Silizium

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r.as.
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Silizium

Beitrag von r.as. » 20 Okt 2018, 15:08

Wie steht es eigentlich um die Entwicklung/den Einsatz von Silizium in Uhrwerken? Nachdem vor gefühlten 10 Jahren fast jeder namhafte Hersteller diese Technologie als Heilsbringer beschwor scheint sich mittlerweile Ernüchterung eingeschlichen zu haben. Oder sehe ich das falsch?

Mir ist lediglich bekannt, dass PP dieses Material in Serie bei einzelnen Produktlinien einsetzt. Rolex dagegen scheint sich abgewandt zu haben: siehe 32.. Kaliber.
Omega wiederum setzt auf die materialtchnisch konventionelle Coaxialhemmung.

Sind womöglich die Vorteile der Siliziumtechnologie mehr theoretischer Natur und im täglichen Einsatz wenig relevant?
Und ist diese Technologie denn zwischenzeitlich überhaupt grossserientauglich geworden und kostenmässig konkurrenzfähig?

Einige Fragen mit der Bitte um Erhellung,
Rolf

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MCG
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Re: Silizium

Beitrag von MCG » 20 Okt 2018, 17:12

Ne, das siehst Du nicht richtig...
Viele neue Werke setzen auf Silizium. Selbst in günstigsten Werken wie dem ETA2824 - alias Power80 wird Silizium verwendet.
Gelegentlich gibt es auch abgeänderte Namen mit weiteren Metallen darin...
Bis zum Jahr 2020 gelten noch die Patentrechte darauf (Ulysse Nardin, Rolex, Swatch, Patek), dann wird es in der vollen Breite eingesetzt werden...
LG aus Mostindien - Markus

r.as.
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Re: Silizium

Beitrag von r.as. » 20 Okt 2018, 17:22

Danke!

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mhanke
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Re: Silizium

Beitrag von mhanke » 21 Okt 2018, 12:59

Man muss da ein wenig unterscheiden zwischen einer Unruhspirale aus Silizium und anderen Hemmungsteilen. Letztere sind schon so oft aus Silizium ausgeführt, dass das zuweilen gar nicht mehr speziell beworben wird. Ein Ankerrad aus Silizium ist schlicht und ergreifend state of the art bei hochwertigen Werken.

Die Spirale aus Silizium ist schon eine Etage drüber und benötigt einiges an Kompetenz und Erfahrung. Deshalb ist auch der Schutz durch Patente stark und nur wenige Zulieferer bieten sie auf dem offenen Markt an.

Marcus
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Paulchen
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Re: Silizium

Beitrag von Paulchen » 21 Okt 2018, 13:21

mhanke hat geschrieben:
21 Okt 2018, 12:59
Deshalb ist auch der Schutz durch Patente stark und nur wenige Zulieferer bieten sie auf dem offenen Markt an.
Marcus
Damasko auch eine patentierte Silizium-Spirale.

Angefangen bei nanotechnologischen Beschichtungen für
eine schmierstofffreie Hemmung bis hin zu unserer patentierten Spirale aus polykristallinem Silizium.


Aus dem Katalog, Webseite geht z. Zt. nicht.

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mhanke
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Re: Silizium

Beitrag von mhanke » 21 Okt 2018, 13:35

Guckst Du hier, ziemlich weit unten, über Siliziumspiralen:

https://www.watchtime.net/uhren-wissen/spiralfedern/

Marcus
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Paulchen
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Re: Silizium

Beitrag von Paulchen » 21 Okt 2018, 14:27

Danke Marcus, werde mal in Ruhe lesen.

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kochsmichel
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Re: Silizium

Beitrag von kochsmichel » 22 Okt 2018, 08:22

Light side of the mood!

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walter
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Re: Silizium

Beitrag von walter » 22 Okt 2018, 09:07

kochsmichel hat geschrieben:
22 Okt 2018, 08:22
Siehe auch: http://watchesbysjx.com/2018/08/swatch- ... alloy.html
Wobei die SG da ja am wenigsten Handlungsdruck hat, siehe Artikel, den Marcus verlinkt hat... :whistling:
Walter

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tourbillon69
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Re: Silizium

Beitrag von tourbillon69 » 23 Okt 2018, 13:22

Wir machen seit einiger Zeit das treibende Rad unseres Foudroyante aus Silizium.
Das Material bietet sich wegen dem geringen Gewicht nebst großer Härte und praktisch polierter Oberfläche an den Zähnen dafür förmlich an.
Das Rad ist aber nur verwendbar wenn der Hersteller dieses mit Kohlenstoff (Diamant) beschichtet sonst ist es zu brüchig.
Das Patent für ebendiese Beschichtung hält aber die dunkle Seite der Macht (SG) und so muss unser Teilelieferant für jeden Teil eigens nachfragen ob die SG dies herstellen (beschichten) lässt oder nicht.

Unsere Anfrage nach Spiralen (als wir auf der Suche waren) wurde schon vor geraumer Zeit abgelehnt.
Unserer Einschätzung nach wird sich die Verwendung von Siliziumspiralen in Zukunft jedoch rächen, und zwar mittels (gewollter) Unreparierbarkeit des Schwingsystems ab einer gewissen Zeitspanne. Während wir unsere Carl-Hass-Spiralen in kleinen Stückzahlen wunderbar (von Hand) an unsere eigens (in A) produzierten Unruhreifen anpassen können (ohne dazu mit Hilfe von Subventionen gekaufte sauteure Apparaturen zu benötigen) stelle ich mir das mit Siliziumspiralen extrem aufwendig und problematisch vor.

Für mich unterm Strich eine Übergangstechnologie die wieder verschwinden wird da auch geplante Obsoleszenz seitens der Industrie.

beste Grüße
Richard

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lottemann
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Re: Silizium

Beitrag von lottemann » 23 Okt 2018, 14:12

tourbillon69 hat geschrieben:
23 Okt 2018, 13:22
...
Unserer Einschätzung nach wird sich die Verwendung von Siliziumspiralen in Zukunft jedoch rächen, und zwar mittels (gewollter) Unreparierbarkeit des Schwingsystems ab einer gewissen Zeitspanne. Während wir unsere Carl-Hass-Spiralen in kleinen Stückzahlen wunderbar (von Hand) an unsere eigens (in A) produzierten Unruhreifen anpassen können (ohne dazu mit Hilfe von Subventionen gekaufte sauteure Apparaturen zu benötigen) stelle ich mir das mit Siliziumspiralen extrem aufwendig und problematisch vor.

Für mich unterm Strich eine Übergangstechnologie die wieder verschwinden wird da auch geplante Obsoleszenz seitens der Industrie.

beste Grüße
Richard
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Heinz-Jürgen
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Re: Silizium

Beitrag von Heinz-Jürgen » 24 Okt 2018, 13:29

lottemann hat geschrieben:
23 Okt 2018, 14:12
tourbillon69 hat geschrieben:
23 Okt 2018, 13:22
...
Unserer Einschätzung nach wird sich die Verwendung von Siliziumspiralen in Zukunft jedoch rächen, und zwar mittels (gewollter) Unreparierbarkeit des Schwingsystems ab einer gewissen Zeitspanne. Während wir unsere Carl-Hass-Spiralen in kleinen Stückzahlen wunderbar (von Hand) an unsere eigens (in A) produzierten Unruhreifen anpassen können (ohne dazu mit Hilfe von Subventionen gekaufte sauteure Apparaturen zu benötigen) stelle ich mir das mit Siliziumspiralen extrem aufwendig und problematisch vor.

Für mich unterm Strich eine Übergangstechnologie die wieder verschwinden wird da auch geplante Obsoleszenz seitens der Industrie.

beste Grüße
Richard
:thumbsup: :yahoo:
Kann man „gewisse Zeit“ denn schon definieren? In dem Artikel steht, dass PP die ersten Uhren mit Siliziumspiralen 2008 produziert hat. Hat es da schon „geplante Austausche“ gegeben?
Grüße aus dem Pott

Heinz-Jürgen

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Red hot chili
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Re: Silizium

Beitrag von Red hot chili » 25 Okt 2018, 21:45

tourbillon69 hat geschrieben:
23 Okt 2018, 13:22
Wir machen seit einiger Zeit das treibende Rad unseres Foudroyante aus Silizium.
Das Material bietet sich wegen dem geringen Gewicht nebst großer Härte und praktisch polierter Oberfläche an den Zähnen dafür förmlich an.
Das Rad ist aber nur verwendbar wenn der Hersteller dieses mit Kohlenstoff (Diamant) beschichtet sonst ist es zu brüchig.
Das Patent für ebendiese Beschichtung hält aber die dunkle Seite der Macht (SG) und so muss unser Teilelieferant für jeden Teil eigens nachfragen ob die SG dies herstellen (beschichten) lässt oder nicht.

Unsere Anfrage nach Spiralen (als wir auf der Suche waren) wurde schon vor geraumer Zeit abgelehnt.
Unserer Einschätzung nach wird sich die Verwendung von Siliziumspiralen in Zukunft jedoch rächen, und zwar mittels (gewollter) Unreparierbarkeit des Schwingsystems ab einer gewissen Zeitspanne. Während wir unsere Carl-Hass-Spiralen in kleinen Stückzahlen wunderbar (von Hand) an unsere eigens (in A) produzierten Unruhreifen anpassen können (ohne dazu mit Hilfe von Subventionen gekaufte sauteure Apparaturen zu benötigen) stelle ich mir das mit Siliziumspiralen extrem aufwendig und problematisch vor.

Für mich unterm Strich eine Übergangstechnologie die wieder verschwinden wird da auch geplante Obsoleszenz seitens der Industrie.

beste Grüße
Richard
Sorry, aber das genaue Gegenteil wird der Fall sein.
Jene Technologie wird sich zunehmend immer schneller immer weiter verbreiten.
Denn im Grunde genommen ist jener Herstellungsprozess wirklich simpel, wenn man ihn erst einmal hinreichend beherrscht.

Es ist vielmehr sogar anzunehmen, dass jene Technologie derart voranschreiten wird, das immer mehr kleine Hersteller sich derartige Hemmungsteile werden selber herstellen können.

Es wird also das genaue Gegenteil von dem geschehen was Du hier prognostizierst.

Sich gegen den Fortschritt zu sträuben, macht in etwa genau so viel Sinn wie sich der Evolution widersetzen zu wollen, nämlich gar keinen.
Und dennoch versuchen es einige immer wieder......

Das ist in etwa wie mit der einst ja "ach so bösen Ceramic" für Uhrengehäuse (und Bänder :P 8) ), welche sich mittlerweile wohl etabliert haben dürfte (…..wenn selbst THE schon solch eine Uhr trägt....;-) ).

Man kann natürlich alles Neue schlechtreden, zumal dann, wenn man selber nicht über die nötige Technologie und das nötige Know-how verfügt, oder aber sich da dran machen dieses zu erwerben, was ich persönlich für wesentlich schlauer halte.

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Heinz-Jürgen
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Re: Silizium

Beitrag von Heinz-Jürgen » 26 Okt 2018, 05:42

Ich mache das ja recht ungern, aber ich verlinke mal einen Faden im UF von vor gut sieben Jahren, weil er in diesem Zusammenhang doch sehr interessant ist. Insbesondere was die Prognosen von damals, aber auch die Sichtweise eines Uhrmachermeisters (HansM) und sein „Gespräch“ mit dem User „Marfil“ angeht. Viel weiter ist man im Diskussionsstand heute, denke ich, nicht, bei der Technik sicherlich schon:

https://uhrforum.de/threads/silizium-i ... tur.76218/

Einiges Geplänkel am Anfang und zwischendurch. Wie bei uns: einfach überlesen... :mrgreen:
Grüße aus dem Pott

Heinz-Jürgen

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Heinrich
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Re: Silizium

Beitrag von Heinrich » 28 Okt 2018, 19:07

Red hot chili hat geschrieben:
25 Okt 2018, 21:45
Man kann natürlich alles Neue schlechtreden, zumal dann, wenn man selber nicht über die nötige Technologie und das nötige Know-how verfügt, oder aber sich da dran machen dieses zu erwerben, was ich persönlich für wesentlich schlauer halte.

Also als selbstständiger Uhrmacher würde ich gar nicht erst versuchen, es den Großen der Branche gleich zu tun und den gesamten Fertigungsprozess auf die neuesten Technologien umzustellen. Gerade in diesem Marktsegment erwarten die Kunden doch in der Regel, dass eher traditionelle Fertigungsmethoden wenigsten noch ein wenig durchblitzen.

Viele Grüße aus dem Rheinland,
Heinrich

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