Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

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u2112
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Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von u2112 »

Liebe Uhrenfreunde,

ich hatte ja mal vor einiger Zeit über die drei IWC-Modelle geschrieben, die 1967 die letzte Generation der mechanischen Uhren vor der Quarzkrise eingeläutet hatten - damals natürlich noch ohne die Folgen elektronischen Innovationen abschätzen zu können: Die Aquatimer 812 hatte ich hier vorgestellt https://forum.watchtime.ch/viewtopic.php?t=70599 , die Ingenieur 866 hier https://forum.watchtime.ch/viewtopic.php?t=70567 und eine (fast) komplette Übersicht der Yacht Club 811 findet sich im Nachbarforum hier https://forum.watchlounge.com/index.php ... -historie/ .

Fast komplett deshalb, weil noch einige Varianten aus dem oberen Ende dieser Kollektion fehlen - bei den Goldmodellen hatte ich bisher nur die Einstiegsvariante in 14k/Stahl (Ref. 911) und die sehr seltene Weißgold-Version in 18k vorgestellt. Inzwischen hat sich die Sammlung wieder etwas erweitert, so dass jetzt auch die Gelbgold-Modelle abgedeckt sind:

#9 IWC Yacht Club I Ref. 1811 Automatik, 18k GG, ZB Gold:

Unter den goldenen Varianten dürfte die klassische Version in 18k Gelbgold mit dem Lederband vermutlich die am häufigsten anzutreffende Variante sein - eben eine klassische "gute" Uhr, die sich auch als Uhr für jeden Tag eignet. Die Gehäuseform weicht leicht von den Edelstahlgehäusen ab, was aber am Arm nicht weiter auffällt. Verkauft wurden diese Uhren mit zwei Zifferblattvarianten, versilbert und vergoldet.

Eine solche Version mit goldenem Blatt fand vor einiger Zeit den Weg zu mir. Schön erhalten mit originalem Zifferblatt und Zeigerspiel sowie einer passenden Dornschließe.

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Die Uhr ist noch komplett mit Tritium belegt, auch die Zeiger und der kleine Dot am Datum, der meist als erstes abfällt:

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Auch die Schliffe und die Krone passen:

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Am Arm wirkt die Yacht Club I dank 36mm Durchmesser und Kissengehäuse nicht zu klein:

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Das schöne an dieser Uhr aus Sammlersicht ist, dass sie als komplettes Set zu mir kam und so kann man die Geschichte der Uhr ganz gut nachvollziehen: Verkauft wurde sie erst im September 1986, also Jahre nachdem dieses Modell offiziell ausgelaufen war. Laut Datenbank wurde diese Uhr bereits um 1975 produziert und spätestens 1977 ausgeliefert - die hat also etwas im Laden gelegen...

Gekauft wurde sie von einem Juwelier in Düsseldorf, der auch heute noch im Geschäft ist - allerdings schon vor einiger Zeit die IWC-Konzession verloren hat, der Gang der Zeit...

Was noch interessant ist (neben einigen Service-Belegen): Zur Uhr wurde damals das massive Goldband mit dazu gekauft, so dass der Kaufpreis bei satten 7.000 DM lag (wobei für 1.400 DM eine alte Uhr in Zahlung genommen wurde). Zum Vergleich: Der letzte Listenpreis der Goldband-Referenz 9205 lag 1977 bei 6.750 DM.

Die Erben des damaligen Käufers hatten aber leider das Goldband zwischenzeitlich gesondert verkauft - so konnte diese Uhr zwar eine Lücke in der Sammlung füllen, aber trotzdem fehlt weiterhin die Vollgold-Version. Aber auch dafür fand sich eine Lösung :whistling: - dazu gleich mehr...

Gruß,
Christian
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u2112
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von u2112 »

... und weiter geht es - diesmal mit einem der beiden Spitzenmodelle der Yacht Club I Kollektion:

#10 IWC Yacht Club I Ref. 9205, Automatik, 18k GG mit 18k Goldband, ZB Gold:

Im Titel taucht schon bedrohlich oft "Gold" auf und das ist kein Zufall. Das Spitzenmodell der Yacht Club I-Serie war das Vollgold-Modell, dass es in verschiedenen Varianten gab: Die teuerste Variante war Weißgold mit blauem Brilli-Zifferblatt, danach kam die "normale" Weißgold-Variante und dann für das einfache Volk die Variante in Gelbgold - die hatte ab Werk eigentlich nur die normalen versilberten oder vergoldeten Zifferblätter, Edelstein-Varianten waren eigentlich nicht vorgesehen.

Dieser Vollgold-Variante hatte IWC sogar eine eigene Referenznummer (Ref. 9205) spendiert, obwohl sich die eigentliche Uhr nicht von der goldenen 1811 unterscheidet. Jetzt ist ein goldenes Band nicht jedermanns Sache und ich habe auch lange Jahre gebraucht, bis mir so etwas in den Sinn kam - eigentlich ist das ja schon ziemlich auffällig und zudem wird so der Preis der Uhr dramatisch nach oben getrieben.

Eine Ref. 9205 ist ein ziemlicher Klumpen Gold. Das Auslieferungsgewicht der Uhr mit vollständigem Band beträgt 136,4g und der Goldanteil (und -wert) ist entsprechend beachtlich. Das Band allein wiegt 80g und ist absolut massiv, von den Bandgliedern bis zur Schließe. Entsprechend heftig waren gerade in den 1970er Jahren auch die Preisausschläge, als durch die Aufhebung der Gold-Hinterlegung des Dollars die Währungskurse heftig in Bewegung kamen.

Das Thema "Uhren als Investment" ist übrigens nicht neu, das gab es damals auch schon :mrgreen:

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Nun ist aber so ein Band deutlich mehr als ein Klumpen Gold, sondern da steckt schon einiges an Handwerk und Konstruktionsgeschick drin, was hier im Katalog von 1972 entsprechend gewürdigt wurde:

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Erstmals im Katalog habe ich die Vollgoldversion im Jubiläumsjahr 1968 gefunden, da wurde sie allerdings noch unter Ref. 9115 geführt:

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Nach der Umstellung der Referenznumern-Systematik Anfang der 1970er Jahre wurde daraus dann die Referenz 9205, wie man hier in den Katalogen von 1972 und 1974 sieht:

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Die Bänder sind dabei sehr hochwertig und stabil gearbeitet. Durch das Stecksystem hat man auch eine gute Chance, dass ein Band auch heute noch komplett ist - einfach weil man die Bandglieder nicht so einfach entfernen kann, wie bei den gestifteten oder verschraubten Bändern der Konkurrenz. In der originalen Länge passt diese Uhr durchaus auch an große Handgelenke, ich muss das Band auf der engsten Stufe der Feinverstellung in der Schließe tragen, damit es nicht schlackert.

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Die Bandanstöße sind massiv und haben unter den Hörnern sehr stabile Flügel, so dass da nichts wackelt oder klappert. Allerdings ist der Zugang zu den Federstegen sehr eng, so dass man das Band nur mit ziemlichen Gewürge vom Gehäuse getrennt bekommt.

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Die Schließe öffnet sich, in dem man mit dem Fingernagel das kleine IWC-Logo hochzieht.

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Am Arm trägt sich das Band sehr angenehm, zumindest wenn der Stretch sich noch in Grenzen hält - was nicht immer der Fall ist, da muss man etwas suchen.

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Auch diese Uhr kam glücklicherweise mit allen Papieren und so lässt sich auch hier die Historie nachvollziehen: Verkauft wurde sie Weihnachten 1977 an einen niedersächsischen Unternehmer, der sie in Goslar beim damaligen ersten Haus am Platze (im Wortsinne) erworben hatte. Das Geschäft gab es noch bis 2016, allerdings war schon mit einem Generationenwechsel in den 1980er Jahren der Fokus von Uhren auf Schmuck gewechselt. Nach 99 Jahren in Familienhand kam dann vor 6 Jahren das Ende, wobei der Eigentümer auch heute noch als Goldschmied tätig ist (allerdings nur noch online und B2B). Als Goldschmied hatte er beim Verkauf auch die Uhr ausgewogen, daher habe ich die oben erwähnten 136,4g :mrgreen:

Witzigerweise stammt diese Uhr aus dem gleichen Produktionslos wie die andere 18k Yacht Club, die Gehäusenummern liegen weniger als 100 auseinander. Nur wurde diese hier dann tatsächlich relativ schnell nach der Auslieferung auch verkauft - übrigens exakt zum damaligen Listenpreis von 6.750 DM.

Ist die Sammlung nun komplett? Zumindest was die erreichbaren Uhren angeht, ja. Es gibt noch die erwähnte WG-Brilli-Version:

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Aber die ist nicht nur extrem selten sondern auch ziemlich teuer (ca. 15k, wenn man denn mal eine findet). Und dann gab es noch eine experimentelle Version mit besonders marmorierten Zifferblättern:

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https://www.watchprosite.com/iwc/finall ... 3.8121598/

Von diesen Uhren gibt es aber wohl nur wenige Dutzend und die Auktionspreise sind solide fünfstellig:

https://www.uhren-muser.de/en/54334/int ... blue-marbl

https://www.phillips.com/detail/iwc/CH080121/45

Beides also aktuell keine Optionen.

Aber wer weiß, vielleicht ergibt sich ja doch irgendwann mal eine günstige Gelegenheit :whistling: ...

Gruß,
Christian
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MCG
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von MCG »

Unglaublich Christian, welche Modelle du immer wieder irgendwie ergattern kannst! Alle wunderschön! Da kann man Dich nur beglückwünschen❣️🍀👏🏻🤩

Und herzlichen Dank für die immer wieder tollen Vorstellungen! 👍🏻😃
LG aus Mostindien - Markus
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lottemann
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von lottemann »

MCG hat geschrieben: 12 Mär 2022, 20:34 Unglaublich Christian, welche Modelle du immer wieder irgendwie ergattern kannst! Alle wunderschön! Da kann man Dich nur beglückwünschen❣️🍀👏🏻🤩

Und herzlichen Dank für die immer wieder tollen Vorstellungen! 👍🏻😃
:thumbsup:
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mike_votec
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von mike_votec »

Klasse, macht immer wieder viel Freude Deine Vorstellungen zu verfolgen! Glückwunsch und viel Freude an dem tollen Stück!😊👍
Grüße,

Michael
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unnnamed
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von unnnamed »

Wunderbar, hat wie immer Vergnügen bereitet!

Und eine richtig schöne Uhr ist es obendrein :thumbsup: :thumbsup:
Gruß Bernd
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cool runnings
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von cool runnings »

Wow, was für eine Uhr, was für eine Vorstellung. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für die tollen Infos.
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u2112
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von u2112 »

Danke, danke :D

Ein Punkt, der mich immer wieder zu den Yacht Clubs zieht, ist das für heutige Verhältnisse faire Preisniveau. Es wird ja zunehmend schwieriger in diesem überhitzten Markt Uhren zu kaufen, da der Hype inzwischen in viele Ecken vorgedrungen ist - selbst wo ich es nie erwartet hätte (z.B. GP Laureato, Seamaster Schwerty, IWC Deep One). Bei den Yacht Clubs hat man dagegen durch die schiere Menge dieser Uhren auch heute noch die Chance, mal einen wirklich guten Deal zu machen (preislich wie qualitativ) - dann macht auch die Suche noch Spaß, was ja für einen "Jäger und Sammler"-Typen wie mich nicht unwichtig ist :whistling:

Bei vielen anderen Marken/Modellen habe ich es dagegen schon einfach aufgegeben, weil der Zug preislich abgefahren ist...

Gruß,
Christian
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Knall
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von Knall »

Da werde ich ganz neidisch. Tolle Uhr (die goldene).
Gruss
uwe
Das Gute ist eine Frage der Erkenntnis.
althapp
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von althapp »

Sehr schöne Uhren. Und wie immer ist es eine Freude und ein Erkenntnisgewinn, deine detaillierten Beschreibungen zu lesen.
Servus Willi
Online
möhne
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von möhne »

cool runnings hat geschrieben: 13 Mär 2022, 09:23 Wow, was für eine Uhr, was für eine Vorstellung. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für die tollen Infos.
+1
haspe1
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von haspe1 »

Hallo Christian,

auch ich darf Dich hier für Deine spannend-informative Schilderung wieder einmal ausgiebig loben!
Du jagst stets (mit Erfolg!) Uhren, die mir sehr gefallen und schreibst über diese Fakten, die mich sehr interessieren und stets meinen Wissens-Horizont erweitern. Gratulation zu den feinen Uhren und der hochinformativen Schilderung.

Mir gefallen goldene IWC-Modelle wie Deine Yacht Club(s) oder meine Ref. 817, die ich hier vor einiger Zeit vorgestellt habe, auch recht gut, aber sowohl bei Deiner Yacht Club, als auch bei meiner Ref. 817, die beide das goldene Zifferblatt haben, würde mir am Lederband das silberne Blatt besser gefallen.

In Vollgold hingegen, wie Du eine Yacht Club ja auch vorstellst und besitzt, finde ich das goldene Zifferblatt sehr stimmig.

Die marmorierten Zifferblätter finde ich auch sehr reizvoll, die Brillanten-Version kommt mir doch ziemlich protzig vor. Aber wer hat die schon?

Noch ein Hinweis in eigener Sache (ich hoffe, das ist erlaubt): Wer eine simple Stahl-Yacht-Club mit blauem Blatt sucht, der darf sich gerne mein Angebot im Verkaufs-Bereich ansehen.

Hannes
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u2112
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von u2112 »

... und zu meiner eigenen Überraschung geht es hier noch weiter und das mit einer Referenz, die ich bisher nie im Blick hatte:

#11 IWC Yacht Club I Ref. 9216, Automatik, 18k GG mit 18k Goldband, ZB Gold:

Das Thema "Gold" hatte ich ja eigentlich oben schon mit der Ref. 9205 abschließend behandelt, zumal diese Referenz wunderbar dokumentiert ist und sich in jedem Katalog und jeder Preisliste finden lässt. Nun hatte ich ja aber schon verschiedentlich über die Lage der IWC in den späten 1970er Jahren berichtet und so manche besondere Uhr aufgetan aus dieser Zeit - sehr oft Uhren, die ziemlich selten waren und für die man zum Teil wenig bis gar keine Hinweise in den zugänglichen Dokumentationen findet. Das erschwert die Identifikation von manchen Modellen aus dieser Zeit und man entwickelt ein gesundes Misstrauen. So ist z.B. nicht jede Uhr mit einem "Yacht Club" Zifferblatt auch wirklich aus dieser Modell-Linie, da werden auch manchmal ganz andere Referenzen mit dem praktischerweise passenden Zifferblatt "veredelt" - ähnlich wie man es auch bei den Ingenieur-Uhren öfters erlebt.

Und so war ich überaus skeptisch, als mir erstmals eine "Yacht Club I" unterkam, deren Zifferblatt mit meiner 9205 identisch war und die auch komplett mit 18k Band und Gehäuse angeboten wurde - aber weder Gehäuse noch Band dem klassischen Yacht Club-Design entsprachen. Klarer Fall von "Bastelwastel" war mein erster Gedanke.

Dann stieß ich vor einiger Zeit wieder auf eine solche Uhr, diesmal angeblich überprüft durch IWC und verkauft 1978 in der Schweiz. Hier wurde auch erstmals die Referenznummer genannt, nämlich Ref. 9216:

https://www.ricardo.ch/de/a/iwc-yachtcl ... 170209582​

Das Problem: Diese Nummer habe ich nirgendwo finden können, nicht in den Preislisten und nicht in den Katalogen, obwohl ich auch aus den 1970er Jahren einige im Archiv habe. Dazu kam noch eine weitere Besonderheit: Wenn man im Netz nach der Referenz sucht, findet man nur ganz wenige Treffer - die zeigen dann aber die gleiche Uhr mit einem Cloisonné-Zifferblatt, z.B. hier:

https://2tonevintage.com/product/iwc-ya ... ne-enamel/

Diese Blätter waren damals eigentlich schon länger aus der Mode und passen eigentlich auch nicht so richtig zu einer eher sportlichen Uhr. Doch ein weiterer Fund bei Phillips bestätigte die Echtheit auch dieser Version:

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(c) https://www.phillips.com/detail/iwc/CH080219/181​

Die hatten offenbar die Herkunft geprüft und Alexandre Ghotbi​ ist ja ohne Zweifel ein anerkannter Experte. Aber wie man der Beschreibung entnehmen konnte, konnte weder IWC noch er selbst diese Uhr so ganz genau einordnen.

Und dann stieß ich wiederum in einer Auktion erneut auf die "Yacht Club I" Variante, diesmal ganz offiziell mit Stammbuchauszug - und dann habe ich zugeschlagen, da der Preis einigermaßen verträglich erschien (soweit man das angesichts der wenigen Vergleichspunkte sagen kann). Und so sieht die Uhr aus:

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Zifferblatt und Zeigerspiel sind identisch mit der bekannten goldenen Yacht Club I Ref. 9205:

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​​Die Gehäuseform ist aber ganz anders und erinnert mit dem integrierten massiven Goldband ein wenig an die erste Da Vinci:

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Das Goldband geht nahtlos in das Gehäuse über:

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​​​
Im Profil ist die Uhr etwas pummeliger als die Ref. 9205, auch wenn die Maße fast identisch sind (Durchmesser ca. 35,5 vs. ca. 36,5mm):

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Band und Schließe sind wie bei der Ref. 9205 von Gay Freres, aber im Design komplett unterschiedlich:

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Mit dem YC I Blatt wirkt die Uhr eigentlich ziemlich harmonisch, das sieht keinesfalls "hereingebastelt" aus:

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Am Arm trägt sich die Uhr gut und so einen fließenden Übergang vom Gehäuse zum Band gab es ja wie gesagt auch bei anderen Club / SL Uhren (z.B. Da Vinci oder Golf Club) aus dieser Zeit:

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​Die Uhr ist also auch in dieser Ausführung original. Aber wie erklären sich dann die verschiedenen Zifferblätter?

Vermutlich lässt sich das heute nicht mehr so leicht nachvollziehen, aber ich würde auf eine der beiden folgenden Optionen tippen:

a. Man hat tatsächlich für die Yacht Club I einen Nachfolger entwickelt (immerhin war das Modell damals schon 10 Jahre alt) und es dann aber aufgrund der Umstände nicht geschafft, dieses neue Modell wirklich auf den Markt zu bringen - und die wenigen Vorserien-Exemplare dann trotzdem verkauft und manchen dieser Exemplar noch aus Restbeständen ein Cloisonné Dial spendiert (zumindest die Phillips-Uhr war ja eine Sonderanfertigung für Katar).

b. Man wollte für den damals überlebenswichtigen arabischen Markt eine High-End-Luxusuhr schaffen und deshalb Vollgold mit Cloisonné verbinden. Zu dieser Zeit hat IWC ja auch andere traditionelle Techniken wiederentdeckt, gerade bei den Taschenuhren (Gravuren, Skelettierung). So richtig Kunden fand man dafür nicht und hat dann überschüssige Uhren einfach mit dem (zufällig?) passenden Yacht Club-Blatt verkauft.

Vielleicht gibt es auch noch eine andere Erklärung, aber auf jeden Fall ist diese Uhr ein Kind ihrer Zeit - als es (nicht nur) für IWC ums Überleben ging und man im Prinzip alles auf den Markt geworfen hat, was irgendwie die Löhne des kommenden Monats finanzierte. Damals hatte man schlicht keine Ressourcen für aufwändige Dokumentationen - trotzdem ist die die Uhr ganz regulär im Stammbuch verzeichnet und die Gehäuse- bzw. Werknummern passen (es ist übrigens wie bei den anderen Yacht Clubs ein Kal. 8541B verbaut).

Und dann gibt es noch eine letzte Besonderheit dieser Uhr: Sie im Sommer 1977 in Wien verkauft - und zwar durch eine Firma "Chronoswiss" (!).

Das kann aber nicht die heute bekannte Uhrenfirma gewesen sein, die wurde erst 1981 gegründet. Vielleicht kann sich ja hier ein älterer Uhrenfreund aus Austria an diese Firma oder diesen Juwelier erinnern :?:

ich habe zumindest wieder mal gelernt, dass man bei Vintage-Uhren nie glauben sollte, dass man schon alles gesehen hat und alles kennt. Da gibt es dann auch nach Jahrzehnten doch immer noch Neues zu entdecken 8)

Gruß,
Christian​
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cool runnings
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von cool runnings »

Wieder mal eine interessanter Beitrag zur IWC-Geschichte. Vielen Dank fürs Einstellen und herzlichen Glückwunsch zum Neuerwerb.
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ChronoCop
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Re: Das Jahr 1967: Die letzte IWC-Generation vor der Quarzkrise - Teil I IWC Yacht Club I

Beitrag von ChronoCop »

Christian, einfach nur Danke für diese Einblicke!
Brane
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