Klinkenaufzug

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indiana
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Re: Klinkenaufzug

Beitrag von indiana » 04 Dez 2019, 07:36

:thumbsup: :lol: Toll geschrieben. Weiter so.

Richard Habring
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Re: Klinkenaufzug

Beitrag von Richard Habring » 04 Dez 2019, 12:08

r.as. hat geschrieben:
03 Dez 2019, 11:35
Vielen Dank für den link!

Ja, Deiner Frage schliesse ich mich gerne an: warum ist der Klinkenaufzug nicht verbreiterter? Zu komplex/zu teuer/weniger robust/mehr Verschleiss... oder evt. andere Gründe?

Der Grund meiner Frage: VC hat in seiner Dreizeiger-fifty six ein Automatkwerk mit Klinkenaufzug verbaut.
Der Klinkenaufzug hat auch Nachteile.
Aus der Erfahrung mit IWC 85ern (81 bis 854x) wissen wir, dass die Klinken (ursprünglich aus Kupfer-Beryllium), genauer deren Spitzen langfristig zu Verschleiß neigen. Deswegen wahrscheinlich auch der zwischenzeitige Wechsel auf Keramik-Klinken was den Verschleiß (vermutlich) auf das Rad legt.
Damit erkauft man sich aber den Vorteil des "schnellen" Aufzugs, d.h. es sind weniger Rotorumdrehungen zum Vollaufzug notwendig als bei anderen Konstruktionen. Bei der Konstruktion des 5000er Kalibers meinte man diese Aufzugsgeschwindigkeit noch weiter erhöhen zu müssen. Das führte bei den ersten Serien zu völlig zerbröselten Lagersteinen des Automatik-Klinkenrads wie ich anhand einiger auf meinem Tisch gelandeten Exemplaren feststellen konnte. Dieser Umstand gepaart mit den Langzeit-Reglage-Eigenschaften führte zu meiner Aversion gegen dieses Kaliber.
Auch weiß man in SH ob der Wichtigkeit der Auslegung der Klinken. So verfügen die "besseren" Konstruktionen über sog. "Zug-Klinken" während die Erfahrung mit "Stoß-Klinken" eher negativ war. Während sich dies beim kleinen, schwachen Cal. 44 noch einigermaßen beherrschen ließ war es u.a. einer der Gründe warum das Kaliber 1000 (der einst geplante Nachfolger des 854x) nie in Serie ging.
Die von Seiko und dem erwähnten Kaliber von Valfleurier verwendete Konstruktion findet sich u.a. auch im Memovox 916 von La-Coultre. Dort sind gebrochene Klinkenarme (Überlastung der Federarme) in der Praxis durchaus bekannt.
Zu letzterer Konstruktion wäre noch anzumerken, dass sie relativ kompakt baut und aufgrund reduzierter Teilezahl relativ kostengünstig realisierbar ist.
Da die Uhrenindustrie momentan gerne bei den Werken spart könnte dies ein Grund für wieder wachsende Popularität des Klinkenaufzugs sein.
Ich persönlich würde heute nach Abwägung der Vor- und Nachteile den teureren Räderaufzug vorziehen.
beste Grüße
Richard
"Ich würd' es wieder tun!" Udo Jürgens

r.as.
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Re: Klinkenaufzug

Beitrag von r.as. » 04 Dez 2019, 14:43

Danke Richard!

Das Problem ist mein, aus gesundheitlichen Gründen, eher ruhiges Bewegungsmuster; so musste ich das 3130 der Sub sowie das 3150 von AP ca. zwei bis drei Mal pro Woche aufziehen (bei nächtlicher Ablage), um einen zuverlässigen Gang aufrecht zu erhalten.

Jetzt ist mir das 'Klinkenrad'kaliber von VC/Cartier aufgefallen mit der Hoffnung, hinsichtlich der Aufzugsleistung bei ruhigeren Bewegungen stabilere Verhältnisse erzielen zu können.
Allerdings scheue ich mich, mir Verschleissprobleme ins Haus zu holen.

Mir ist klar, dass ich es letztlich selbst ausprobieren muss, möchte jedoch vorher zumindest theoretisch abklären, was ich mir damit einhandel.

Und nein, eine Quarzuhr soll es nicht werden...

Rolf

Richard Habring
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Re: Klinkenaufzug

Beitrag von Richard Habring » 04 Dez 2019, 19:53

Gerne Rolf!
Hast Du schon mal ein ganz normales IWC 852/853/854 probiert?
Der Verschleiß an den Klinken ist bei diesen - aus langjähriger Erfahrung - mit regelmäßigem Service gut beizukommen.
Bei neueren Konstruktionen ist das schwer zu beurteilen.
beste Grüße
Richard
"Ich würd' es wieder tun!" Udo Jürgens

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Re: Klinkenaufzug

Beitrag von r.as. » 04 Dez 2019, 20:42

Vielen Dank für den Hinweis, Richard!

Nein, das 85xx habe ich noch nicht ausprobiert - ich werde mich auf die Suche machen und sehen, ob mir ein akzeptables Exemplar über den Weg läuft. Es wird ja einiges von den Auktionshäusern angeboten aber auch dort muss man ja sehr genau hinsehen. Und die IWC wird ja wohl noch Teile haben.

Rolf

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Re: Klinkenaufzug

Beitrag von 3fe » 04 Dez 2019, 20:50

Albert H. Potter hat geschrieben:
03 Dez 2019, 15:28
Der "Klinkenaufzug" ist verbreitet, ...
Verschwurbelte Grüße
Peter

:rofl: :rofl:

Grandios !!!
Beste Grüsse
Jörg


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Re: Klinkenaufzug

Beitrag von cool runnings » 04 Dez 2019, 21:49

3fe hat geschrieben:
04 Dez 2019, 20:50
Albert H. Potter hat geschrieben:
03 Dez 2019, 15:28
Der "Klinkenaufzug" ist verbreitet, ...
Verschwurbelte Grüße
Peter

:rofl: :rofl:

Grandios !!!


Aber sowas von. 8)
Danke, Peter. :thumbsup:

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Re: Klinkenaufzug

Beitrag von MCG » 04 Dez 2019, 23:00

Richard Habring hat geschrieben:
04 Dez 2019, 12:08

Der Klinkenaufzug hat auch Nachteile.
Aus der Erfahrung mit IWC 85ern (81 bis 854x) wissen wir, dass die Klinken (ursprünglich aus Kupfer-Beryllium), genauer deren Spitzen langfristig zu Verschleiß neigen. Deswegen wahrscheinlich auch der zwischenzeitige Wechsel auf Keramik-Klinken was den Verschleiß (vermutlich) auf das Rad legt.
Damit erkauft man sich aber den Vorteil des "schnellen" Aufzugs, d.h. es sind weniger Rotorumdrehungen zum Vollaufzug notwendig als bei anderen Konstruktionen. Bei der Konstruktion des 5000er Kalibers meinte man diese Aufzugsgeschwindigkeit noch weiter erhöhen zu müssen. Das führte bei den ersten Serien zu völlig zerbröselten Lagersteinen des Automatik-Klinkenrads wie ich anhand einiger auf meinem Tisch gelandeten Exemplaren feststellen konnte. Dieser Umstand gepaart mit den Langzeit-Reglage-Eigenschaften führte zu meiner Aversion gegen dieses Kaliber.
Auch weiß man in SH ob der Wichtigkeit der Auslegung der Klinken. So verfügen die "besseren" Konstruktionen über sog. "Zug-Klinken" während die Erfahrung mit "Stoß-Klinken" eher negativ war. Während sich dies beim kleinen, schwachen Cal. 44 noch einigermaßen beherrschen ließ war es u.a. einer der Gründe warum das Kaliber 1000 (der einst geplante Nachfolger des 854x) nie in Serie ging.
Die von Seiko und dem erwähnten Kaliber von Valfleurier verwendete Konstruktion findet sich u.a. auch im Memovox 916 von La-Coultre. Dort sind gebrochene Klinkenarme (Überlastung der Federarme) in der Praxis durchaus bekannt.
Zu letzterer Konstruktion wäre noch anzumerken, dass sie relativ kompakt baut und aufgrund reduzierter Teilezahl relativ kostengünstig realisierbar ist.
Da die Uhrenindustrie momentan gerne bei den Werken spart könnte dies ein Grund für wieder wachsende Popularität des Klinkenaufzugs sein.
Ich persönlich würde heute nach Abwägung der Vor- und Nachteile den teureren Räderaufzug vorziehen.
beste Grüße
Richard
Danke für die Insights Richard! 👍🏻👌🏻
LG aus Mostindien - Markus

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Re: Klinkenaufzug

Beitrag von mike_votec » 05 Dez 2019, 05:50

Großartig, Peter! :rofl:
Grüße,

Michael

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ChronoCop
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Re: Klinkenaufzug

Beitrag von ChronoCop » 05 Dez 2019, 10:22

cool runnings hat geschrieben:
04 Dez 2019, 21:49
3fe hat geschrieben:
04 Dez 2019, 20:50
Albert H. Potter hat geschrieben:
03 Dez 2019, 15:28
Der "Klinkenaufzug" ist verbreitet, ...
Verschwurbelte Grüße
Peter

:rofl: :rofl:

Grandios !!!


Aber sowas von. 8)
Danke, Peter. :thumbsup:
Oh ja, danke innig!
Brane

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Re: Klinkenaufzug

Beitrag von jeannie » 07 Dez 2019, 11:31

Albert H. Potter hat geschrieben:
03 Dez 2019, 15:28

--8<--

Egal was du genommen hast: es war die richtige Dosis. :rofl:

Danke.
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Re: Klinkenaufzug

Beitrag von kapuzineraeffchen » 19 Dez 2019, 22:19

Albert H. Potter hat geschrieben:
03 Dez 2019, 15:28
Bei nächsten Mal erzähle ich vielleicht, wie eine Datejust in den Schatz der Nibelungen geraten konnte, warum Sinn Uhren in Drachenblut gebadet wurden, warum die frühen Reverso-Uhren beim Polospielen doch kaputt gingen oder andere Schwurbeleien.
Ich will das alles jetzt wirklich wissen!
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