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Re: Großuhr: was hab' ich mir da eingetreten?

Verfasst: 12 Jul 2020, 21:02
von Ralf
Akut kann ich es irgendwie schon verstehen. Ich musste diese Woche einen Haushalt auflösen. Es ist einfach die Hölle und man hat den Termin im Nacken, an dem die Wohnung renoviert übergeben werden muss. Nach einer Woche sortieren, wegfahren, einpacken, 'rum telefonieren, verhandeln, Beerdigungsvorbereitungen, Geldangelegenheiten regeln, Verträge kündigen, Unterlagen suchen, und das, wenn man gerade eine nahe Angehörige verloren hat, ist es einem irgendwann einfach egal, ist nur Geld und man will es nur noch hinter einem haben. Da sind 50 Handtaschen im Schrank ungelogen, und die meisten davon sind einfach "durch", komplett verschlissen. Jetzt finde mal da dazwischen die eine Designerhandtasche vom Metropolitan Museum. Wenn ich sie nicht selber im Museum gesehen hätte ... Das Profi-Stromleistensystem, Lampen mit ein paar Handgriffen umhängen, dahin, wo man sie braucht, ERCO, richtig teuer und wird seit 50 Jahren unverändert hergestellt, will noch nicht mal jemand umsonst abholen. Landhaus Ohrensessel, 1910 bis 1930, mit Fussteil, Holz, Bezug und Polsterung sehr guter Zustand, nur die Lackierung ist abgegriffen: "Ja, umsonst nehmen wir den mit, aber Geld, nein, der Transport kostet ja auch schon ...". Hab ihn dann für symbolische 20 Euro einer jungen Pflegerin, die noch in Ausbildung ist und die Verstorbene mit betreut hat, gegeben. Teure System-Büroschränke mit Sekretär, modernes, neutrales Schleiflack Weiß Design, Schlafzimmer komplett, massive Schreinerarbeit, null Chance, wird jetzt für 700 Euro bezahlen, nicht bekommen(!!!) vom Verein zur Wiedereingliederung von Arbeitslosen abgeholt.

Re: Großuhr: was hab' ich mir da eingetreten?

Verfasst: 12 Jul 2020, 21:09
von Hertie
Wenn wir wüssten, was alles weggeworfen wird. :roll: Ein Kollege hat unlängst zufällig einige Behältnisse mit Auszeichungen und Orden aus der Habsburgerzeit aus dem Müll in seiner Hausanlage gefischt.
Da niemand Ahnung davon hatte, brachte er sie einem befreundeten Antikhändler, welcher ihm spontan 500 Euro dafür zahlte. Da kann man davon ausgehen, dass die Dingens wesentlich mehr wert sind. :mrgreen: Ein Großteil der Menschen hat von "Werten" überhaupt keine Ahnung, man muss sich nur mal mit einigen Goldankäufern unterhalten.

Eine wunderbare und äusserst dekorative Uhr hast du dir geangelt. Herzliche Gratulation Oskar :!: :thumbsup:

Re: Großuhr: was hab' ich mir da eingetreten?

Verfasst: 12 Jul 2020, 22:03
von O.E.
Das mit "aus dem Sperrmüll gerettet" war so eine Floskel, ich habe die Uhr aus dem Nachlass einer Tante, sie hat mich damit bedacht, weil sie wusste, dass ich mich mit Uhren beschäftige.

Sonst hätte sich wahrscheinlich aus der Verwandtschaft niemand dafür gefunden und das gute Stück wäre mit Sicherheit für ein paar Taler beim erstbesten Altwarenhändler gelandet.

Re: Großuhr: was hab' ich mir da eingetreten?

Verfasst: 13 Jul 2020, 08:25
von hermann
Hallo

Ich wage gar nicht den Wert dieser Uhr zu beziffern. Wenn das ein echter ewiger Kalender ist (sieht so aus), ich habe in meinem Uhrmacherleben erst Eine davon am Tisch gehabt, dann hast du wirklich ein sehr seltenes Stück. Das Kompensationspendel bestärkt den Eindruck der Qualität.
Ich würde die Uhr unbedingt mal schätzen lassen, schon wegen der Versicherung.

Gruß hermann

Re: Großuhr: was hab' ich mir da eingetreten?

Verfasst: 14 Jul 2020, 18:30
von mhanke
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Re: Großuhr: was hab' ich mir da eingetreten?

Verfasst: 15 Jul 2020, 01:20
von RaSta
Hallo Oskar,

von den Anzeigen her scheint es sich um einen ewigen Kalender zu handeln, zumal ich keine Dücker, etc. erkennen kann, die es erlauben würden, die Anzeigen im unteren Teil der Uhr einzeln zu verstellen oder diese am Monatsanfang schnell und einfach zu korrigieren. Nach Google und der Seite timeanddate.de soll 2023 der gerade angezeigte 5. Januar wieder auf einen Donnerstag fallen. Und dieses Datum passt dann auch noch zur Schaltjahresanzeige, denn 2024 ist das nächste Schaltjahr. Nur die Mondpase passt dann nicht. Aber mit etwas Suche sollte man herausfinden, wann sie stehen geblieben ist.

Vielleicht kann Dir der Inhaber des Hotels Bergblick in Grän (Tannheimer Tal) weiterhelfen. Er soll aus Deutschland (Kölner Raum) stammen. Das ganze Hotel ist mehr oder weniger voll mit Vitrinen solcher Uhren, wie Du sie hier zeigst. Ich habe mal exemplarisch ein paar Bilder aus der Lobby und dem Billardraum eingestellt. Eigentlich das U(h)rlaubsziel schlechthin, und für Freunde solcher Großticker ideal bei Schlechtwetter :rofl: . Wollt ich eh mal vorstellen. Bestimmt würden die Mitarbeiter Deine Bilder an ihn weiterleiten oder einen Kontakt herstellen. Momentan bauen sie aber gerade um.

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Essen war auch lecker.

Gruß
RaSta

Re: Großuhr: was hab' ich mir da eingetreten?

Verfasst: 15 Jul 2020, 08:03
von Johannes Fend
Ralf hat geschrieben:
12 Jul 2020, 21:02
... Schlafzimmer komplett, massive Schreinerarbeit, null Chance, wird jetzt für 700 Euro bezahlen, nicht bekommen(!!!) vom Verein zur Wiedereingliederung von Arbeitslosen abgeholt.
Wir hatten letztes Jahr auch mal Kontakt mit einem gerichtlich beeideten Bausachverständigen zwecks Schätzung eines Wohnhauses. Das einzige, was in einem sog. Verkehrswertgutachten innerhalb der Räume noch mitgeschätzt wird, sind die Fußböden (also ob einfaches PVC oder Parkettboden, das zählt schon noch dazu). Darüber hinaus wird sämtliches Inventar üblicherweise nicht mitgeschätzt - ob da eine Ikea-Küche oder eine Tischlerküche mit Marmor-Arbeitsplatten und/oder Einbaugeräten á € 2.000,- drin ist, ist für diese Art der Gebäudeschätzung somit völlig irrelevant. Was nützt dem künftigen Käufer eine sündteure Küche, wenn sie ihm optisch nicht gefällt und er sie ohnehin nach Übernahme ersetzen will? Auf Grund dieser Möglichkeit klammert man hierbei solche Fragen des persönlichen Geschmacks generell aus. Klingt wenn man's das erste Mal hört zwar verrückt, aber mit dieser Realität muss man in diesem Bereich wohl leben.

Wer einen Geschäftspartner vom Fach findet, der ihm irgendwelche namhaften beweglichen Möbel (Vitra, USM udgl.) übernimmt, hat da noch Glück gehabt - aber die Leute, die in Kleinanzeigen noch versuchen, gebrauchte Einbauküchen, Fenster, Türen usw. zu verkaufen - allein schon der Aufwand der Demontage und Neumontage macht so eine Aktion unrentabel und sofern das Fenster nicht in ein Gartenhaus eingebaut wird, erfüllt es wohl die heutigen thermischen Anforderungen bei weitem nicht mehr.

Trotz alledem bin ich immer noch der Meinung, dass diejenigen, die - meist einmalig - eine massive Schreinerarbeit anfertigen lassen, sich unter dem Strich dann doch noch mehr Geld und Aufwand gespart haben, als jene Zeitgenossen, die sich alle paar Jahre beim Möbeldiskonter neu eindecken - von der immer wiederkehrenden Altmöbel-Entsorgung und Schlepperei der neuen Möbel gar nicht zu reden :wink: Kenne da selber jemanden, der kürzlich schon mindestens das dritte Mal umgezogen ist und jedes Mal sollen Verwandte irgendwelche überflüssig gewordenen Möbel übernehmen und beim Umzug mithelfen ...

Re: Großuhr: was hab' ich mir da eingetreten?

Verfasst: 16 Jul 2020, 09:42
von O.E.
Hallo RaSta, Hermann und alle,
danke für die Tipps! :thumbsup:

Re: Großuhr: was hab' ich mir da eingetreten?

Verfasst: 19 Jul 2020, 12:50
von Don Tomaso
Hallo Johannes, wir haben uns letztes Jahr vom örtlichen Schreiner eine Maßküche in die Mietwohnung setzen lassen. Wahnsinn? Klar! Aber schön! Jeden Tag, den wir uns dran freuen, zahlt ein wenig ab. Eigentlich haben wir sie also schon raus. :whistling:
Was in der Zukunft wird, ist wurscht. Wir leben jetzt. :wink: