Tegmentierung - Langzeit Erfahrungen ?

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keeper
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Tegmentierung - Langzeit Erfahrungen ?

Beitrag von keeper » 27 Feb 2016, 13:32

Hallo,

hat jemand von euch Erfahrungen/Hinweise ob sich diese Technologie von Sinn tatsächlich bewährt hat? Gibt es gar Sachen die zu Bedenken sind?

Danke und Gruß
Andreas

keeper
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Re: Tegmentierung - Langzeit Erfahrungen ?

Beitrag von keeper » 27 Feb 2016, 14:41

sollte Tegimentierung heißen.

Hat darüber hinaus jemand Erfahrungen zur Diapaltechnik ?

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Ralf
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Re: Tegmentierung - Langzeit Erfahrungen ?

Beitrag von Ralf » 27 Feb 2016, 15:37

Ich hab eine Sinn 756 Diapal seit 2004.
  1. Tegiment
    Ich hab sie mit Kautschukarmband, Erfahrungen beziehen sich also aufs Gehäuse. Mit der Lupe finde ich einen Mikrokratzer, was angesichts dessen, dass die Uhr heftig rangenommen wurde ein sehr gutes Ergebnis ist. Ich denke, dass der Mikrokratzer von einer heftigen Kollision mit einem Stahlträger stammt, damals hatte ich gedacht, aua, jetzt muss eine Beule drin sein, aber mit blossem Auge nichts entdeckt. Die Verbesserung im Vergleich zu 1.4435 ist gravierend. Farbton hat sich auch nicht merklich verändert.
  2. Diapal
    Uhr läuft bei ca 10 bis 20 Wochen pro Jahr am Arm unverändert und war noch nicht beim Service.
  3. Trockenhaltetechnik
    Jetzt, nach 10 Jahren deutet die Blauverfärbung darauf hin, dass wohl die Dichtungen nicht mehr perfekt sind, aber Dichtigkeitstest sagt noch gut. Werde wohl die Dichtungen mal in nicht allzu ferner Zukunft wechseln lassen.
  4. Minuspunkt 1
    Hab damals neu 1398€ bezahlt. Jetzt wären es 3035 €. Damals wars für den Preis ein echter Schnapp, heute eher nicht.
  5. Minuspunkt 2
    Die zweite Zeitzone mit 12h-Zeiger ist so nur ein Gimmik.
Man liest sich!

Ralf

keeper
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Re: Tegmentierung - Langzeit Erfahrungen ?

Beitrag von keeper » 28 Feb 2016, 20:16

Hallo Ralf,

vielen Dank für die genauen Angaben. Zwischenzeitlich ist mein Sinnkatalog angekommen und ich konnte zur 756 Diapal einiges lesen.
Die Uhr ist technisch sehr gut ausgestattet. Das sich der Preis so entwickelt hat ist interessant.
Ich werde versuchen in absehbarer Zeit mal nach Frankfurt zu gelangen. Dort gibt es Seiko und Sinn. Evtl. kann ich mir sogar bei Sinn meine Wunschuhr zusammenstellen.

Ich kann mich nun erinnern mal in den 90ern Sinn und Fortis auf dem Plan gehabt zu haben. Die Preise um 1000 Euro sind mir noch in Erinnerung geblieben. Fortis schien damals etwas teurer gewesen zu sein, naja ewig lang ists her.

Für meinen täglichen Gebrauch kann ich mir die EZM 16 gut vorstellen, muss ich mir aber in Natura ansehen. Hm, sehe gerade nicht ob sie Diapal hat.
Naja wird sich alles klären, immerhin scheint diese Technik zu funktionieren.

Wieso ist die 2te Zeitanzeige nur ein Gimmik? Wegen 12h und nicht 24h - Anzeige oder technische Probleme?

viele Grüße
Andreas

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Paulchen
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Re: Tegmentierung - Langzeit Erfahrungen ?

Beitrag von Paulchen » 28 Feb 2016, 20:46

Ralf hat geschrieben:Ich hab eine Sinn 756 Diapal seit 2004.
  1. Tegiment
    Ich hab sie mit Kautschukarmband, Erfahrungen beziehen sich also aufs Gehäuse. Mit der Lupe finde ich einen Mikrokratzer, was angesichts dessen, dass die Uhr heftig rangenommen wurde ein sehr gutes Ergebnis ist. Ich denke, dass der Mikrokratzer von einer heftigen Kollision mit einem Stahlträger stammt, damals hatte ich gedacht, aua, jetzt muss eine Beule drin sein, aber mit blossem Auge nichts entdeckt. Die Verbesserung im Vergleich zu 1.4435 ist gravierend. Farbton hat sich auch nicht merklich verändert.
Meine 856 UTC hat auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel, trage die Uhr häufig am Metallband.
Ich sage: Lohnt sich! Heftige Einschläge hinterlassen jedoch auch Spuren.

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nasowas
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Re: Tegmentierung - Langzeit Erfahrungen ?

Beitrag von nasowas » 29 Feb 2016, 13:35

Hallo,

hab hier eine SN 857.026x am Arm. Aus 2007, damals so um die 1300 mit Stahlband, IIRC.

Zur Thema Tegiment und Kampfspuren :thumbsup:
Hab Macken am Inlay der Lünette von dem ein oder anderen Einschlag, ebenso verkratzte äußere Entspiegelungsschicht auf dem Glas :crying: . Boden ist nicht tegimentiert, hat Kratzer vom Armband.
Gehärtete Teile hingegen sehen absolut jungfäulich aus - bis auf die Stelle wo die Bandanstöße montiert waren. Dort ist der tegimentierte Stahl tatsächlich etwas blank gerieben. Ich schau meine Uhren allerdings selten mit der Lupe an.
Das Stahlrmband habe ich schon einige Zeit nicht mehr gesehen - kann leider keine Stahlarmbänder mehr leiden, stören mich beim Deskdiving. Meine mich aber zu erinneren, dass ich es geschafft habe ein paar Mikrokratzer auf die Schließe zu bekommen. Ein ungehärtetes Stahlband sieht allerdings bei mir in der Regel nach einem Tag Tragezeit schlimmer aus wie das Sinn-Band nach zwei bis drei Jahren.
Insofern lohnt sich das meiner Meinung nach, wenn man auf den sterilen, perlgestrahlten Look steht.

Unsäglich finde ich die Trockenhaltetechnik. Insbesondere die damit verbunden Kosten im Fall der Revision. Inzwischen machen die das wohl nur noch zusammen mit der noch unsäglicheren Argonfüllung. Davon war anno 2007 noch nicht die Rede :evil: .

Grüße
Benjamin

Makelele
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Re: Tegmentierung - Langzeit Erfahrungen ?

Beitrag von Makelele » 29 Feb 2016, 23:07

Ralf hat geschrieben:Ich hab eine Sinn 756 Diapal seit 2004.
  1. Tegiment
    Ich hab sie mit Kautschukarmband, Erfahrungen beziehen sich also aufs Gehäuse. Mit der Lupe finde ich einen Mikrokratzer, was angesichts dessen, dass die Uhr heftig rangenommen wurde ein sehr gutes Ergebnis ist. Ich denke, dass der Mikrokratzer von einer heftigen Kollision mit einem Stahlträger stammt, damals hatte ich gedacht, aua, jetzt muss eine Beule drin sein, aber mit blossem Auge nichts entdeckt. Die Verbesserung im Vergleich zu 1.4435 ist gravierend. Farbton hat sich auch nicht merklich verändert.
  2. Diapal
    Uhr läuft bei ca 10 bis 20 Wochen pro Jahr am Arm unverändert und war noch nicht beim Service.
  3. Trockenhaltetechnik
    Jetzt, nach 10 Jahren deutet die Blauverfärbung darauf hin, dass wohl die Dichtungen nicht mehr perfekt sind, aber Dichtigkeitstest sagt noch gut. Werde wohl die Dichtungen mal in nicht allzu ferner Zukunft wechseln lassen.
  4. Minuspunkt 1
    Hab damals neu 1398€ bezahlt. Jetzt wären es 3035 €. Damals wars für den Preis ein echter Schnapp, heute eher nicht.
  5. Minuspunkt 2
    Die zweite Zeitzone mit 12h-Zeiger ist so nur ein Gimmik.
Auch von meiner Seite vielen Dank, für Deine Ausführungen.

Gehe ja in Gedanken doch immer auch noch (erneut) mit dem EZM 10 schwanger und diesbezüglich interessiert mich besonders Dein "Minuspunkt 1":
=> Würdest Du mir zustimmen, dass bei den - zumindest für die absoluten Spitzenmodelle/Technologieträger - angesichts der Preisgestaltung es für Sinn mittlerweile schon (sehr) "dünn" wird?
Ich meine, der von mir präferierte "Einsatzzeitmesser" geht ja mittlerweile (in der Version mit Massivband) mittlerweile schon steil in Richtung 5k €!
Da sind wir halt dann - um beim Chrono zu bleiben - auch schon gleich mal bei z. B. dem Planet Ocean Chrono (Straßen-/"Grau"-Preise).
Und das ist dann - Sinn-Technologien hin oder her - halt schon eine ganz andere "Kragenweite" (Werk, Verarbeitung, Haptik,...) an Uhr...

Zweite Frage an die Werkstoffexperten hier im Forum:
- Sinn gibt sich ja - im Gegensatz zu Damasko - recht "zugeknöpft", was konkrete Angaben (Vickershärte...) seiner Materialien/Kratzresistenztechnologien angeht.
Und auch die einschlägigen Foren geben - zumindest konkret zu Sinns "Tegiment" bzw. der Hartstoffbeschichtung - nicht unbedingt "zählbares" her.
=> Man darf/muss aber davon ausgehen, dass das tegimentierte Titan, auch oder gerade weil Sinn "edles" Reintitan anstelle einer Legierung für den Gehäusebau verwendet, bei weitem nicht die Widerstandskraft des tegimentierten "Normal"-Stahls (304L), geschweige denn des "U-Boot-Stahls" erreicht, oder?
"Die einzige Art, einen Charakter zu haben ist, einen schwierigen Charakter zu haben.“
- Napoleon Bonaparte -

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Re: Tegmentierung - Langzeit Erfahrungen ?

Beitrag von Ralf » 01 Mär 2016, 09:37

Makelele hat geschrieben:...=> Würdest Du mir zustimmen, dass bei den - zumindest für die absoluten Spitzenmodelle/Technologieträger - angesichts der Preisgestaltung es für Sinn mittlerweile schon (sehr) "dünn" wird?
Ich sag so wie schon oben: es ist kein Schnapp mehr. Das Preisniveau ist jetzt dort, wo auch etliche andere auch schon sind, bzw. waren.
Makelele hat geschrieben:.
=> Man darf/muss aber davon ausgehen, dass das tegimentierte Titan, auch oder gerade weil Sinn "edles" Reintitan anstelle einer Legierung für den Gehäusebau verwendet, bei weitem nicht die Widerstandskraft des tegimentierten "Normal"-Stahls (304L), geschweige denn des "U-Boot-Stahls" erreicht, oder?
Das Problem Kratzer bei Titan ist nicht wirklich anhand der Härte mit Stahl vergleichbar. Kratzer sind ein sehr stark optisches Problem der Wahrnehmung. Dank der anderen Oxidbildung ist Titan da "verzeihender", also Kratzer bei gleicher Abmessung eher weniger auffällig. Eine mechanische Oberflächenverdichtung ist hier auch wirksamer als bei korrosionsbeständigen hoch legierten Edelstählen.
Man liest sich!

Ralf

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Re: Tegmentierung - Langzeit Erfahrungen ?

Beitrag von Makelele » 04 Mär 2016, 12:48

Ralf hat geschrieben:
Makelele hat geschrieben:.
=> Man darf/muss aber davon ausgehen, dass das tegimentierte Titan, auch oder gerade weil Sinn "edles" Reintitan anstelle einer Legierung für den Gehäusebau verwendet, bei weitem nicht die Widerstandskraft des tegimentierten "Normal"-Stahls (304L), geschweige denn des "U-Boot-Stahls" erreicht, oder?
Das Problem Kratzer bei Titan ist nicht wirklich anhand der Härte mit Stahl vergleichbar. Kratzer sind ein sehr stark optisches Problem der Wahrnehmung. Dank der anderen Oxidbildung ist Titan da "verzeihender", also Kratzer bei gleicher Abmessung eher weniger auffällig. Eine mechanische Oberflächenverdichtung ist hier auch wirksamer als bei korrosionsbeständigen hoch legierten Edelstählen.
Vielen Dank für Deine Antwort!
Dass Kratzer - erstmal - nur ein lästiges optisches Problem sind, das kann ich mitgehen.

Ich verstehe aber leider nicht ganz, wieso die Tegimentierung (ohnehin nur wenige µ "dick" - jedoch immer noch unendlich viel "dicker", denn die natürliche Oxidbildung von Titan) bei Titan "wirksamer" (Du meinst damit doch "widerstandsfähiger", oder?) sein soll, als bei einer (bleiben wir beim U-Boot-Stahl) schon von Haus aus (wesentlich) härteren Stahllegierung?
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Re: Tegmentierung - Langzeit Erfahrungen ?

Beitrag von Thomas H. Ernst » 04 Mär 2016, 18:43

Makelele hat geschrieben:Ich verstehe aber leider nicht ganz, wieso die Tegimentierung (ohnehin nur wenige µ "dick" - jedoch immer noch unendlich viel "dicker", denn die natürliche Oxidbildung von Titan) bei Titan "wirksamer" (Du meinst damit doch "widerstandsfähiger", oder?) sein soll, als bei einer (bleiben wir beim U-Boot-Stahl) schon von Haus aus (wesentlich) härteren Stahllegierung?
Die ist ja nicht wirksamer/widerstandsfähiger bei Titan. Aber ein Kratzer in Stahl bleibt ein Kratzer, in Titan oxydiert recht schnell und wird matt, fällt also weniger auf.
Grüsse Thomas
Euer Board-Admin

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