Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

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Heinz-Jürgen
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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von Heinz-Jürgen » 14 Okt 2019, 13:16

jeannie hat geschrieben:
14 Okt 2019, 07:42
Heinz-Jürgen hat geschrieben:
14 Okt 2019, 07:32
jeannie hat geschrieben:
14 Okt 2019, 06:58
Ausmerzen der Einzelhändler auch in anderen Branchen:

https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft ... y/26273961

(Speziell der letzte Absatz zeigt, wohin die Reise geht)
Leider nur für Abonnenten...
Sorry, ist nicht so prominent gekennzeichnet.

Quintessenz: Die Importeure entziehen den Werkstätten die Markenrechte mit fadenscheinigen Gründen, diese können keine gültigen Wartungen mehr durchführen. Wenn die Puste aus ist, wird der Betrieb vom Importeur aufgekauft. Dann sind die Bedingungen des Importeurs (Marken, Verkauf, Verkaufslokal) auf ein Mal nicht mehr wichtig.
Danke, Luigi. War aber auch schon anhand der Überschrift klar. Gier hat eben keine Branchengrenzen.
Grüße aus dem Pott

Heinz-Jürgen

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MCG
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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von MCG » 22 Nov 2019, 23:32

Hmmm, vielleicht müsste irgend ein Detailist auch mal klagen! In der Autoindustrie scheint es zumindest Früchte zu tragen …

https://www.srf.ch/play/tv/redirect/de ... 1986e93cff
LG aus Mostindien - Markus

Richard Habring
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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von Richard Habring » 24 Nov 2019, 13:17

MCG hat geschrieben:
22 Nov 2019, 23:32
Hmmm, vielleicht müsste irgend ein Detailist auch mal klagen! In der Autoindustrie scheint es zumindest Früchte zu tragen …

https://www.srf.ch/play/tv/redirect/de ... 1986e93cff
Zitat: "Monopole führen zu schlechteren Leistungen, weniger Innovation und höheren Preisen."

Sollte die WEKO sich der Sache (bei den Autos) wirklich ernsthaft annehmen wird sie entweder zum Schluss kommen, dass
1. die Frage ähnlich irrelevant ist wie bei den Uhren oder
2. man vielleicht etwas vorschnell die Ansicht der Brüsseler Komission geteilt hat
https://www.mll-news.com/weko-sekretari ... -maerkten/

beste Grüße
Richard
"Ich würd' es wieder tun!" Udo Jürgens

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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von Richard Habring » 24 Nov 2019, 14:03

Bevor ich's vergesse, es gibt wieder News vom Schurken-Konzern:

Ich arbeite(te) seit nun knapp 30 Jahren mit einem Spezialisten für Raquetterie-Teile.
Nachdem in der Vergangenheit der Bezug kleinerer Stückzahlen möglich war wurde 2013 verfügt, dass eine Mindestabnahme von 2.000 Einheiten vorausgesetzt wird.
Die Firma hat uns im Folgejahr darüber informiert, dass man überproduziert hatte, die etwas über 1.000 Stück gerne loswerden würde und wir einziger Kunde dafür seien. Vereinbart wurde die Abnahme für 2017. Geliefert wurde nicht. Da wir bei einem Bedarf von <200 Einheite p.a. noch an der Lieferung von 2013 "arbeiten" haben wir das zur Kenntnis genommen aber auch aktiv keine Lieferung eingefordert.
Nun haben wir die ersten 1.000 Stück verbraucht und zwischenzeitlich von dem Laden die Verdoppelung der Preise serviert bekommen.
Eine gute Gelegenheit nach den verbliebenen 1.000 Stück zu fragen.
Die Antwort: Man bietet uns gerne Stückzahlen von 100 bis 1000 Stück an, aber natürlich zu Mondpreisen. Egal welche Stückzahl, die Gesamtsumme ist immer mehr oder minder die Gleiche. Die zuletzt geforderten 2.000 Stück Minimum wurden uns nicht mehr angeboten.
Eine Nachfrage dazu ist seit 2 Monaten unbeantwortet.
Die Nachfrage nach den einst etwa 1.000 Stück Überproduktion wurde abschlägig beantwortet. Diese "seien nicht mehr da".
Wir haben uns erlaubt im Sommer eine Erklärung der Geschäftsführung (u.a. mit 2 Herren H...k besetzt) einzuholen wie man sich denn die Belieferung von Konzernfremden Kunden in Zukunft vorstelle nachdem man u.a. bei der ETA bewiesen hätte, dass man nicht mehr zu den zuverlässigen Lieferanten gehöre. Ihr erratet es: keine Antwort. Ein persönlicher Besuch im Juli wurde - weil zu kurzfristig - abgewehrt.

Jetzt könnte man meinen solche Komponenten müssten doch auch andere machen können? Ja, grundsätzlich schon. Aber es gibt nur einen einzigen weiteren Anbieter der ein ähnliches aber nicht identes System anbietet. Was werden wir also tun? Wir werden dieses bisher bezogene System in Eigenfertigung übernehmen und dabei noch mal etwa CHF30K in Teile und Werkzeuge investieren. Das ist etwa das Doppelte dessen was uns die SG für die Reststücke (ohne Garantie weiterer Belieferung) abnehmen möchte.

Der Vorteil dabei:
Wir fertigen diese Teile dann mit zuverlässigen Spezialisten innnerhalb unseres Netzwerks die dabei auch gutes Geld verdienen. Wir werden das System noch ein wenig weiterentwickeln, wir werden (gemeinsam) die notwendigen Skills weiterentwickeln und damit alle zusammen wieder ein Stück unabhängiger. Die Hersteller kompensieren damit auch Aufträge die sie von der SG nicht mehr bekommen. Give and Take. Gemeinsam sind wir stark.

Der Nachteil dabei: Da die SG nunmehr verstärkt auf Siliziumspirale ohne Raquetterie setzt werden diese Komponenten wahrscheinlich gar nicht mehr hergestellt werden. D.h. im Klartext: die verbundenen Arbeitsplätze werden verloren gehen und damit das Know-How. Viel Glück dabei liebe SG!

beste Grüße
Richard
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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von gatewnrw » 24 Nov 2019, 14:33

Richard,

Dank für den erneuten und vertieften Blick in den Abgrund.

LG Peter
- einen Jux will er sich machen ...

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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von MCG » 24 Nov 2019, 15:30

Schwierig all das Ganze nachzuvollziehen. Wahrscheinlich wurde die SG in den vorangegangenen Jahren so lange über den Tisch gezogen und genötigt Dinge zu tun, die sie nicht wollte (nicht von Dir, Richard - generell gesprochen), dass sie jetzt das Gefühl haben sie müssten das selber nun auch machen.

Schade für alle Beteiligten!

Wäre interessant die andere Site zu hören...
LG aus Mostindien - Markus

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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von Richard Habring » 24 Nov 2019, 16:49

MCG hat geschrieben:
24 Nov 2019, 15:30
Schwierig all das Ganze nachzuvollziehen. Wahrscheinlich wurde die SG in den vorangegangenen Jahren so lange über den Tisch gezogen und genötigt Dinge zu tun, die sie nicht wollte (nicht von Dir, Richard - generell gesprochen), dass sie jetzt das Gefühl haben sie müssten das selber nun auch machen.

Schade für alle Beteiligten!

Wäre interessant die andere Site zu hören...
Die SG hat den Laden erst vor drei/vier Jahren übernommen. Die Firma hatte uns dann sogar angeboten noch mehr Teile (Räder, Brücken etc.) für uns zu machen. Tische waren aber nicht dabei :-)

Ja, ich würde die andere Seite auch gerne hören, allzu gerne nur.......aber wie?
Vielleicht liest ja einer von denen hier mit.......
:whistling:
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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von Richard Habring » 26 Nov 2019, 10:38

Weil gerade so gut passt: ;-)

"Very serious graphic comments and hijacked comics about the life in the tiny watches village, but without taking it too seriously… "
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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von Clockwork » 01 Dez 2019, 14:20

Richard Habring hat geschrieben:
24 Nov 2019, 16:49
Ja, ich würde die andere Seite auch gerne hören, allzu gerne nur.......aber wie?
Vielleicht liest ja einer von denen hier mit.......
:whistling:
Hey, weiß nicht ob man das wirklich immer machen will. So manche Entscheidungen im Geschäftsleben haben meiner Einsicht nach nicht unbedingt was mit einer strategischen Planung oder eines Masterplans an sich zu tun, nicht mal mit Nachdenken, sondern werden einfach oft aus Faulheit / Dummheit / Ignoranz heraus getroffen.

Ich habe letzthin eine Anfrage eines chinesischen Freundes von mir, der für einen Telekommunikationsgiganten (der mit H anfängt) arbeitet und auf der suche nach ganz speziellen Teilen aus Titan war, an einen dt. Zulieferer solcher Teile versucht weiterzuvermitteln. Da hätten wir locker über einen 8-stelligen Jahresumsatz gesprochen, wohlgemerkt für ein mittelständisches Unternehmen. Das einzige Feedback das ich von dem Vertriebler des Zulieferer erhalten habe war, dass man auf meine Nachricht wegen der fehlenden Signatur nicht eingehen kann. :shock: :(

Was könnte hinter einer solchen Entscheidung des Vertrieblers (so zu reagieren) stecken?
Firmenanweisung - keine Angebote oder keine Nachrichten an Emails ohne Signatur (und evtl. hat er sich schon mal nen Anschiss dafür geholt weil er es doch machte)?
Der Vertriebler wusste schon von dem Bedarf bzw. hatte schon einen anderweitigen Kontakt - wollte mich einfach abwimmeln?
Er hat mit seinem Job / seiner Firma abgeschlossen und es ist ihm egal - einfache Arbeitsvermeidung?
Oder doch einfach nur schlichte Dummheit / Ignoranz.

Irgendwie fehlt mir der Glaube daran, dass er diese Entscheidung mit seinem Vertriebsleiter / Vorgesetzten / Chef in einem Meeting besprochen hat und das man sich dann nach Abwägung aller Optionen auf so eine Antwort geeinigt hat....


Grüße
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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von gatewnrw » 01 Dez 2019, 15:18

unglaublich!

Auch hier: Weit von der wirklichen und realen Welt entfernt:

Man weiß, in russischen Firmen sitzt immer jemand, der die Verbindung zu besonderen Genossenschaften hält und sonst nichts tut.

Derjenige wird von innerrussischen Quellen auch klar so benannt in einer Auskunft,

Urteil der deutschen GL und der Juristerei: mit solchen Leuten kann man keine Geschäfte machen.

LG Peter

der russische Laden war und ist übrigens im Umweltschutz tätig, ein wahrer Saubermann
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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von MCG » 01 Dez 2019, 17:46

Ich habe letzthin eine Anfrage eines chinesischen Freundes von mir, der für einen Telekommunikationsgiganten (der mit H anfängt) arbeitet und auf der suche nach ganz speziellen Teilen aus Titan war…
Die chinesische Firma H scheint zZ schlecht weg zu kommen - anscheinend nicht nur in den US... 🤷🏼‍♂️
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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von Clockwork » 01 Dez 2019, 19:21

Hallo,

naja, das muss dann jeder selber wissen. Das mit meiner Anfrage ist schon ein paar Monate her, weiß nicht ob das sogar vor der Geschichte mit den USA war. Außerdem hatte ich denen nicht genau gesagt um wen es geht. Und selbst wenn, eigentlich sollte man in so einem Fall zumindest nachfragen um was es im Detail geht.

Das ist auch nicht das erste oder einzige mal, wo mir "als Einkäufer" (was ich beruflich eigentlich immer nur nebenbei mit bin) so etwas in der Art vorgekommen ist.

Grüße
"It was a lousy watch to have on the surface..." (Buzz Aldrin)

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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von Richard Habring » 10 Dez 2019, 10:57

Was vor etwa 25 Jahren in unserem schönen Kakanien als ausgezeichnetes Konzept ( https://www.swatchgroup.com/sites/defau ... awardd.pdf ) seinen Ausgang nahm schwappt nun mit voller Wucht über den großen Teich:
https://www.watchpro.com/independent-se ... ive-years/

Schätzungen der Berufsverbände gehen davon aus, dass diese Entwicklung in den USA einer vierstelligen Zahl an freien Uhrmachern wohl den Garaus machen wird.
Auch wenn die Industrie gleichzeitig Stellen schaffen wird, werden wohl jene der Altersgruppe 50+ (ich spreche hier jetzt mal für diese meine Altersgruppe) unter die Räder kommen. Ein lieber, langjähriger Kollege sagte mal zu mir: "Was soll ich denn machen? Mich jetzt bei Omega bewerben und die verbliebenen freien Uhrmacher mit Markenpolitik triezen? Dann kann ich mich ja morgens gar nicht mehr im Spiegel sehen!" (das ist ein wahres Zitat, ich hab' das nicht gesagt!)
MCG hat geschrieben:
09 Dez 2019, 23:44
…….
Bin gespannt wie es grundsätzlich in der Uhrenindustrie weiter geht. Irgendwie glaube ich, dass es in naher Zukunft noch grössere Umbrüche geben könnte. Ist nur ein Gefühl, wir werden sehen…
…...
Mittendrin statt nur dabei, Markus!

Die Geschichte von der goldenen Gans hätte aber was, wenn's nicht so traurig wär...

Gruß
Richard
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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von Albert H. Potter » 10 Dez 2019, 13:09

Ich sehe das Problem als nicht so schlimm für die Uhrmacher. Die kommen mit ihren Qualifikationen ganz schnell branchenfremd unter. Meistens sogar mit mehr Gehalt und weniger Streß. Wenn ein Uhrmacher in der Branche bleiben will, kann er sich ja in einem Bereich spezialisieren der jenseites des Einflusses der Konzerne liegt. Zum Reparieren gibt es immer was.
Als die Uhrenkrise der 1970er Jahre die Anbieterseite bereinigte, kamen die Uhrmacher auch unter und nur wenige wollten zurück als der Uhrenboom aufkam.

Es ist eine eher organisatorische Frage, wie man mit weniger Fachleuten die Arbeit bewältigt.
In der Uhrenproduktion gibt es einen hohen Anteil an angelernten Kräften.
Die müssen wenige Handgriffe perfekt beherrschen.
Beaufsichtigt werden die von Fachleuten (Uhrmachern und Produktionsingenieuren), die den Überblick über die Abläufe haben.

Im SAV-Bereich ist es anders. Dort benötigt man Fachleute, die Fehler analysieren und Schäden erkennen. Das ist verhältnismäßig teuer.
In Zeiten hoher Nachfrage werden diese Fachleute gegebenenfalls sogar in die Produktion abgezogen, was die Servicezeiten verlängert.

Wenn man den Service aber so organisieren möchte, wie die Produktion, dann benötigt man Vereinheitlichung.
Reduktion auf bestimmte Basiswerke, genereller Austausch bestimmter Bauteile / Baugruppen ohne Rücksicht auf deren Zustand.
Eventuell ein System mit Austauschwerken einführen.
Wenn man das konsequent umsetzt, kann man eine Revision mit einem großen Anteil angelernter Kräfte erledigen.
Eine solche Vorgehensweise benötigt viele gleiche Uhren in der Reparatur. Der SAV kann das auch dadurch erreichen, daß alle Reparaturen im SAV landen und nicht mehr bei Juwelieren und freien Uhrmachern erledigt werden (z.B. mangels Ersatzteillieferungen).

Für den Kunden bedeutet das kürzere Servicezeiten und eine gleichmäßigere Qualität der Service-Leistung.

Die mangelnde Vielfalt bei den Antrieben kann man durch unterschiedliche Modulaufbauten und unterschiedliche Gestaltungen von Automatik-Schwungmassen kaschieren. Oder auch in einem markenübergreifenden SAV durch markenspezifische Werkgestaltung der gleichen technischen Plattform (zB Unitas mit normalen Platinen, Platinen in Glashütter Manier, im Stil Omega, im Stil Panerai, im Stil Kaliber Jones... für die Reparatur macht das keinen Unterschied).

haspe1
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Re: Der Freien Not oder Wie repressiv behandeln die Konzerne Kleinhersteller/Uhrmacher/Juweliere

Beitrag von haspe1 » 11 Dez 2019, 08:12

Albert H. Potter hat geschrieben:
10 Dez 2019, 13:09
...
Für mich als nicht in der Uhrenbranche tätigen ein aufschlussreicher Beitrag von Dir, der mir neue Aspekte zeigt. Auch wenn ich diese Entwicklung gefühlsmäßig nicht so gut finde. Ich mag an der Uhrenbranche die freien Uhrmacher, die sich mit vielen Werken/Problemen etc. auskennen. So viel wie möglich mit angelernten 5-Handgriffe-Personen zu erledigen, die nur ein paar Komponenten herausnehmen und neue einbauen, ist mir zu prosaisch.

Jetzt müsste ich nur noch wissen, was genau der SAV-Bereich ist, da wurde ich mit meiner Kurz-Recherche nicht fündig.

Hannes

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