Mechanischen Wecker zerlegen

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amica horologii
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Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von amica horologii » 13 Mai 2012, 17:51

Hallo erstmal an alle- erster Post... Ich bin vor einiger Zeit von der Faszination des Tickens gepackt worden und habe (da meine Geldbörse als gerade-erst-Schulabgängerin sich definitiv nicht in der Breitling/Rolex/Omega- Preisklasse aufhält) angefangen, mechanische Wecker zu sammeln. (Ja, sowas, was man aufs Nachtkastl stellt) Wenig später hat dann das Zerlegen angefangen, schließlich wolte ich wissen, wie das Ganze so funktioniert. Bis jetzt hatte ich da auch keine Probleme, konnte das eine oder andere verbogene Läutwerk reparieren und hatte meinen Spaß dabei.

Jetzt habe ich bei meinen Großeltern einen hübschen Wehrle-Wecker in gutem Zustand ausgegraben- wenn da nur der Dreck nicht wäre! Das Werk ist innen recht verstaubt und an diversen Trieben klebt dick das alte Schmieröl. Gut, also auseinander nehmen, reinigen und schmieren, hab ich mir gedacht. Bin allerdings leider gescheitert, da die Welle, auf der der Weckerzeiger (der hat ein eigenes ZB) sitzt, mit einer Art Feder mit der hinteren Platine verbunden ist und vor der vorderen Platine (logischerweise) mit einem Zahnrad (ich glaube, das ist das Stundenrad) mit der Minutenwelle verbunden ist. Die Platinen gehen also nicht auseinander. Ich schätze, um die Welle von der Platine zu bekommen müsste ich diese Feder aufbiegen- jetzt habe ich mir eben gedacht, ich lasse sie dran und reinige beides so- kann mir aber jemand einen Tip geben, wie man von der Zifferblattseite (Zifferblatt und Zeiger sind demontiert) den vorderen Teil des Werks demontiert? Hat generell jemand von euch Erfahrung mit Weckern?

Das ist jetzt doch etwas lang und verworren geworden- ich versuche, noch ein halbwegs passables Foto hinzubekommen, das macht das Ganze wahrscheinlich leichter...

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bepone
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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von bepone » 13 Mai 2012, 19:38

Hallo,

willkommen im Forum!

Mechanische Wecker haben oft ihre Eigenheiten und Tücken, vor allem die "billigeren" mit gestanzten Blechplatinen.
Auch wenn die Einzelteile relativ groß sind, braucht man einiges Geschick, um alles unfallfrei auseinander- und wieder zusammenzubekommen.

Du bist ja selbst schon dran, von der Stelle, bei der es hängt, ein Bild zu machen. Genau das ist es, was jetzt hier gebraucht wird: Ein oder mehrere gute Makrofotos von der Stelle.
Dann kann man wahrscheinlich sagen, was zu tun ist.


P.S. Die Wahl des Forums ist, denke ich, relativ unglücklich. Die meisten Leute hier beschäftigen sich mit teureren bis teuersten Armbanduhren. Allerdings sind auch einige "Selbermacher" hier vertreten, vielleicht kommen wir deinem Problem bei.


Gruß
Benjamin
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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von schlumpf » 13 Mai 2012, 19:44

bepone hat geschrieben: Die Wahl des Forums ist, denke ich, relativ unglücklich.
So ein Unsinn. Das Forum steht allen offen, die Spaß an (im Wesentlichen mechanischen) Uhren haben, der Preis spielt dabei eine absolut untergeordnete Rolle. Insofern sehr willkommen hier, amica, und sag uns noch Deinen Namen bitte. Und das mit dem "Wecker-Sammeln" hatten wir hier noch nicht, kann durchaus interessant sein und werden. Aber auch da bitte mal Fotos machen.
Schöne Uhrengrüße, Gerhard

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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von bepone » 13 Mai 2012, 20:11

Selbstverständlich werden wir mit Rat und Tat zur Seite stehen, soweit möglich!

Ich meine nur, dass es vielleicht auch ein "Wecker-Forum" geben könnte.

Interessant ist das allemal, da ich nebenbei auch Wecker sammle / gesammelt habe :wink:


Gruß
Benjamin
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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von jeannie » 13 Mai 2012, 20:28

bepone hat geschrieben:P.S. Die Wahl des Forums ist, denke ich, relativ unglücklich. Die meisten Leute hier beschäftigen sich mit teureren bis teuersten Armbanduhren. Allerdings sind auch einige "Selbermacher" hier vertreten, vielleicht kommen wir deinem Problem bei.
:shock:

Seit wann? Wurde was geändert in den Forumsregeln?
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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von Philclock » 13 Mai 2012, 21:05

Zeig uns doch mal Bilder des Weckers,
da kann man schon weiterhelfen.

Es wäre wichtig,dass Du dich ein wenig mit der Uhrentechnik beschäftigst.
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Heinrich
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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von Heinrich » 13 Mai 2012, 22:40

amica horologii hat geschrieben:Bin allerdings leider gescheitert, da die Welle, auf der der Weckerzeiger (der hat ein eigenes ZB) sitzt, mit einer Art Feder mit der hinteren Platine verbunden ist und vor der vorderen Platine (logischerweise) mit einem Zahnrad (ich glaube, das ist das Stundenrad) mit der Minutenwelle verbunden ist. Die Platinen gehen also nicht auseinander. Ich schätze, um die Welle von der Platine zu bekommen müsste ich diese Feder aufbiegen-
Dann ist diese Feder anschließend kaputt. Die Stellwelle hat eine umlaufende Nut und sitzt mit dieser Nut in der hinteren Platine in einer 8-förmigen Bohrung. Der obere Teil der Bohrung entspricht dem Durchmesser in der Nut und der unterer Teil dem Aussendurchmesser der Welle. Wenn du die Welle am hinteren Ende etwas nach unten drückst, kannst du sie anschließend nach vorne herausziehen.

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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von bepone » 14 Mai 2012, 12:31

Hallo,
Seit wann? Wurde was geändert in den Forumsregeln?
Nein, das steht nirgendwo geschrieben und ist ausschließlich meine persönliche Beobachtung. Man wird es aber nicht leugnen können, wenn man mal einen Querschnitt durch die Forenbeiträge zieht :wink:


P.S. Ich selbst bin einer der Freunde "günstigerer" Uhren und mehr für die technische Seite und habe mich auch aus versehen hierher verlaufen :wink: :wink:
Und eben festgestellt, dass diese Art Materie hier weniger Interesse weckt.


Edit:
Dabei muss ich natürlich erfreut feststellen, dass der Wecker-Thread hier einigen Anklang findet :)


Gruß
Benjamin
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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von amica horologii » 14 Mai 2012, 13:10

Hoppla, hab mich ja gar nicht ordentlich vorgestellt- also ich heiße Nadja und bin aus Wien :wink:
Vielen Dank für die netten Begrüßungen. Mittlerweile habe ich doch ein paar Wecker, das ist, finde ich, ein ganz nettes Sammelgebiet für mein Budget. Außerdem macht mir das herumwerkeln mit Schraubenziehern und Zangen und Pinzetten usw. so viel Spaß- und das könnte ich bei teureren Uhren nicht machen, da hätte ich viel zu viel Angst, etwas kaputt zu machen.
Aber nun zu meinem Problemstück:
Heinrich hat geschrieben:Dann ist diese Feder anschließend kaputt.
Das hab ich mir eben auch gedacht- und sie daher natürlich nicht durchgezwickt.

Hier erstmal die Fotos:

Bild

Hier die rückwärtige Platine- vorne mittig sieht man die Welle, mit der ich mich nicht auskenne.
Heinrich hat geschrieben:Die Stellwelle hat eine umlaufende Nut und sitzt mit dieser Nut in der hinteren Platine in einer 8-förmigen Bohrung. Der obere Teil der Bohrung entspricht dem Durchmesser in der Nut und der unterer Teil dem Aussendurchmesser der Welle. Wenn du die Welle am hinteren Ende etwas nach unten drückst, kannst du sie anschließend nach vorne herausziehen.
Ich sehe die Bohrung, wie du sie beschrieben hast, nur geht der feste Draht (habe ich vorhin wahrscheinlich fälschlicherweise als "Feder" bezeichnet) nicht nur um die Welle, sondern ist vorne durch zwei Bohrungen in der Platine gebogen und so befestigt... :( Dadurch kann ich sie nicht herunterdrücken, wie Du beschrieben hast (sehr verständliche Erklärung aber, Respekt!)

Bild

Hier jetzt die Zifferblattseite. Hinten jetzt die problematische Welle. Als ich die Zeiger abmontiert habe, war ein zuerst einmal gleich aussehender noch an der dünnen Welle rechts vorne dran (Sekundenzeiger). Der ist streng, aber doch, mit dem Rohr, auf dem er montiert war, abgegangen. Der Weckerzeiger ist aber nur alleine, ohne das Rohr (korrekte Bezeichnung??!) heruntergegangen (seeeeehr streng), das Rohr (viel kleiner hier, da dahinter ja auch noch ein Zahnrad montiert ist) ist noch dran. (Klein und golden, über dem silbernen Teil mit dem Stift, der regelt, wann das Läutwerk freigegeben wird)
Das Problem ist jetzt zunächst einmal, dieses Rad herunterzubekommen, die anderen zwei gehen dann eh leicht, soweit ich das sehe. Soll ich einfach probieren, mit der Zange ganz fest anzuziehen? (Habe Angst, dabei etwas kaputt zu machen :? )

Und eine andere Frage hätte ich auch noch: Wenn ich die Federn ausgebaut habe (habe sie im Moment mit Draht fixiert, damit sie mir nicht entgegenspringen- so mache ich das normalerweise; die Wecker haben schließlich kein Federhaus, weil sie letztlich doch billige Gebrauchsprodukte sind/waren), wie kann ich sie möglichst ungefährlich aus dem Draht herausbekommen, um sie zu reinigen? (Wohl ähnlich, wie wenn man ein Federhaus öffnet, doch ich habe diesbezüglich nur Tips für Kleinuhren gefunden. Da muss man zwar aufpassen, dass man die Feder nicht kaputtmacht, aber bei diesen größeren Zugfedern besteht ja auch noch Verletzungsgefahr- ich hab da ziemlich Respekt vor den Dingern...)

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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von lottemann » 14 Mai 2012, 13:29

amica horologii hat geschrieben:...

Und eine andere Frage hätte ich auch noch: Wenn ich die Federn ausgebaut habe (habe sie im Moment mit Draht fixiert, damit sie mir nicht entgegenspringen- so mache ich das normalerweise; die Wecker haben schließlich kein Federhaus, weil sie letztlich doch billige Gebrauchsprodukte sind/waren), wie kann ich sie möglichst ungefährlich aus dem Draht herausbekommen, um sie zu reinigen? (Wohl ähnlich, wie wenn man ein Federhaus öffnet, doch ich habe diesbezüglich nur Tips für Kleinuhren gefunden. Da muss man zwar aufpassen, dass man die Feder nicht kaputtmacht, aber bei diesen größeren Zugfedern besteht ja auch noch Verletzungsgefahr- ich hab da ziemlich Respekt vor den Dingern...)
Glückwunsch. :wink:
Den Respekt solltest Du Dir erhalten. Die Dinger können heftig weh tun.

Gruss,
Michael

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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von Barfly » 14 Mai 2012, 13:41

lottemann hat geschrieben:
amica horologii hat geschrieben:...

Und eine andere Frage hätte ich auch noch: Wenn ich die Federn ausgebaut habe (habe sie im Moment mit Draht fixiert, damit sie mir nicht entgegenspringen- so mache ich das normalerweise; die Wecker haben schließlich kein Federhaus, weil sie letztlich doch billige Gebrauchsprodukte sind/waren), wie kann ich sie möglichst ungefährlich aus dem Draht herausbekommen, um sie zu reinigen? (Wohl ähnlich, wie wenn man ein Federhaus öffnet, doch ich habe diesbezüglich nur Tips für Kleinuhren gefunden. Da muss man zwar aufpassen, dass man die Feder nicht kaputtmacht, aber bei diesen größeren Zugfedern besteht ja auch noch Verletzungsgefahr- ich hab da ziemlich Respekt vor den Dingern...)
Glückwunsch. :wink:
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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von Heinrich » 14 Mai 2012, 18:12

amica horologii hat geschrieben:Der Weckerzeiger ist aber nur alleine, ohne das Rohr (korrekte Bezeichnung??!) heruntergegangen (seeeeehr streng), das Rohr (viel kleiner hier, da dahinter ja auch noch ein Zahnrad montiert ist) ist noch dran. (Klein und golden, über dem silbernen Teil mit dem Stift, der regelt, wann das Läutwerk freigegeben wird)
Das „Rohr“ nennt man Zeigerfutter. Der Zeiger ist, oder besser „war“ in dem vorliegenden Fall mit dem Zeigerfutter vernietet. Als ich gestern gelesen habe, dass du den Stellzeiger von der Welle gezogen hast, dachte ich schon, dass du viel Glück gehabt haben musst. Hast du aber leider nicht. Der Zeiger ist ab, aber das Futter ist drauf geblieben. Von weiteren Versuchen, das Futter abzuziehen würde ich dringend abraten. Das Futter ist auf die Welle aufgepresst. Der abgerissene Weckerzeiger ist jetzt aber kein Drama. Ein wenig Lehrgeld muss man schon mal bezahlen. Den kleinen Zeiger kannst du nach der Montage des Zifferblatts mit etwas Sekundenkleber wieder auf dem Futter befestigen. Vorher aber bitte ausprobieren, auf welcher Position, damit die Weckzeit noch richtig angezeigt wird. Ich würde dabei etwas Plastikfolie über das Zifferblatt legen, damit nicht versehentlich Kleber drauf kommt.

Jetzt noch mal zu dem „Draht“. Der Drahtbügel hält die Stellwelle in Position und klemmt sie auch ein wenig, damit sich die Weckzeit nicht von alleine verstellen kann, wenn der Stift unter dem Zifferblatt in die Raste fällt. Der Drahtbügel ist nicht an der Platine umgebogen, sondern ist zu einem kleinen Kringel gebogen, der in einen Schlitz in der hinteren Platine eingesteckt ist. Zur Demontage muss man den Drahtbügel vorsichtig aus der Platine heraushebeln und dann über die Stellwelle nach hinten abziehen. Anschließend kann man die Welle dann wie beschrieben nach vorn herausnehmen.

Nun zu den Aufzugsfedern. Dein Respekt ist angebracht. Schraub mal schnell die Muttern wieder auf die Pfeiler, nimm die Drähte wieder weg und lass den Wecker erst mal so lange laufen und wecken, bis beide Federn soweit wie nur irgend möglich entspannt sind. Alles andere ist echt gefährlich. Auf der einen Seite besteht eine erhebliche Verletzungsgefahr und auf der anderen Seite kann das Uhrwerk irreparabel beschädigt werden, wenn sich die Federn schlagartig entspannen. Setz dir vorsichtshalber immer eine Schutzbrille auf, wenn du mit Aufzugsfedern hantierst.

Beim weiteren Zerlegen des Werkes und auch beim Zusammenbau wirst du mit weiteren Herausforderungen konfrontiert werden. Selbst so ein einfacher Wecker ist kein Metallbaukasten. Man kann schnell etwas unwiederbringlich kaputtmachen. Wenn du vor allen Dingen Erfahrungen sammeln möchtest, ist das schon o.k. Allerdings ist das dann mit dem Risiko verbunden, dass der „hübsche Wecker von den Großeltern“ anschließend komplett Schrott ist. Wäre schade. Was die Technik angeht, war der Wehrle zu seiner Zeit aus meiner Sicht so etwas wie der Mercedes unter den Weckern. Geh lieber noch mal zu dem netten Uhrmacher in dem kleinen Laden und frag ihn, ob du ihm erst mal ein wenig über die Schulter schauen kannst.

Weiterhin viel Spaß beim Basteln und viel Erfolg beim Zusammenbau !

Viele Grüße aus dem Rheinland
Heinrich

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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von amica horologii » 15 Mai 2012, 19:06

Vielen Dank!!! Die Stellwelle ist erfolgreich demontiert!

Was ich jetzt immer noch nicht ganz verstanden habe: Wenn man normalerweise den Zeiger nicht vom Zeigerfutter nimmt und das Zeigerfutter nicht von der Stellwelle haruntergenommen werden kann, wie demontiert man dann normalerweise das Zifferblatt? Das muss ja heruntergenommen werden, damit man die Stellwelle nach vorne ausbauen kann...

Die Federn kann ich zwar auch mit dem Schlüssel entspannen, wenn ich die Sperrklinke zur Seite drücke, aber damit ist das Problem mit dem Ausbau nicht gelöst, die Federn sind dann zwar "entspannter", aber sie liegen immer noch am Rahmen an, sodass sie sich immer noch schlagartig "fertig" entspannen, wenn man den Wecker aufmacht, was, wie du ja schon gesagt hast, fürs Uhrwerk nicht gut ist. Wie baut man also so eine Feder korrekt aus?

Beim Uhrmacher zu fragen, ob ich ihm ein bisschen zuschauen kann, hatte ich eh vor. Und dass das wohl ein vergleichsweise hochwertiger Wecker ist, merkt man sofort- kein einziges Plastikteil, die Feder hat zwar kein Federhaus, liegt aber immerhin nicht direkt am Gehäuse an,...
Danke jedenfalls nochmal für die ausführliche Antwort!

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Heinrich
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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von Heinrich » 16 Mai 2012, 21:15

amica horologii hat geschrieben:Was ich jetzt immer noch nicht ganz verstanden habe: Wenn man normalerweise den Zeiger nicht vom Zeigerfutter nimmt und das Zeigerfutter nicht von der Stellwelle haruntergenommen werden kann, wie demontiert man dann normalerweise das Zifferblatt? Das muss ja heruntergenommen werden, damit man die Stellwelle nach vorne ausbauen kann...
"Normalerweise" kann ein Zeiger schon mitsamt dem Zeigerfutter von der Stellwelle abgezogen werden. Bei Uhren sollte man aber niemals grobe Gewalt anwenden. Wenn es mit sanfter Gewalt nicht geht, sollte man besser erst mal aufgeben und nach Alternativen suchen. Bei der Demontage der Stellwelle hast du ja schon alles richtig gemacht: Erst mal aufgeben und überlegen oder jemand um Rat fragen. Wenn der Zeiger mitsamt Zeigerfutter nicht runter geht, kann man beim Wehrle Wecker besser hinter dem Zifferblatt mit einer kleinen Zange den Kegelstift aus der Stellwelle ziehen. Anschließend kann man die ganze Welle dann wie beschrieben mitsamt Zeiger nach vorn ausbauen und dann das Zifferblatt abnehmen.
amica horologii hat geschrieben:Die Federn kann ich zwar auch mit dem Schlüssel entspannen, wenn ich die Sperrklinke zur Seite drücke, aber damit ist das Problem mit dem Ausbau nicht gelöst, die Federn sind dann zwar "entspannter", aber sie liegen immer noch am Rahmen an, sodass sie sich immer noch schlagartig "fertig" entspannen, wenn man den Wecker aufmacht, was, wie du ja schon gesagt hast, fürs Uhrwerk nicht gut ist. Wie baut man also so eine Feder korrekt aus?
Wenn beide Federn komplett abgelaufen sind und die Restspannung durch Lupfen der Sperrklinken auch noch abgebaut wurde, kann nichts mehr schiefgehen. Die Federn sind dann nur noch etwas verzwängt. Das kannst du mit den Fingern bequem gegenhalten. Wenn du die hintere Platine nicht auf einem Schlag, sondern stückchenweise anhebst, wird das schon gehen.

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Re: Mechanischen Wecker zerlegen

Beitrag von amica horologii » 17 Mai 2012, 18:23

Ah, ok. Ich werd ihn dann morgen gleich fertig zerlegen. Vielen Dank für die netten und umfassenden Antworten!!!

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