Lünette der Rolex Pepsi Modelle

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luminor
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Lünette der Rolex Pepsi Modelle

Beitrag von luminor » 11 Nov 2020, 19:24

Hallo. Wie lässt sich erklären, dass im Schwarzlicht die zweifarbige Lünette der Pepsi nur einfarbig rot erscheint?

Bild

Ralf? :idea:
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Quadrilette172
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Re: Lünette der Rolex Pepsi Modelle

Beitrag von Quadrilette172 » 11 Nov 2020, 19:26

FAKE :!: ................ :whistling: ...............nö, keine Ahnung, sorry.

pasquale
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Re: Lünette der Rolex Pepsi Modelle

Beitrag von pasquale » 11 Nov 2020, 19:58

Kann es nur bestätigen, dass es bei meiner auch so ist (vielleicht haben wir sie auch vom selben strand-konzi 8) )
Wieso das aber so ist, weiss ich auch nicht 🤷‍♂️

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Ralf
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Re: Lünette der Rolex Pepsi Modelle

Beitrag von Ralf » 11 Nov 2020, 20:15

Du hast eine Mischung aus UV- und sichtbarem Licht. In UV-Licht würdest Du nur Substanzen sehen, die unter UV-Licht zur Abgabe von sichtbarem Licht angeregt werden. Da das bei Stahl nicht passiert würdest Du von Band und Gehäuse gar nichts sehen, eben schwarz. Um blaue Anteile sehen zu können muss blaues Licht in hinreichender Menge in der Beleuchtung sein. War hier offensichtlich nicht der Fall.

Tiefes Blau beinhaltet oft auch eine starke Absorption von Gelb. Deswegen kann auch das zu dem Effekt beitragen: Zu viel gelb in der Beleuchtung. Dem Rot macht das nichts und die gelbe Grundstimmung blendet sowohl Gehirn als auch Kamera per Weißabgleich aus.
Man liest sich!

Ralf

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luminor
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Re: Lünette der Rolex Pepsi Modelle

Beitrag von luminor » 11 Nov 2020, 20:28

Danke Ralf! :!: Das Blau wird hier dann einfach nicht wiedergegeben. Das habe ich verstanden. Aber warum sehe ich dann rot stattdessen?

Das Blau der Leuchtindizies ist aber sichtbar?
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Re: Lünette der Rolex Pepsi Modelle

Beitrag von hermann » 12 Nov 2020, 07:48

Hallo

Licht und Wahrnehmung, ein unheimlich spannendes Thema.
Wieder was gelernt, das hätte ich so jetzt nicht erwartet. :thumbsup:

Gruß hermann
Bild
Der Mensch hasst das Böse mehr als er das Gute liebt.

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Re: Lünette der Rolex Pepsi Modelle

Beitrag von lottemann » 12 Nov 2020, 08:50

Das ist tasächlich superspannend. Nennt sich Metamerie frag mal Textilfärber,
die kämpfen regelmässig damit :wink:
Wenn man da eine Farbe reproduzieren soll und nicht exakt weiss mit welcher
Farbstoffmischung das Original gefärbt wurde, hat man praktisch verloren.
Denn selbst wenn man die Farbe hinbekommt, kann es sein, dass das Ensemble
aus den beiden unterschiedlich gefärbten Stoffen genauso rauskommt, wie die
Bleche im Link :mrgreen:

Gruss

Michael

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Re: Lünette der Rolex Pepsi Modelle

Beitrag von jeannie » 12 Nov 2020, 09:47

Dazu kommt das Konstanzphänomen: Farben sehen anders aus oder aus Grau wird eine Farbe je nach dem von welcher Farbe sie umgeben sind.

Da gibts viele im Netz.

Das gleiche Rot, das gleiche Gelb:
Bild

Das Feld A und das Feld B ist beide Male das selbe Grau:
Bild
http://www.watchtools.ch Uhrenwerkzeug, direkt aus der Schweiz.

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Ralf
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Re: Lünette der Rolex Pepsi Modelle

Beitrag von Ralf » 12 Nov 2020, 12:31

Ich hab über das Thema eine Studienarbeit geschrieben. Der Vortrag drüber sollte 20 Minuten dauern, ich hab über eine Stunde erklären müssen, weil das absolut komplexes Thema ist und ohne Grundlagen man nur Bahnhof versteht.

Ich vereinfache jetzt mal über den akademischen Standpunkt hinaus, damit es schneller geht. Wer sich schon genauer auskennt oder sich mal näher damit beschäftigen wird, bitte nicht alles wortwörtlich nehmen, wie es da steht, es geht hier nur ums Prinzip.

Erst mal die Frage, was Farbe ist. Es ist eine komplexe Zusammensetzungen von Wellenlängen zwischen Rot und Violett. Allein schon die Frage, wie viel verschiedene Spektralfarben ein Mensch wahrnehmen kann ist so nicht zu beantworten. Hängt nämlich davon ab, wie hoch die Lichtstärke, bzw Helligkeit ist. Das mag beim Betrachten der Lünette auch eine Rolle spielen.

Mal ein Bild:

Bild
© wikipedia (nachträglich ausgetauscht gegen bessere Darstellung - sRGB)

Auch diese Bild vereinfacht schon. Es lässt die Helligkeit weg. Der Punkt D65 ist der Weißpunkt. Aber eben nur bei voller Helligkeit Weiß. Mit abnehmender Helligkeit wird er zuerst grau, dann bei "nix mehr da" Schwarz. Farbe ist dreidimensional und die dritte Dimension zu der 2d-Grafik wäre die Tiefe.

Wir sehen keine Farbe. Wir sehen vier Helligkeiten. Die absolute Helligkeit sehen die Stäbchen. Bis auf rot, da sind die blind, dafür sind sie aber sehr empfindlich. Dann gibt es noch drei Arten Zäpfchen,

Bild
© https://www.dasgehirn.info/wahrnehmen/s ... und-zapfen

Aus diesen Werten "berechnet" dann das Gehirn eine virtuelle Farbe. Das "wie" kann man ganz gut im oberen Bild nachvollziehen. Wir beginnen im Punkt D65, bei neutral. Nimmt man mehr 470 nm dazu, dann wandert man in Richtung auf die Spektralfarbe 470 nm hin, Richtung Blau. Das Selbe passiert aber auch, wenn man in Gegenrichtung was wegnimmt. Wenn man 570 nm (Gelb) wegnimmt, dann wandert die Wahrnehmung auch in Richtung Blau. Will man ganz aussen bei 470 nm ankommen, dann muss man sogar alles ausser den 470 nm wegnehmen.

Was es richtig kompliziert macht ist der Fall, wenn etwas nicht selber leuchte, sonder das vorhandene Umgebungslicht reflektiert. Wellenlängen, die im Umgebungslicht nicht vorhanden sind können nicht reflektiert werden. Was überproportional vorhanden ist wir auch überproportional reflektiert. Noch eine Grafik:

Bild

Oben Links: alle Wellenlängen im Licht vorhanden, alle werden von dem Körper mit seiner Farbe reflektiert. Alles gut, weiß, weißer geht nicht. (Doch, geht: Waschmittel mit Aufheller, die UV in blau umsetzen und damit mehr Licht bringen als in der Umgebung eigentlich ist, darauf komme ich später bei der Leuchtmasse noch mal zurück)

Oben rechts: Jetzt sind in der Umgebung nicht alle Wellenlängen vorhanden. Ist z.B. Morgens oder Abends so, weil da das Sonnen so weit durch die Atmosphäre muss. Da sind wir dran gewöhnt, seit Lebewesen auf der Erde sehen können. Deswegen versucht das Gehirn den Effekt raus zu rechnen und sagt trotzdem "ist Weiß". Da sind wir ziemlich gut, nur z.B. bei extremen Morgenrot oder am Lagerfeuer, da merken wir was davon. Selbst wenn es aufgrund spezieller künstlicher Situationen falsch rechnet merken wir es nicht, dass es falsche Farben ausrechnet.

Fotoapparat macht es nicht ganz so gut, der nimmt einfach an, alles was er aufnimmt sei zusammen gemixt grau (= Punkt D65). Weil das nicht immer klappt gibts den extra Weißabgleich.

So, wenn wir jetzt zu der Lünette kommen, mal die vier restlichen Teile der Grafik.

Mitte wäre weißes Umgebungslicht. Mitte links der blaue Teil, Mitte rechts der rote Teil. Sollte jetzt schon klar sein.

Unten jetzt eine krude Mischung aus Rot-lastigem Licht plus noch so ein bisschen Rest vom UV-Licht knapp an der Grenze zu UV. Unten links wieder die blaue Farbe, unten rechts die rote. Dabei kommt etwas zu tragen, was oben in der ersten Grafik schön zu sehen ist. Nennt sich Purpurgerade und ist die direkte Verbindung unten von 380 nm zu 700 nm. Keine Spektralfarben, sonder Mischungen von Violett und Rot. Die schlagen in der Wahrnehmung schon sehr, sehr schnell in Richtung Rot um, wenn nur ein wenig Blau fehlt. Beim Rot das selbe, ein wenig Rot zu wenig und wir landen im Purpur. An den beiden Enden des Spektrums können wir nicht mehr so gut unterscheiden, weil die Zäpfchen da schon deutlich jenseits ihrer optimalen Empfindlichkeit arbeiten. Sieht man auch daran, dass die Wellenlängen im ersten Bild an beiden Ende (zwischen 380 bis 460 und ab 620 bis 700 nm) gar nicht mehr dargestellt werden, weil sie zu eng beieinander liegen.

Wie sieht das Bild aus?

Bild

Voila!

Jetzt zu
luminor hat geschrieben:
11 Nov 2020, 20:28
...
Das Blau der Leuchtindizies ist aber sichtbar?
(Man beachte den Avatar! lumen = das Licht)

Die Leuchtmasse setzt UV in sichtbares Licht um. Dank der Schwarzlichtlampe viel mehr als das Gehirn erwartet. Aber mehr Blau als Gelb. Deswegen so ein deutlich blaustichiges Weiß mit einem Hauch von Aquamarin.
Man liest sich!

Ralf

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Re: Lünette der Rolex Pepsi Modelle

Beitrag von luminor » 12 Nov 2020, 16:40

OK, Ralf. Wahnsinn was Du alles drauf hast. Danke für diese fundierte Aufklärung, und Deine wertvolle Zeit!!
Ich habe es dank der mittleren Grafik nun etwas besser verstanden. Und klar, das mit den Indexen ist logisch.
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Re: Lünette der Rolex Pepsi Modelle

Beitrag von Ralf » 12 Nov 2020, 21:45

Noch eine kleine Anmerkung für die Spezialisten: Die Farben in der ersten und dritten Grafik sind natürlich auch "vereinfacht", weil ein Computermonitor den ganzen existierenden Farbraum gar nicht darstellen kann, sondern eigentlich nur das, was in dem Dreieck der ersten Grafik liegt. Aber immer noch einfacher mit etwas "falschen" Farben erklärt als ganz ohne.
Man liest sich!

Ralf

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Re: Lünette der Rolex Pepsi Modelle

Beitrag von archimagirus » 29 Nov 2020, 13:19

....besser als die ‚Sendung mit der Maus‘ :thumbsup:
Top Ralf, danke für einen kurzweiligen Ausflug in die Physik.
Schönen 1.Advent an alle
Tickende Grüße, Jan!

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