Alltag eines Uhrmacher: Revision einer Uhr

Alles rund um die Technik, Hilfe bei Problemen, Erfahrungsberichte
Benutzeravatar
Thomas H. Ernst
Beiträge: 23227
Registriert: 14 Feb 2006, 16:10
Wohnort: Aarau
Interessen: Uhren, Bikes, Fotografie
Tätigkeit: Rententechniker
Kontaktdaten:

Re: Alltag eines Uhrmacher: Revision einer Uhr

Beitrag von Thomas H. Ernst »

mrdata hat geschrieben: 25 Okt 2022, 14:55 Ich bin ja bestimmt eine PTM aber die würde ich so lassen... wäre fast schade drum...
Und wenn sie aussieht wie neu, tun die ersten Kratzer auch wieder weh :mrgreen:
Genau!

Und da die Zahl der möglichen Aufarbeitungen an einem Uhrengehäuse endlich ist, würde ich lieber warten bis es mal wirklich schlimm aussieht.

Letztlich hängt es aber auch davon ab wie gut der aufarbeitende Betrieb arbeitet. Ich hatte mal die allererste Uhr meines Vaters, eine Tissot Hammerautomatik, bei einem Uhrmacher in einer süddeutschen Kleinstadt zur Werkrevision. Er wollte wohl Eindruck machen und hat dem Gehäuse mit dem Poliermotor so zugesetzt dass es nun ein riesiger Aufwand sein wird, die Konturen auch nur annähernd wiederherzustellen. Das Glas hat er auch noch getauscht, obwohl das alte lediglich stark verkratzt war. Was der Uhr jeglichen Charakter raubt, da im Glas Stundenmarkierungen eingelassen sind.

Ich hab fast geheult als ich die Katastrophe gesehen habe und könnte mich heute noch in den Hintern treten dass ich den rangelassen habe. :angry:

Irgendwann werde ich das Teil mal in Angriff nehmen, als Rentner vielleicht ...
Grüsse Thomas
Euer Board-Admin
Benutzeravatar
Clockwork
Beiträge: 3721
Registriert: 22 Jan 2008, 20:53
Interessen: na was wohl?

Re: Alltag eines Uhrmacher: Revision einer Uhr

Beitrag von Clockwork »

Also Ich halte es bei meinen Uhren in der Regel so, dass ich erst gar keine Kratzer reinbringe. Das spart einem Ärger und Kosten und man muss sich mit der Problematik „Aufarbeitung“ gar nicht erst auseinandersetzen.

Nur so ne Idee…

:whistling:


Und ernsthaft: ich meine das Problem rund um die Aufarbeitung und das Gefasel vom Wertverlust rührt eher daher, dass es wohl einige übertrieben haben und ihre Uhren - wie hier auch schon erwähnt - halbjährlich haben polieren lassen, so lange bis die Ecken und Kanten und alle Charakteristik „weggelutscht“ war. Oder eben dass das Aufarbeiten mittels grober Maschinen und noch gröberer und zudem ungeschickter Hände passierte und man Uhren damit ziemlich oft verhunzt hat. Da aber viele - wie auch schon angedeutet wurde - gar nicht in der Lage sind hier zu differenzieren, wird sich irgendwann die Meinung: „unpoliert = gut; poliert = schlecht“ etabliert haben.

Grüße
“What’s equally remarkable is that … chose to go with a no-date configuration..." (Roger Ruegger)
Benutzeravatar
MCG
Beiträge: 23522
Registriert: 21 Aug 2006, 23:12
Wohnort: Mostindien
Interessen: Mech Uhren, Sport, Smart Roadster, HIFI, Art & Architektur
Tätigkeit: Global Academic Program

Re: Alltag eines Uhrmacher: Revision einer Uhr

Beitrag von MCG »

Clockwork hat geschrieben: 25 Okt 2022, 18:32 Also Ich halte es bei meinen Uhren in der Regel so, dass ich erst gar keine Kratzer reinbringe. Das spart einem Ärger und Kosten und man muss sich mit der Problematik „Aufarbeitung“ gar nicht erst auseinandersetzen.


Grüße
Hand habe ich in der Regel auch so… Aber eben, wenn sie getragen wird, keine Regel ohne Ausnahme… :oops:
LG aus Mostindien - Markus
Benutzeravatar
walter
Beiträge: 9150
Registriert: 15 Feb 2006, 20:45

Re: Alltag eines Uhrmacher: Revision einer Uhr

Beitrag von walter »

mrdata hat geschrieben: 25 Okt 2022, 14:55 Ich bin ja bestimmt eine PTM aber die würde ich so lassen... wäre fast schade drum...
Und wenn sie aussieht wie neu, tun die ersten Kratzer auch wieder weh :mrgreen:
Genau so :!:
Nach dem Kratzer ist vor dem Kratzer :wink:
Im Zweifel würde ich nur das Band aufarbeiten lassen.
Der Rest ist mMn nach den Fotos nur was fürs Poliertuch.
Walter

Mein Indischer Schachmeister sagte: Am Ende kommen Bauer und König in die selbe Kiste
Benutzeravatar
hart-metall
Beiträge: 5139
Registriert: 06 Aug 2006, 22:20
Wohnort: daheim, wo's warm ist...

Re: Alltag eines Uhrmacher: Revision einer Uhr

Beitrag von hart-metall »

Am Ende des Tages ist es - zumindest handhabe ich es für mich so - ein Abwägung zwischen den Uhren:

- Daily Rocker a'la Rolex / Tudor lasse ich meist nicht polieren - die gehen aber auch zu meinem Konzi, insofern kann ich da auch ein "nur Revision" definieren"...

- Liebhaberteile wie meine IWCs oder die FF lasse ich beim Hersteller revisionieren, wobei dann auch "alles" gemacht werden soll. Bei der großen Inge ist inzwischen auch schon eine neue Lünette drauf, was bei dem Modell aber normal ist...

Resümee: eine SD würde ich so lassen...
Ciao - Peter

Bitte verzeih, aber ich lese in einem Uhrenforum lieber über Uhren als über Leute, die gerne welche hätten.
Benutzeravatar
Meno
Beiträge: 1337
Registriert: 29 Jun 2014, 11:14
Wohnort: Schweiz

Re: Alltag eines Uhrmacher: Revision einer Uhr

Beitrag von Meno »

Danke für die Inputs!

Also, meine SD bleibt so wie sie ist; unpoliert im getragenen Zustand. Passt eigentlich gut zum Alter…
Die Revision verschiebe ich auch. Sie läuft einwandfrei.
Hab sie heute beim Konzi nur reinigen lassen….
Benutzeravatar
MCG
Beiträge: 23522
Registriert: 21 Aug 2006, 23:12
Wohnort: Mostindien
Interessen: Mech Uhren, Sport, Smart Roadster, HIFI, Art & Architektur
Tätigkeit: Global Academic Program

Re: Alltag eines Uhrmacher: Revision einer Uhr

Beitrag von MCG »

Meno hat geschrieben: 26 Okt 2022, 18:56 Danke für die Inputs!

Also, meine SD bleibt so wie sie ist; unpoliert im getragenen Zustand. Passt eigentlich gut zum Alter…
Die Revision verschiebe ich auch. Sie läuft einwandfrei.
Hab sie heute beim Konzi nur reinigen lassen….
Also ich handhabe das auch so: wenn sie gleich bleibend gut läuft, und ich keine Abweichungen sehe, wieso sollte ich dann was machen? Klar, die Dichtungen werden wahrscheinlich nicht mehr optimal sein, aber ich trage sie weder beim Duschen noch beim Schwimmen noch beim Planschen, selbst bei Regen passe ich auf… 😅
LG aus Mostindien - Markus
Benutzeravatar
unnnamed
Beiträge: 4329
Registriert: 15 Feb 2006, 16:59

Re: Alltag eines Uhrmacher: Revision einer Uhr

Beitrag von unnnamed »

Die Uhr z.B. ist doch wahrhaft messerscharf.

Bild

Käme da nie auf die Idee, das man was machen müsste.
Gruß Bernd
Benutzeravatar
10buddhist
Beiträge: 2680
Registriert: 09 Nov 2019, 20:49

Re: Alltag eines Uhrmacher: Revision einer Uhr

Beitrag von 10buddhist »

Thomas H. Ernst hat geschrieben: 25 Okt 2022, 15:18 Ich hatte mal die allererste Uhr meines Vaters, eine Tissot Hammerautomatik, bei einem Uhrmacher in einer süddeutschen Kleinstadt zur Werkrevision. Er wollte wohl Eindruck machen und hat dem Gehäuse mit dem Poliermotor so zugesetzt dass es nun ein riesiger Aufwand sein wird, die Konturen auch nur annähernd wiederherzustellen. Das Glas hat er auch noch getauscht, obwohl das alte lediglich stark verkratzt war. Was der Uhr jeglichen Charakter raubt, da im Glas Stundenmarkierungen eingelassen sind.

Ich hab fast geheult als ich die Katastrophe gesehen habe und könnte mich heute noch in den Hintern treten dass ich den rangelassen habe. :angry:
Vermutlich meinst du den Uri Geller der Sekundenzeiger … :whistling:
Gruß Jürgen

Uhren ⏰ war gestern! ☝️🧐
Benutzeravatar
MCG
Beiträge: 23522
Registriert: 21 Aug 2006, 23:12
Wohnort: Mostindien
Interessen: Mech Uhren, Sport, Smart Roadster, HIFI, Art & Architektur
Tätigkeit: Global Academic Program

Re: Alltag eines Uhrmacher: Revision einer Uhr

Beitrag von MCG »

Scheint ja eine wahre Koryphäe seines Metiers zu sein … 😬
LG aus Mostindien - Markus
Antworten