Haltbarkeit bzw. Defekte bei "MechaQuarz"-Werk JLC Cal. 631?

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haspe1
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Haltbarkeit bzw. Defekte bei "MechaQuarz"-Werk JLC Cal. 631?

Beitrag von haspe1 » 23 Jan 2019, 15:24

Liebe Forums-Techniker,

mir gefällt prinzipiell der (kleine) IWC-Fliegerchrono Ref. 3741, der die IWC-Fliegerchrono-Serie in den 80-ern begründet hat, auch oder gerade weil er nur 36 mm Durchmesser hat. Dieses Modell ist ja mit dem JLC Cal. 631 Hybrid-Kaliber ausgestattet und die Zeiger werden über Schrittmotoren und die entsprechende Elektronik bewegt.

Nun meine Frage: Wie sind Eure Erfahrungen mit derartigen Uhren, die ja schon 25-30 Jahre auf dem Buckel haben, was die Defekte bei den Werken und deren (un-)mögliche Behebung betrifft?

Ich kann mich erinnern, dass Hermann einmal schrieb, dieses Werk sei sehr klein, sehr anspruchsvoll und nicht grerade "servicefreundlich" konstruiert.

Ich kann mir auch vorstellen, dass die Elektrik und Elektronik eines 30 Jahre alten Werkes altert und eventuell Schrittmotoren ihren Geist aufgeben, Drähte reissen, Kondensatoren bzw. Schaltkreise elektrisch ausfallen, etc.

Also, was wird da alles (in der RegelI) kaputt, kann ein versierter Uhrmacher die Schäden meist selbst beheben oder können diese man überhaupt sinnvoll repariert werden? Ich vermute, IWC rückt auch bei diesen Werken keine Komponenten mehr an Uhrmacher heraus, was darauf hinauslaufen dürfte, dass das Werk irreperabel wird, wenn es einen gröberen Defekt hat oder bei IWC sehr teuer repariert werden muss. Oder täusche ich mich da? Und was macht IWC, wenn so eine Uhr mit defektem Werk zu ihnen kommt, tauschen die Komponenten aus oder gleich das ganze Werk (was so teuer sein dürfte, wie eine "neue" alte Uhr)?

Freue mich über Erfahrungswerte, die mir abschätzen helfen, wie riskant der Kauf einer Uhr mit Mechaquarz-Werk ist und ob man das lieber nicht riskieren sollte.

Hannes

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Heinz-Jürgen
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Re: Haltbarkeit bzw. Defekte bei "MechaQuarz"-Werk JLC Cal. 631?

Beitrag von Heinz-Jürgen » 23 Jan 2019, 20:46

https://forum.watchtime.ch/viewtopic.ph ... 1&start=15

Da hatten wir das schon mal. Meine läuft übrigens noch ohne Probleme.
Grüße aus dem Pott

Heinz-Jürgen

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walter
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Re: Haltbarkeit bzw. Defekte bei "MechaQuarz"-Werk JLC Cal. 631?

Beitrag von walter » 23 Jan 2019, 21:34

Die meiner Kollegin auch :thumbsup:
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Heinz-Jürgen
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Re: Haltbarkeit bzw. Defekte bei "MechaQuarz"-Werk JLC Cal. 631?

Beitrag von Heinz-Jürgen » 24 Jan 2019, 06:25

Animiert durch diesen Faden, habe ich mal wieder etwas gestöbert und war doch sehr erstaunt, welche Preisentwicklung die 3741 in den letzten Jahren genommen hat. :shock:

Ich habe damals ein Full Set gekauft und besitze beide Bänder. Sowohl das originale Alligator- als auch das (sehr hochwertige und tragefreundliche) Stahlband. Mit Stahlband tauchen sie wohl nicht allzu häufig auf, aber wenn ich sie heute wieder kaufen wollte, dann nur damit. Gerade bei diesem komplizierten Werk würde ich, wenn keine befriedigende Service-Historie bekannt ist, eine IWC-Vollrevision gleich mit einkalkulieren. Die liegt aktuell bei 770,- €.

Der Gehäuseschliff ist nicht ohne, darum würde ich da auch niemand anderen dranlassen als einen Polisseur von IWC.

Danach dürfte man aber wieder sehr lange Freude an ihr haben.

Meine hat zwischenzeitlich den Besitzer gewechselt. Sie wurde von meiner Frau „beschlagnahmt“, und sie trägt sie sehr häufig. Ich muss zugeben, dass sie an ihrem Arm ein echter Hingucker ist. In freier Wildbahn habe ich noch keine andere gesehen, selbst auf großen Uhrfreunde-Treffen nicht.

Ich würde sie wieder kaufen.
Grüße aus dem Pott

Heinz-Jürgen

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Re: Haltbarkeit bzw. Defekte bei "MechaQuarz"-Werk JLC Cal. 631?

Beitrag von haspe1 » 24 Jan 2019, 14:06

Danke sehr für Euro konstruktiven Beiträge bzw. Infos zur Uhr. Interessant wäre es für mich noch gewesen, wenn ein Uhrmacher über seine diversen Defekt-Erfahrungen berichtet hätte, das würde mehr als nur eine (persönliche) Uhr beinhalten.

Eine IWC-Vollrevision kostet also um die 770 Euro? Dabei wäre interessant, was IWC da mit dem Werk macht, nämlich mit dem elektronischen/elektrischen Teil davon.

Das Grund-Problem, das meine Befürchtungen hervorrief, ist ja, dass Elektronik-Komponenten "altern" und im Gegensatz zu mechanischen Komponenten, die nach einem Service wieder fast wie neu funktionieren, total ausfallen können. Wenn IWC also bei einem "Vollservice" nur die Mechanik serviciert, dann ist ungewiss, wie lange es die Elektronik noch weiter mitmachen wird.

Beim elektronischen Teil kann man den Ausfall infolge alter Komponenten ja nur so vermeiden, indem man die ganze Elektronik austauscht und gegen einen neuen Teil ersetzt. Eine nie verwendete alte Elektronik-Komponente wäre ja trotzdem alt und ausfall-gefährdet, oder wird dieses Hybridwerk aktuell noch neu gebaut?

Weiss jemand, was bei so einem "Vollservice" eines Hybridchronos mit der elektrischen/elektronischen Komponente gemacht wird?

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Heinz-Jürgen
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Re: Haltbarkeit bzw. Defekte bei "MechaQuarz"-Werk JLC Cal. 631?

Beitrag von Heinz-Jürgen » 24 Jan 2019, 15:47

Frag doch ihn mal unverbindlich an. Scheint doch teurer zu sein als in der IWC Preisliste.

https://m.ebay-kleinanzeigen.de/s-anzei ... 4-156-8599

Edit: Uhr sieht gut aus, aber das Stahlband ist nicht orischinal.
Grüße aus dem Pott

Heinz-Jürgen

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tourbillon69
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Re: Haltbarkeit bzw. Defekte bei "MechaQuarz"-Werk JLC Cal. 631?

Beitrag von tourbillon69 » 25 Jan 2019, 10:24

Bis vor Kurzem hätte ich die Frage uneingeschränkt mit "ja" beantwortet.
Mittlerweile wäre ich da etwas vorsichtiger, da ich an anderer Stelle lernen musste, dass IWC/JLC keine maßgeblichen ET für die Kaliber 633 (die Wecker-Variante)mehr zur Verfügung stellt. Die 630er kratzen ja mittlerweile auch an den berühmten 30 Jahren der ET-Garantie.

Fakt ist, dass das 630 ein mechanisch sehr komplexes Werk ist, das entsprechend Service-aufwändig ist.
Fundierte Kaliberkenntnis ist unabdingbar, "mach mal eben" geht da gar nicht.
Fakt ist, dass mitunter die Elektronik und die Spulen mucken. Solange die funktionieren werden die auch wieder eingebaut. Von einem prophylaktischen Tausch der Elektronik im Servicefall war/ist mir nichts bekannt. Auch nicht als die Spulen mal geändert wurden (es gab/gibt je 2 Varianten).

Das größte Problem beim 630 im Service ist aber die Festigkeit des Chrono-Sekundenzeigers auf der Welle.
In der Regel muss nach dem Service ein neuer Zeiger drauf da der alte nicht mehr festzukriegen ist.
Diese Problematik ist in der Konstruktion des Chronos verwurzelt, dieser stellt federbeaufschlagt so brachial Null, dass der Zeiger bei Hochgeschwindigkeitsaufnahmen schon mal gute 5 Sekunden Verbiegung hinkriegt.

beste Grüße
Richard

Pete
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Re: Haltbarkeit bzw. Defekte bei "MechaQuarz"-Werk JLC Cal. 631?

Beitrag von Pete » 25 Jan 2019, 11:12

Also ich hatte vor 2 oder 3 Jahren einen Chrono Alarm Ref. 3815 mit cal. 633 zur Revision bei IWC. So weit auf der Rechnung ersichtlich, wurden da keine Teile der Elektronik ausgetauscht. Revision ging zackig, für den Preis müsste ich aber mal auf Rechnungssuche gehen. Prinzipiell finde ich vintage Quarzwerke auch spannend, schrecke aber vor einem Kauf zurück weil eben eine Revision/Reparatur auf lange Frist sicher nicht gewährleistet werden kann.

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Thomas H. Ernst
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Re: Haltbarkeit bzw. Defekte bei "MechaQuarz"-Werk JLC Cal. 631?

Beitrag von Thomas H. Ernst » 25 Jan 2019, 16:19

Heinz-Jürgen hat geschrieben:
23 Jan 2019, 20:46
Da hatten wir das schon mal. Meine läuft übrigens noch ohne Probleme.
Ein langjähriger Freund hat seit über 30 Jahren einen IWC PD Chrono mit diesem Werk. Er trägt ihn täglich. Ausser Batterie und Dichtungen war da nie was zu tun.
Grüsse Thomas
Euer Board-Admin

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Re: Haltbarkeit bzw. Defekte bei "MechaQuarz"-Werk JLC Cal. 631?

Beitrag von haspe1 » 30 Jan 2019, 10:56

Vielen Dank für Eure wertvollen Fach-Informationen und besonderen Dank an Richard für die genau geschilderten kaliberspezifischen Details!

Offenbar ist es so: Es gibt einige Mecha-Quarz-Uhren, die 30 Jahre lang ohne Mucken funktionieren, aber wenn so ein Kaliber ein Problem hat, dann ist es nicht so leicht/einfach zu beheben und erfordert grosses Fachwissen und div. Ersatzteile, die schwer zu bekommen sind.

Ich glaube, ich kaufe so eine Uhr nur dann, wenn das Angebot wirklich sehr verlockend ist und bleibe mit Mechanik auf der weniger kompelexen Seite.

Viele Grüße,
Hannes

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Re: Haltbarkeit bzw. Defekte bei "MechaQuarz"-Werk JLC Cal. 631?

Beitrag von RaSta » 20 Apr 2019, 23:07

Hallo,

ich habe dieses Kaliber in einer J-LC Heraion. Diese läuft seit 1996 ununterbrochen, und war 2006, und auch nur weil ich zufällig in Nürnberg war, beim Service. Sie hatte keine Defekte, dennoch wurde damals die Platine und 1, 2 weitere Kleinteile getauscht und, heute eher unüblich, auch an ich zurück geschickt.

Da ich die Dichtung für den Gehäuseboden von meinem Konzi bekomme, mache ich die Batteriewechsel ca. alle 4 Jahre selbst. Bedenklich finde ich allerdings, dass die Ersatzteilsituation für dieses Kaliber wohl nicht mehr so doll ist...

Gruß
RaSta

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Re: Haltbarkeit bzw. Defekte bei "MechaQuarz"-Werk JLC Cal. 631?

Beitrag von haspe1 » 13 Mai 2019, 14:19

Vielen Dank für Deine Mecha-Quarz-Information, RaSta!

Scheint also im Prinzip ein robustes Kaliber zu sein. Aber wenn die Ersatzteile knapp werden, dann ist mir das Kaufen eher etwas zu riskant, denn Elektronik altert auch und Drähtchen können abreißen oder ein Kondensator oder IC defekt werden und dann hat es sich wohl ausgequarzt...

Hannes

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