Miyota 8203 vs. ETA 2824

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Sedi
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Miyota 8203 vs. ETA 2824

Beitrag von Sedi » 25 Jun 2007, 17:33

Hallo,
Ich hatte gerade eine kleine Auseinandersetzung in einem anderen Forum, weil ich geschrieben hatte, daß sich das Miyota 8203 in meiner Autozilla, oder auch in der normalen Promaster hinter keinem Standard ETA 2824 verstecken braucht, was Haltbarkeit und Gangwerte angeht. Nun wollte man von mir wissen, wieso denn dann Uhren mit ETA meist teurer sind. Wie sehen das denn die Experten bei uns im Forum? Hab ich recht oder ist ein relativ unverfeinertes 2824 tatsächlich qualitativ besser als ein Miyota 8203? Ich hab übrigens schon die Suche bemüht, aber nichts wirklich aussagekräftiges gefunden. Ich denke ja mal, daß der höhere Preis eher durch Faktoren wie Image oder Angebot und Nachfrage bestimmt wird oder rechtfertigen alleine der Sekundenstopp und die etwas höhere Schlagzahl einen höheren Preis?
Gruß, Sedi :D
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Paulchen
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Re: Miyota 8203 vs. ETA 2824

Beitrag von Paulchen » 25 Jun 2007, 18:39

Sedi hat geschrieben:Hallo,
Ich hatte gerade eine kleine Auseinandersetzung in einem anderen Forum, weil ich geschrieben hatte, daß sich das Miyota 8203 in meiner Autozilla, oder auch in der normalen Promaster hinter keinem Standard ETA 2824 verstecken braucht, was Haltbarkeit und Gangwerte angeht. Nun wollte man von mir wissen, wieso denn dann Uhren mit ETA meist teurer sind. Wie sehen das denn die Experten bei uns im Forum? Hab ich recht oder ist ein relativ unverfeinertes 2824 tatsächlich qualitativ besser als ein Miyota 8203?
Das sind mir die Richtigen, erst weit aus dem Fenster lehnen und dann... :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :wink:

Sorry, helfen kann ich dir nicht. :wink:

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Sedi
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Beitrag von Sedi » 25 Jun 2007, 18:43

Naja, im Prinzip weiß ich schon aus allem, was ich so gelesen habe, daß ein gut eingeregeltes Miyota locker mit einem 2824 mithält. Nur findet man dann halt nicht immer auf Anhieb die Quellen, wenn man mal danach gefragt wird, deswegen wollte ich das hier halt mal sammeln.
Gruß, Sedi :D
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Thomas H. Ernst
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Beitrag von Thomas H. Ernst » 25 Jun 2007, 19:12

Ich hab schon so miserable Standard-Etas gesehen dass ich mir nicht vorstellen kann dass ein Miyota schlechter sein kann. man muss allerdings berücksichtigen, dass gerade bei der untersten Preisstufe die Fertigungsstreuungen extrem hoch sind. Wenn man also mal 50 ETAs und 50 Miyotas vergleicht, wird es wohl von beiden Exemplare geben die besser als die anderen sind.
Grüsse Thomas
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Roland Ranfft
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Beitrag von Roland Ranfft » 25 Jun 2007, 19:33

Hallo Sedi,
Naja, im Prinzip weiß ich schon aus allem, was ich so gelesen habe, daß ein gut eingeregeltes Miyota locker mit einem 2824 mithält.
Ich vermute mal, daß das was Du gelesen hast keine offiziellen Veröffentlichungen von ETA sind.

Wahrscheinlich meinst Du das allgegenwärtige Miyota 8215 (nur Datum) oder 8205 (Tag, Datum). Und dazu kann man folgendes sagen: Die Unruh entspricht etwa der im kleinen Damen-Kaliber ETA 2671. Allerdings wird dort die Unruh trotz der Frequenz von 28800A/h mit einem wesentlich kleineren Federhaus fast genau so lange am Zappeln gehalten.

Bedenkt man, daß die im Unruhsystem steckende Energie bei 28800A/h um 78% höher ist als bei den 21600A/h des Miyota, sagt das sehr viel über Reibungsverluste aus - und Reibung bedeutet Verschleiß und Ungenauigkeit (wozu sonst die Zapfen polieren?)

Mit dem großen ETA 2824-2 kann man das Miyota-Werk nun wirklich nicht mehr vergleichen - es ist einfach eine andere Galaxie.

Natürlich sind die Miyota-Macher keine Deppen. Gefragt war ein billig zu fertigendes Werk akzeptabler Qualität, und genau das wurde realisiert.

Gruß, Roland Ranfft
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Sedi
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Beitrag von Sedi » 25 Jun 2007, 20:00

Oh, dann hab ich mich wohl doch zu weit aus dem Fenster gelehnt :oops: Danke Roland, für die Antwort. Ich denke mal, wenn du das sagst, dann stimmt's - bist schließlich sozusagen der Werk-Archivierungsgott für mich *schleim* :D Wie siehts denn beim 8203 der Autozilla aus? Soweit ich von Rogers Taucheruhrenseite weiß, ist das ja zumindest leicht veredelt?
Gruß, Sedi :D
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CF
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Beitrag von CF » 25 Jun 2007, 20:50

ich sehe es so wie Herr Ranfft.

ein 2824er werk in Top Qualität ist von einem Miyota nicht zu schlagen.
eher lohnt ein Vergleich mit seiko 7s36.
also die Miyotas die ich kenne weisen alle grausige Gangwerte auf, hohe Lagedifferenzen des Ganges und relativ kurze Haltbarkeit.
dies ist aber natürlich nicht repräsentativ.
die Langzeiterfahrungen mit den Seikos sehen da schon besser aus, zumidest bei mir.
bedenkt man aber den Preis von 60 Euro für eine citizen, ist das trotzdem beachtlich gut, was Miyota da leistet.

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_Christoph
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Beitrag von _Christoph » 25 Jun 2007, 20:51

Man sollte allerdings noch erwähnen, daß das Miyota 82xx deutlich moderner konstruiert ist, als das 2824, dessen konstruktive Wurzeln bis an den Anfang der 60er zurückgehen.

Das ETA, das es immerhin seit 1971 gibt, ist mit seinem beidseitigen Aufzug und Wechslersystem technisch doch etwas antiquiert; das Miyota 82xx, das "erst" 1977 debutierte, besitzt einen zeitgemäßeren einseitig aufziehenden Rotor (AS hat seinerzeit festgestellt, daß ein einseitig aufziehender Rotor sogar effizienter arbeiten kann, und wer mal erlebt hat, welche irrsinnigen internen Geschwindigkeiten die ETA-Zahnräder beim Handaufzug ertragen müssen, kann sich leicht vorstellen, wieso die Miyota-Konstruktion die bessere ist) und läuft trotz langsamer 21600 Halbschwingungen nicht wesentlich schlechter, als das 28.8er von ETA. Auf lange Sicht gesehen ist sogar ein 21600 Kaliber wartungsärmer als ein 28800er, denn was sich langsamer und mit weniger Kraft bewegt, verschleißt auch nicht so schnell.

Wo jedoch das ETA-Werk klar die Nase vorne hat, ist beim Pimpen als Chronometer. Diese Ausführungen gibt es schlichtweg nicht von Miyota... Nicht, daß es nicht möglich wäre, aber wenn auf die Kosten geachtet werden muß, dann haben solche Spielereien keinen Platz.

Ciao
Christoph

P.S.: Zu den Kosten noch, ein "normales" ETA 2824 kostet das Dreifache eines Miyota 8205 (lt. http://www.ofrei.com), aber ob das wirklich gerechtfertig ist, wage ich zu bezweifeln...
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CF
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Beitrag von CF » 25 Jun 2007, 20:54

bedenkt man das statement von Herrn Ranfft (das die im Federhaus steckende Energie bei Miyota trotz niedriger Frequenz deutlich höher ist),
so sollte uns allen das Licht der Erkenntnis aufgehen :wink:

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Harrss
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Beitrag von Harrss » 25 Jun 2007, 21:22

Hallo,

ich kann nur aus meiner persönlichen Erfahrung berichten. Ich habe mittlerweile 7 Uhren mit 2824/36 Werk bessessen (5 besitze ich noch davon). Sie gehen alle sehr zuverlässig und liessen sich von meinem Uhrmacher schnell auf den gewünschten mittleren Vorlauf von weniger als 3 Sekunden pro Tag einstellen.
Desweiteren habe ich eine Citizen Promaster und eine Seiko Spirit besessen mit dem Myotawerk und dem Seiko 6R15. Beide japansichen Werke gingen zuverlässig, hatten aber enorme Lageabweichung.
Die 2824 haben nach meiner Erfahrung nur recht geringe Lageabweichungen von 0 bis 5 Sekunden pro Tag.
Sowohl das Myota, als auch das Seiko 6R15 reagierten wesentlich empfindlicher im Bereich von 5 bis 20 Sekunden pro Tag auf unterschiedliche Lagen.
Nach meiner persönlichen Erfahrung sind also die 2824 (zumindest die qualitativ etwas besseren von Mido, Oris, Sinn etc.) wesentlich genauer reguliert als ein Myotawerk.


Viele Grüße, Jürgen

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Harrss
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Beitrag von Harrss » 25 Jun 2007, 21:23

Doppelpost :oops:

T'schuldigung, keine Ahnung wie das passieren konnte... :oops:

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lottemann
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Beitrag von lottemann » 25 Jun 2007, 21:34

CF hat geschrieben:bedenkt man das statement von Herrn Ranfft (das die im Federhaus steckende Energie bei Miyota trotz niedriger Frequenz deutlich höher ist),
so sollte uns allen das Licht der Erkenntnis aufgehen :wink:
Ich lese das ein klitzekleines Bischen anders.
Mache ich was falsch Herr Doktor?

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Thomas H. Ernst
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Beitrag von Thomas H. Ernst » 25 Jun 2007, 22:47

lottemann hat geschrieben:Mache ich was falsch Herr Doktor?
Nein, aber Du hast das Licht der Erkenntnis noch nicht empfangen. :mrgreen:
Grüsse Thomas
Euer Board-Admin

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Beitrag von Roland Ranfft » 26 Jun 2007, 02:58

Hallo Michael,
Mache ich was falsch Herr Doktor?
Nöö, eigentlich nicht. Die Tatsache, daß die Zielvorgaben für die 82XX-Werke andere sind, machen sie ja nicht schlecht oder sinnlos. Schon die Stückzahlen beweisen das Gegenteil.

Ich habe es vielleicht etwas drastisch ausgedrückt, weil ständig verbreitet wird, daß ETA-Werke nix taugen, und nur das gut ist, wo nicht ETA draufsteht. Die Dinger sind häufig, und dafür gibt es gute Gründe: Besseres ist für das Geld nicht zu haben, und man reibt sich nur die Augen, warum keiner die riesige Lücke bis zum Nobelwerk stopft.

Tatsache bleibt, daß die Unruhn vom winzigen ETA 267X und vom ziemlich großen Miyota 82XX hinsichtlich Gewicht und Trägheitsmoment etwa gleich sind. Und da muß man sich schon fragen, wo die etwa doppelte Energie des Miyota-Federhauses bleibt, noch dazu wo die langsam schwingende Unruh wesentlich weniger Energie benötigt.

Man kann natürlich auch ein Werk gut regulieren, wenn die Reibungsverluste hoch sind. Aber Reibungsverluste ändern sich relativ schnell, und entsprechend schwieriger ist es, eine gute Regulierung langfristig zu erhalten.

Wäre Reibung kein Thema, hätten alle Uhren eine winzige Unruh und ein Mords-Federhaus - ist aber nicht so.

Die Großserien-Werke von Citizen-Miyota verfolgen nun mal andere Ziele. Eines ist, auch dort Uhren zu verkaufen, wo es weder Batterien noch Uhrmacher gibt. Und in diesen Gegenden sind solche Uhrwerke erfolgreicher als die von Rolex - woran immer das liegt.

Ich habe durchaus Citizen-Werke gesehen, die es mit ETA-Werken aufnehmen können. So kommt z.B. ein 1800 mit großer schwerer Unruh und jeder Menge Decksteinen daher und ein 7611 hat zudem noch ein hervorragendes Finish. Aber immer wenn man sowas einmal sieht, hat man zuvor 100 Exemplare der 82XX-Reihe gesehen. Das sind nun mal die Volks-Trecker, die ticken müssen - lange, aber egal wie schnell oder langsam.

Die 82XX-Reihe mag auch die geringfügig neuere Konstruktion sein; die modernere ist sie allenfalls in dem Sinne, daß sie sich billiger fertigen läßt. Die Komponenten sind nun mal einfacher, wenn man die Teile eines kleinen Damen-Uhrwerks im doppelten Volumen eines Herrenuhrwerks unterbringt. Technischen Fortschritt interpretiere ich aber anders, zumal die komplexeren Formen raumoptimerter Werke für Fertigungsautomaten kaum mehr eine Rolle spielen.

Gruß, Roland Ranfft
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Don Tomaso
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Beitrag von Don Tomaso » 26 Jun 2007, 04:21

Thomas H. Ernst hat geschrieben:
lottemann hat geschrieben:Mache ich was falsch Herr Doktor?
Nein, aber Du hast das Licht der Erkenntnis noch nicht empfangen. :mrgreen:
Lass dir einfach von CF das Reagenzglas zum dran schnuppern rüberreichen, dann geht dir das Licht schon auf. :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
Gruss

Thomas

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