, der Aufwand würde betrieben um die Funktion zu verbessern. :idea:
Ich darf da an die anfänglich erheblichen Probleme mit dem Tudor GMT-Kaliber erinnern, welche ja scheinbar immer noch nicht komplett gelöst sind.
Was heisst "scheinbar" und was heisst "noch nicht komplett gelöst"? Es ist richtig dass ein Bauteil des Verstellmechanismus für den Stundenzähler in der Serie überarbeitet werden musste, da es bei einigen Uhrwerken zu Schaltproblemen beim Datumswechsel rückwärts kam. Das wurde gelöst, und zwar nicht scheinbar sondern tatsächlich. Wer damit Probleme hat, bringt die Uhr zum Tudor-Service, das Teil wird getauscht und die Schaltung läuft.
Vieles macht Uhrwerke teurer, aber nicht zwangsläufig besser.
Was heisst "besser"?

Ist eine Mercedes E-Klasse besser als ein VW Golf? Erfüllt der Golf für seine Besitzer nicht den avisierten Zweck? Er wird, genau wie die E-Klasse, fünf Personen mit Gepäck von A nach B transportieren und für den Besitzer in Anschaffung und Unterhalt erschwinglich sein.

Was also sollte der Mercedes da besser können? Er bietet mehr Platz, ist leiser und kräftiger, komfortabler, sorgfältiger verarbeitet, assistiert mehr und ist, als Resultat dieser Bemühungen, auch deutlich teurer. Niemand käme auf die Idee zu sagen, der Golf wäre gleich gut wie die E-Klasse und das Geld für ebendiese zum Fenster hinaus geworfen.

So sieht es eben auch mit den Uhrwerken aus. Wir haben eine riesige Bandbreite vom simpel aufgebauten Massenwerk bis hin zum händisch gefertigten Einzelstück, wobei die Ausrichtung durchaus unterschiedlich sein kann: Einmal muss es so günstig wie möglich sein, ein anderes Mal ist die Funktion (Nachhaltige Ganggenauigkeit, Gangreserve, Robustheit, Wartbarkeit) wichtig und wieder ein anderes Mal zählt Optik und Ästhetik.

Der Wunsch nach Individualismus hat dazu geführt dass Hersteller auch in niedrigen Preissegmenten keine bekannte Massenware sondern "Manufaktur/Inhouse" Kaliber einsetzen möchten. Nun kann man dieses Ansinnen auf unterschiedliche Arten lösen. Meist wird ein bestehender Radsatz samt Standard-Hemmungskomponenten neu gelayoutet und mit hübscheren Brücken versehen. Dabei wird oft der Durchmesser ein wenig an heutige Grössenverhältnisse angepasst, was es auch ermöglich, grössere Federhäuser und Aufzugrotoren einzusetzen.

So weit so gut. Das ist legitim denn, sofern die Platine selbst gefertigt wird, darf das Werk per Definition als Manufakturwerk gelten.

Eine andere Hausnummer ist hingegen, wenn ein Uhrwerk von Grund auf neu und auf Basis neuester Erkenntnisse konstruiert wird. Dies ist oft sinnvoll wenn die Werk-Dimensionen vergrössert und/oder Antrieb wie Hemmung komplett neu gestaltet werden. Hier liegt denn auch der Aufwand der sich dem Laien nicht zwangsläufig erschliesst. Das fängt mit tribologischen Überlegungen zu Zahn und Trieb-Formen, Eingriffswinkeln und Übersetzungsverhältnissen an und endet mit frei schwingenden Hemmungen aus Silizium-Komponenten, höhenverstellbaren Ankerrad- und Unruhbrücken sowie alternativen Anker- und Ankerradformen. Keine Frage dass sich der Mehraufwand in Konstruktion und Fertigung auch im Preis wiederspiegelt.

Unter diesem Gesichtspunkt ist ein T10 mit einem MT56xx schlichtweg nicht zu vergleichen, das ist wie der Golf und die E-Klasse. Wenn Du schon vergleichen willst, nimm die Rolex 32xx Familie, das wäre dann die S-Klasse.

Wie schrieb Hauke Heffels einst: Das ist Spitzenuhrmacherei zum bezahlbaren Preis.
Grüsse Thomas
Euer Board-Admin

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Re: Norqain Neverest

Beitrag von watchhans18 » 05 Okt 2021, 13:04

Thomas H. Ernst hat geschrieben:
05 Okt 2021, 12:00
watchhans18 hat geschrieben:
05 Okt 2021, 08:00
Aus nüchterner Uhrmachersicht heißt deutlich aufwändiger nicht unbedingt deutlich besser.
Ausser, der Aufwand würde betrieben um die Funktion zu verbessern. :idea:
Ich darf da an die anfänglich erheblichen Probleme mit dem Tudor GMT-Kaliber erinnern, welche ja scheinbar immer noch nicht komplett gelöst sind.
Was heisst "scheinbar" und was heisst "noch nicht komplett gelöst"? Es ist richtig dass ein Bauteil des Verstellmechanismus für den Stundenzähler in der Serie überarbeitet werden musste, da es bei einigen Uhrwerken zu Schaltproblemen beim Datumswechsel rückwärts kam. Das wurde gelöst, und zwar nicht scheinbar sondern tatsächlich. Wer damit Probleme hat, bringt die Uhr zum Tudor-Service, das Teil wird getauscht und die Schaltung läuft.
Vieles macht Uhrwerke teurer, aber nicht zwangsläufig besser.
Was heisst "besser"?

Ist eine Mercedes E-Klasse besser als ein VW Golf? Erfüllt der Golf für seine Besitzer nicht den avisierten Zweck? Er wird, genau wie die E-Klasse, fünf Personen mit Gepäck von A nach B transportieren und für den Besitzer in Anschaffung und Unterhalt erschwinglich sein.

Was also sollte der Mercedes da besser können? Er bietet mehr Platz, ist leiser und kräftiger, komfortabler, sorgfältiger verarbeitet, assistiert mehr und ist, als Resultat dieser Bemühungen, auch deutlich teurer. Niemand käme auf die Idee zu sagen, der Golf wäre gleich gut wie die E-Klasse und das Geld für ebendiese zum Fenster hinaus geworfen.

So sieht es eben auch mit den Uhrwerken aus. Wir haben eine riesige Bandbreite vom simpel aufgebauten Massenwerk bis hin zum händisch gefertigten Einzelstück, wobei die Ausrichtung durchaus unterschiedlich sein kann: Einmal muss es so günstig wie möglich sein, ein anderes Mal ist die Funktion (Nachhaltige Ganggenauigkeit, Gangreserve, Robustheit, Wartbarkeit) wichtig und wieder ein anderes Mal zählt Optik und Ästhetik.

Der Wunsch nach Individualismus hat dazu geführt dass Hersteller auch in niedrigen Preissegmenten keine bekannte Massenware sondern "Manufaktur/Inhouse" Kaliber einsetzen möchten. Nun kann man dieses Ansinnen auf unterschiedliche Arten lösen. Meist wird ein bestehender Radsatz samt Standard-Hemmungskomponenten neu gelayoutet und mit hübscheren Brücken versehen. Dabei wird oft der Durchmesser ein wenig an heutige Grössenverhältnisse angepasst, was es auch ermöglich, grössere Federhäuser und Aufzugrotoren einzusetzen.

So weit so gut. Das ist legitim denn, sofern die Platine selbst gefertigt wird, darf das Werk per Definition als Manufakturwerk gelten.

Eine andere Hausnummer ist hingegen, wenn ein Uhrwerk von Grund auf neu und auf Basis neuester Erkenntnisse konstruiert wird. Dies ist oft sinnvoll wenn die Werk-Dimensionen vergrössert und/oder Antrieb wie Hemmung komplett neu gestaltet werden. Hier liegt denn auch der Aufwand der sich dem Laien nicht zwangsläufig erschliesst. Das fängt mit tribologischen Überlegungen zu Zahn und Trieb-Formen, Eingriffswinkeln und Übersetzungsverhältnissen an und endet mit frei schwingenden Hemmungen aus Silizium-Komponenten, höhenverstellbaren Ankerrad- und Unruhbrücken sowie alternativen Anker- und Ankerradformen. Keine Frage dass sich der Mehraufwand in Konstruktion und Fertigung auch im Preis wiederspiegelt.

Unter diesem Gesichtspunkt ist ein T10 mit einem MT56xx schlichtweg nicht zu vergleichen, das ist wie der Golf und die E-Klasse. Wenn Du schon vergleichen willst, nimm die Rolex 32xx Familie, das wäre dann die S-Klasse.

Wie schrieb Hauke Heffels einst: Das ist Spitzenuhrmacherei zum bezahlbaren Preis.
Welche Funktion hat denn eine Uhr?

Genau!

Ich finde freischwingende Hemmungen, Silizium etc. durchaus bemerkenswert und uhrmacherisch sehr wohl top und würdige das keinesfalls herab.
Bedeutet rein technisch doch eine möglichst freischwingende Spirale ein besseres Ergebnis.

Aber geht das hier nicht eher in Richtung Status?
Ich finde schon.
Ich kann mich noch gut an die Vorstellung der ETA C.07-Reihe erinnern. Freischwingende Unruh und auf Wunsch eine Siliziumspirale für "jedermann" ?
Da waren die Blicke von Seiten der bis dato hochpreisigerer freischwingender Unruhen und Siliziumspiralen sehr skeptisch, vielleicht sogar argwöhnisch.

Jedenfalls läßt sich ein T10 genauso gut justieren wie ein MT56xx.
Das abgelesene Resultat auf dem Zifferblatt ist gleich.

Wo wir wieder beim Status wären.
(Es gibt einige sehr wohlhabende, für die ein Golf reicht, und die trotzdem einen Mercedes nicht unbedingt herabsetzen)

Über den "Laien" bin ich, weiß Gott, schon lange hinweg.
Das sich ein erhöhter Mehraufwand von Konstruktion und Fertigung im Preis wiederspiegelt, braucht man mir nicht zu erklären!

Und um wieder zum eigentlichen Thema zurückzukommen: mir gefällt die Norqain eben nicht. Selbst wenn sie günstiger wäre.

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Thomas H. Ernst
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Re: Norqain Neverest

Beitrag von Thomas H. Ernst » 05 Okt 2021, 14:21

watchhans18 hat geschrieben:
05 Okt 2021, 13:04
Ich finde freischwingende Hemmungen, Silizium etc. durchaus bemerkenswert und uhrmacherisch sehr wohl top und würdige das keinesfalls herab.
Bedeutet rein technisch doch eine möglichst freischwingende Spirale ein besseres Ergebnis.

Aber geht das hier nicht eher in Richtung Status?
Ich finde schon.
Ich finde nicht.

Die Kernaufgabe eines Uhrwerks ist, die Zeit über die Gangreserve so gut wie möglich zu halten und sich dabei so wenig wie möglich von äusseren Einflüssen wie Temperatur, Lage, Magnetismus und Erschütterung beeinflussen zu lassen. Dass man heute, in einer von Computern und Elektronik dominierten Welt, über mechanische Uhren mit romantisch verklärtem Blick spricht und derartige Tugenden nicht mehr für so wichtig erachtet, ändert nichts an der Tatsache dass es ebendiese gewesen sind, die die "gute Schweizer Uhr" einst ausgemacht haben. Sie galt schon früh als präzise und behielt diese Eigenschaft lange Zeit bei.

Das war zu einer Zeit, als man noch nicht zwanghaft Zierschliffe und blaue Schrauben bei Konsumerware finden konnte, da stand die Funktion noch an erster Stelle. Daher zieht Dein Argument mit dem Status überhaupt nicht, die Tudor/Rolex Werke sind meist gar nicht zu sehen und die wenigsten Käufer dürften wissen warum ein gutes Uhrwerk gut ist.
Ich kann mich noch gut an die Vorstellung der ETA C.07-Reihe erinnern. Freischwingende Unruh und auf Wunsch eine Siliziumspirale für "jedermann" ?
Da waren die Blicke von Seiten der bis dato hochpreisigerer freischwingender Unruhen und Siliziumspiralen sehr skeptisch, vielleicht sogar argwöhnisch.


Vergleichst Du jetzt ein C07.xx mit einem MT56xx?

Ernsthaft? :rofl:
Jedenfalls läßt sich ein T10 genauso gut justieren wie ein MT56xx.
Das bezweifle ich schon jetzt obwohl es zum T10 noch gar keine Langzeiterfahrungen gibt. Immerhin habe ich schon Exemplare gemessen und die waren, sagen wir mal, ok. Das was man auch von der Chronometer Riege bei ETA erwarten darf, mehr allerdings auch nicht. Lass Dir mal von Hauke erklären warum eine Spiralschlüssel geführte Unruh langfristig gar nicht konstant bleiben kann.

Ich verweise jetzt einfach mal auf einen ausgewiesenen Fachmann. Seine Aussagen hinsichtlich der ETA Werke gelten sinngemäss auch für Selitta & Co. sowie alle die deren Räderwerke und Hemmungen in ihre "Manufaktur" Kaliber einbauen.

viewtopic.php?f=6&t=433&p=8669&hilit=Sp ... erei#p8669
Das abgelesene Resultat auf dem Zifferblatt ist gleich.
Das müsstest Du jetzt schon ein wenig qualifizieren. Was genau ist unter welchen Bedingungen in welchen Zeitraum "gleich"?

Ich kann jede Schlingermöhre mit reichlich Geduld soweit hin justieren dass sie unter vergleichbaren Bedingungen hinsichtlich Tragezeit, Aktivität, Umgebungstemperatur etc. einen Gang, der kaum vom Zeitnormal abweicht, hin legt. Ändere ich allerdings irgend einen Parameter sieht das Ergebnis eben nicht mehr "gleich" aus.

Und dann gibt es halt noch diese Werke, die über ein Jahrzehnt am Arm und auf der Zeitwaage keine Änderung im Gangverhalten aufweisen. Die verhalten sich auch dann "gleich" wenn sie von unterschiedlichen Personen getragen werden.
Wo wir wieder beim Status wären.
(Es gibt einige sehr wohlhabende, für die ein Golf reicht, und die trotzdem einen Mercedes nicht unbedingt herabsetzen)
Statusdenken ist, wenn Du einen Mercedes fährst obwohl Dir ein Golf reichen würde. Fachwissen ist, wenn man versteht warum der Mercedes das hochwertigere und langlebigere Auto ist. Für diese Erkenntnis muss man keinen von beiden besitzen.
Über den "Laien" bin ich, weiß Gott, schon lange hinweg.
Laie bist Du sicher nicht, aber auch kein Uhrmacher und schon gar kein Micromechanik-Ingenieur. Wenn man eine Kaffeemaschine zerlegen, reinigen und wieder zusammenbauen kann ist man noch lange kein Elektro- oder Maschinenbauingenieur.
Das sich ein erhöhter Mehraufwand von Konstruktion und Fertigung im Preis wiederspiegelt, braucht man mir nicht zu erklären!
Deine Äusserungen erweckten allerdings den Eindruck. :whistling:
Und um wieder zum eigentlichen Thema zurückzukommen: mir gefällt die Norqain eben nicht. Selbst wenn sie günstiger wäre.
Das sei Dir beschieden, aber hier geht es ja jetzt um Uhrwerke und nicht um Äusserlichkeiten.
Grüsse Thomas
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Re: Norqain Neverest

Beitrag von Hertie » 05 Okt 2021, 17:43

Ich finde solche „Meinungsverschiedenheiten“ immer klasse. Als Dritter bekommt man durch die unterschiedlichen Betrachtungsweisen interessante Infos frei Haus geliefert und lernt auch was dazu.
Ich kann ja nur zeigen was ich tausche. Und ich kann nur schön von nicht so schön unterscheiden. Aber technisch wird’s kompliziert, wenn’s kleiner als einen halben Meter ist und der Schlagbohrer zu grob dafür erscheint.

Weiter so :mrgreen: und Danke. :thumbsup:
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Re: Norqain Neverest

Beitrag von watchhans18 » 05 Okt 2021, 18:23

Thomas H. Ernst hat geschrieben:
05 Okt 2021, 14:21
watchhans18 hat geschrieben:
05 Okt 2021, 13:04
Ich finde freischwingende Hemmungen, Silizium etc. durchaus bemerkenswert und uhrmacherisch sehr wohl top und würdige das keinesfalls herab.
Bedeutet rein technisch doch eine möglichst freischwingende Spirale ein besseres Ergebnis.

Aber geht das hier nicht eher in Richtung Status?
Ich finde schon.
Ich finde nicht.

Die Kernaufgabe eines Uhrwerks ist, die Zeit über die Gangreserve so gut wie möglich zu halten und sich dabei so wenig wie möglich von äusseren Einflüssen wie Temperatur, Lage, Magnetismus und Erschütterung beeinflussen zu lassen. Dass man heute, in einer von Computern und Elektronik dominierten Welt, über mechanische Uhren mit romantisch verklärtem Blick spricht und derartige Tugenden nicht mehr für so wichtig erachtet, ändert nichts an der Tatsache dass es ebendiese gewesen sind, die die "gute Schweizer Uhr" einst ausgemacht haben. Sie galt schon früh als präzise und behielt diese Eigenschaft lange Zeit bei.

Das war zu einer Zeit, als man noch nicht zwanghaft Zierschliffe und blaue Schrauben bei Konsumerware finden konnte, da stand die Funktion noch an erster Stelle. Daher zieht Dein Argument mit dem Status überhaupt nicht, die Tudor/Rolex Werke sind meist gar nicht zu sehen und die wenigsten Käufer dürften wissen warum ein gutes Uhrwerk gut ist.
Ich kann mich noch gut an die Vorstellung der ETA C.07-Reihe erinnern. Freischwingende Unruh und auf Wunsch eine Siliziumspirale für "jedermann" ?
Da waren die Blicke von Seiten der bis dato hochpreisigerer freischwingender Unruhen und Siliziumspiralen sehr skeptisch, vielleicht sogar argwöhnisch.


Vergleichst Du jetzt ein C07.xx mit einem MT56xx?

Ernsthaft? :rofl:
Jedenfalls läßt sich ein T10 genauso gut justieren wie ein MT56xx.
Das bezweifle ich schon jetzt obwohl es zum T10 noch gar keine Langzeiterfahrungen gibt. Immerhin habe ich schon Exemplare gemessen und die waren, sagen wir mal, ok. Das was man auch von der Chronometer Riege bei ETA erwarten darf, mehr allerdings auch nicht. Lass Dir mal von Hauke erklären warum eine Spiralschlüssel geführte Unruh langfristig gar nicht konstant bleiben kann.

Ich verweise jetzt einfach mal auf einen ausgewiesenen Fachmann. Seine Aussagen hinsichtlich der ETA Werke gelten sinngemäss auch für Selitta & Co. sowie alle die deren Räderwerke und Hemmungen in ihre "Manufaktur" Kaliber einbauen.

viewtopic.php?f=6&t=433&p=8669&hilit=Sp ... erei#p8669
Das abgelesene Resultat auf dem Zifferblatt ist gleich.
Das müsstest Du jetzt schon ein wenig qualifizieren. Was genau ist unter welchen Bedingungen in welchen Zeitraum "gleich"?

Ich kann jede Schlingermöhre mit reichlich Geduld soweit hin justieren dass sie unter vergleichbaren Bedingungen hinsichtlich Tragezeit, Aktivität, Umgebungstemperatur etc. einen Gang, der kaum vom Zeitnormal abweicht, hin legt. Ändere ich allerdings irgend einen Parameter sieht das Ergebnis eben nicht mehr "gleich" aus.

Und dann gibt es halt noch diese Werke, die über ein Jahrzehnt am Arm und auf der Zeitwaage keine Änderung im Gangverhalten aufweisen. Die verhalten sich auch dann "gleich" wenn sie von unterschiedlichen Personen getragen werden.
Wo wir wieder beim Status wären.
(Es gibt einige sehr wohlhabende, für die ein Golf reicht, und die trotzdem einen Mercedes nicht unbedingt herabsetzen)
Statusdenken ist, wenn Du einen Mercedes fährst obwohl Dir ein Golf reichen würde. Fachwissen ist, wenn man versteht warum der Mercedes das hochwertigere und langlebigere Auto ist. Für diese Erkenntnis muss man keinen von beiden besitzen.
Über den "Laien" bin ich, weiß Gott, schon lange hinweg.
Laie bist Du sicher nicht, aber auch kein Uhrmacher und schon gar kein Micromechanik-Ingenieur. Wenn man eine Kaffeemaschine zerlegen, reinigen und wieder zusammenbauen kann ist man noch lange kein Elektro- oder Maschinenbauingenieur.
Das sich ein erhöhter Mehraufwand von Konstruktion und Fertigung im Preis wiederspiegelt, braucht man mir nicht zu erklären!
Deine Äusserungen erweckten allerdings den Eindruck. :whistling:
Und um wieder zum eigentlichen Thema zurückzukommen: mir gefällt die Norqain eben nicht. Selbst wenn sie günstiger wäre.
Das sei Dir beschieden, aber hier geht es ja jetzt um Uhrwerke und nicht um Äusserlichkeiten.
Abgesehen vom Auseinanderreissen meines gesamten Kommentars, reden wir aneinander vorbei.
Trotzdem vielen Dank für die Belehrungen :thumbsup:

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Re: Norqain Neverest

Beitrag von 10buddhist » 05 Okt 2021, 21:55

Hertie hat geschrieben:
05 Okt 2021, 17:43
Ich finde solche „Meinungsverschiedenheiten“ immer klasse. Als Dritter bekommt man durch die unterschiedlichen Betrachtungsweisen interessante Infos frei Haus geliefert und lernt auch was dazu.
Ich kann ja nur zeigen was ich tausche. Und ich kann nur schön von nicht so schön unterscheiden. Aber technisch wird’s kompliziert, wenn’s kleiner als einen halben Meter ist und der Schlagbohrer zu grob dafür erscheint.

Weiter so :mrgreen: und Danke. :thumbsup:
Obwohl ich natürlich Fachmann für nahezu alles bin 8) , schließe ich mich jetzt einfach mal. :thumbsup: :mrgreen:
Gruß Jürgen

»Merk Dich Dat!«☝️🧐

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Re: Norqain Neverest

Beitrag von 10buddhist » 05 Okt 2021, 22:01

watchhans18 hat geschrieben:
05 Okt 2021, 07:52
10buddhist hat geschrieben:
04 Okt 2021, 06:28

Hätte Deutschland damals den Schweizer Franken eingeführt, wäre das alles nicht soweit gekommen … :whistling:
Da habe ich so meine Zweifel....
Zumindest wenn ich mir die allgemeine Preisentwicklung nicht nur in Deutschland anschaue.
Auch in der Schweiz müssen immer mehr Menschen jeden Rappen einzeln umdrehen.
Ich muss meine ironischen Bemerkungen in Zukunft deutlicher kennzeichnen. :roll:

Davon abgesehen: Wenn ich in der Migros einen „Schweizer“ Käse für fünf Franken kaufe und einen in einem deutschen Rewe für fünf Euro, dann weiß ich schon beim Auspacken, dass der Rewe-Käse Käse ist. :mrgreen:
Gruß Jürgen

»Merk Dich Dat!«☝️🧐

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Re: Norqain Neverest

Beitrag von watchhans18 » 06 Okt 2021, 05:17

10buddhist hat geschrieben:
05 Okt 2021, 22:01
watchhans18 hat geschrieben:
05 Okt 2021, 07:52
10buddhist hat geschrieben:
04 Okt 2021, 06:28

Hätte Deutschland damals den Schweizer Franken eingeführt, wäre das alles nicht soweit gekommen … :whistling:
Da habe ich so meine Zweifel....
Zumindest wenn ich mir die allgemeine Preisentwicklung nicht nur in Deutschland anschaue.
Auch in der Schweiz müssen immer mehr Menschen jeden Rappen einzeln umdrehen.
Ich muss meine ironischen Bemerkungen in Zukunft deutlicher kennzeichnen. :roll:

Davon abgesehen: Wenn ich in der Migros einen „Schweizer“ Käse für fünf Franken kaufe und einen in einem deutschen Rewe für fünf Euro, dann weiß ich schon beim Auspacken, dass der Rewe-Käse Käse ist. :mrgreen:
Bei Rewe ist nicht nur der Käse Käse...egal woher :rofl:

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Re: Norqain Neverest

Beitrag von Peter1070 » 10 Okt 2021, 12:43

Hertie hat geschrieben:
04 Okt 2021, 06:27
10buddhist hat geschrieben:
04 Okt 2021, 06:23
Hertie hat geschrieben:
30 Sep 2021, 15:11

Die Modellvarianten gefallen mir, auch wenn der Markt -gefühlt- schon überschwemmt ist von Sportuhren mit Drehlünetten.
Sollte Rolex da nicht endlich mal nachziehen?🤔 :whistling:

Eindeutig. Auch bei der Explorer fehlt mir das Drehbare. Und eine Datejust konnte man ja auch aufpeppen. :mrgreen:
Rolex könnte ja den Turn-O-Geaph wiederbeleben.
Schönen Sonntag
Peter

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Re: Norqain Neverest

Beitrag von Thomas H. Ernst » 10 Okt 2021, 14:26

10buddhist hat geschrieben:
05 Okt 2021, 22:01
Davon abgesehen: Wenn ich in der Migros einen „Schweizer“ Käse für fünf Franken kaufe und einen in einem deutschen Rewe für fünf Euro, dann weiß ich schon beim Auspacken, dass der Rewe-Käse Käse ist. :mrgreen:
Na, das ist doch gut wenn die bei REWE den Schweizer Käse in der Schweizer-Käse-Verpackung nicht still und heimlich gegen Formkäse oder sowas in der Art ersetzen. :whistling:
Grüsse Thomas
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Re: Norqain Neverest

Beitrag von jeannie » 10 Okt 2021, 17:21

Thomas H. Ernst hat geschrieben:
10 Okt 2021, 14:26
10buddhist hat geschrieben:
05 Okt 2021, 22:01
Davon abgesehen: Wenn ich in der Migros einen „Schweizer“ Käse für fünf Franken kaufe und einen in einem deutschen Rewe für fünf Euro, dann weiß ich schon beim Auspacken, dass der Rewe-Käse Käse ist. :mrgreen:
Na, das ist doch gut wenn die bei REWE den Schweizer Käse in der Schweizer-Käse-Verpackung nicht still und heimlich gegen Formkäse oder sowas in der Art ersetzen. :whistling:
Während die Italiener den guten Kàse selber essen und die zweite Qualität exportieren, subventionieren die Schweizer den Export des guten Käses und den Rest tischen sie uns auf.

Also die Chance, im grossen Kanton guten Schweizer Käse zu erwischen ist nicht gar nicht so klein.
http://www.watchtools.ch Uhrenwerkzeug, direkt aus der Schweiz.

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Re: Norqain Neverest

Beitrag von Thomas H. Ernst » 10 Okt 2021, 17:55

jeannie hat geschrieben:
10 Okt 2021, 17:21
Also die Chance, im grossen Kanton guten Schweizer Käse zu erwischen ist nicht gar nicht so klein.
Nicht nur da.

Emmi, Kaltbach, Appenzeller und Greyerzer gibt es praktisch überall. Habe ich in den USA regelmässig gesehen und auch in Spanien in der Pampa.

Die deutschen Lebensmittelketten haben beim Käse oft mehr Auswahl als die Schweizer und was die Qualität angeht kann man auch nicht meckern. An die Franzosen kommt allerdings keiner ran, das ist das Käseparadies schlechthin. 😍

Ansonsten kaufe ich gerne im Fachgeschäft, das hier hat immer eine tolle Auswahl und auch hausgemachten Joghurt und Glacé: https://fromageriesa.ch

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Re: Norqain Neverest

Beitrag von watchhans18 » 10 Okt 2021, 22:49

A propos Käse: da kann ich doch heilfroh sein, hier im werten watchtime-Forum unterwegs zu sein :yahoo:

Es gibt da ein anderes, deutschsprachiges Forum, bei dem selbst Moderatoren bei soviel herzerfrischendem Off-Topic sofort gnadenlos hinausfliegen würden :rofl:

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