Brache Hilfe beim identifizieren eines Uhrwerks

Allgemeine Diskussionen rund um Vintage-Uhren (Oldtimer)
Antworten
Subsudo
Beiträge: 4
Registriert: 20 Nov 2022, 09:10

Brache Hilfe beim identifizieren eines Uhrwerks

Beitrag von Subsudo »

Hallo zusammen

Kann mir jemand helfen, folgendes Uhrwerk zu identifizieren? Meine Grosstante hat dies Taschenuhr, offenbar ein sehr kostengünstiges Produkt, zu einem 10 jährigem Jubiläum schätzungsweise in den 50er oder 60er bekommen.
Das Uhrwerk hat von aussen gesehen kein Stempel oder ähnliches. Insbesondere interessiert mich, wie der Aufziehmechanismus funktioniert, da sich nicht wirklich spüren lässt, ob die Uhr aufzieht.

Vielen Dank für eure Hilfe!

https://drive.google.com/file/d/1dcLLl3 ... sp=sharing
https://drive.google.com/file/d/1rs_61E ... sp=sharing
Benutzeravatar
Thomas H. Ernst
Beiträge: 21703
Registriert: 14 Feb 2006, 16:10
Wohnort: Aarau
Interessen: Uhren, Bikes, Fotografie
Tätigkeit: Informatiker
Kontaktdaten:

Re: Brache Hilfe beim identifizieren eines Uhrwerks

Beitrag von Thomas H. Ernst »

Wenn sich durch Drehen der Krone im Uhrzeigersinn nicht mit der Zeit ein Widerstand zeigt, kann durchaus die Aufzugfeder gebrochen sein.

Die Identifikation ist schwierig, es handelt sich um ein Uhrwerk mit Zylinderhemmung, die wurden bis etwa 1920 gebaut. Technisch ist das gar nicht uninteressant da das Hemmungsrad mit den "Schuhen" drauf gar nicht so einfach zu produzieren war. Dieser Umstand macht so ein Werk heutzutage allerdings nahezu unreparierbar.

Ich habe in meinen Unterlagen nur ein Werk gefunden dass diesem ähnelt, es ist das Kaliber 590 der Langendorf Watch Company in Baselland.

Auf eBay wird derzeit ein defektes zum Ausschlachten angeboten, vielleicht kann der Anbieter was zur Herkunft sagen. https://www.ebay.ch/itm/224777383865
Grüsse Thomas
Euer Board-Admin
Subsudo
Beiträge: 4
Registriert: 20 Nov 2022, 09:10

Re: Brache Hilfe beim identifizieren eines Uhrwerks

Beitrag von Subsudo »

Vielen dank für die ausführliche Antwort. Es gibt absolut keinen Widerstand beim Aufziehen, die Zeit lässt sich jedoch durch Drücken dieses kleinen Knopfes und der Krone einstellen. Die Unruhe läuft ziemlich lange, wenn ich die Feder direkt durch Drehung der silbernen Zahnräder aufziehe. Gebrochen ist sie also nicht. Der Aufzugsmechanismus scheint aber nicht zu funktionieren.
Warum meinst du, dass so ein Werk nahezu unreparierbar ist? Weil es keine Ersatzteile mehr gibt oder weil die Reparatur schwierige ist?
Benutzeravatar
Thomas H. Ernst
Beiträge: 21703
Registriert: 14 Feb 2006, 16:10
Wohnort: Aarau
Interessen: Uhren, Bikes, Fotografie
Tätigkeit: Informatiker
Kontaktdaten:

Re: Brache Hilfe beim identifizieren eines Uhrwerks

Beitrag von Thomas H. Ernst »

Subsudo hat geschrieben: 20 Nov 2022, 18:23Die Unruhe läuft ziemlich lange, wenn ich die Feder direkt durch Drehung der silbernen Zahnräder aufziehe.


Ich nehme an, Du meinst die beiden grossen Räder auf dem Uhrwerk. Das kleinere nennt man Kronrad, das grössere, mit der Klinke dran, Sperrrad.

Drehen die sich wenn Du an der Krone drehst? Falls nicht, lässt sich die Krone weitere herausziehen (keine Gewalt anwenden) und drehen sie sich dann?
Warum meinst du, dass so ein Werk nahezu unreparierbar ist? Weil es keine Ersatzteile mehr gibt oder weil die Reparatur schwierige ist?
Ersatzteile wird es kaum mehr geben und wenn Du das Hemmungsrad anschaust wirst Du feststelle dass es ziemlich kompliziert zu fertigen ist. System bedingt war der Verschleiss recht hoch da diese "Schuhe" in einer Aussparung der hohlen Unruhachse eine Drehung derselben vollführen. Fehlt da die Schmierung, sieht es bald duster aus.

Bild

Die Ankerhemmung hat halt vor 100 Jahren das Rennen gemacht, trotzdem fasziniert mich diese Konstruktion. Ich würde die Uhr vielleicht einmal einem guten Uhrmacher zeigen, manche haben Freude daran so einen Oldtimer wieder flott zu machen.
Grüsse Thomas
Euer Board-Admin
Subsudo
Beiträge: 4
Registriert: 20 Nov 2022, 09:10

Re: Brache Hilfe beim identifizieren eines Uhrwerks

Beitrag von Subsudo »

Thomas H. Ernst hat geschrieben: 20 Nov 2022, 18:53 Drehen die sich wenn Du an der Krone drehst? Falls nicht, lässt sich die Krone weitere herausziehen (keine Gewalt anwenden) und drehen sie sich dann?
Die Räder drehen sich nicht, wenn ich an der Krone drehe. Auch lässt sich die Krone auch nicht mit vernünftiger Kraft weiter rausziehen (das war das Erste, was ich versuchte)
Das Uhrwerk lief die ganze Nacht, als ich am Sperrrad der Feder ein paar Drehungen gegeben habe

Ich denke, ich belasse es mal bei einem Totalschaden... Aber interessant, dieses Hemmungsrad, ich habe mir seine Funktionsweise mal auf YouTube angesehen.

Danke trotzdem für die lehrreiche Antwort!
Benutzeravatar
lottemann
Beiträge: 8078
Registriert: 15 Feb 2006, 11:52
Wohnort: BaWü

Re: Brache Hilfe beim identifizieren eines Uhrwerks

Beitrag von lottemann »

Ähm...

...ein Toatalschaden wäre es, wenn eines der Hemmungsteile kaputt geht
und der Uhrmacher nicht zufällig ein Schlachtwerk in der Schblade hat.
Wenn's nur der Aufzug ist, dann sollte das mit vertretbarem Aufwand
machbar sein :wink:
Benutzeravatar
Thomas H. Ernst
Beiträge: 21703
Registriert: 14 Feb 2006, 16:10
Wohnort: Aarau
Interessen: Uhren, Bikes, Fotografie
Tätigkeit: Informatiker
Kontaktdaten:

Re: Brache Hilfe beim identifizieren eines Uhrwerks

Beitrag von Thomas H. Ernst »

Subsudo hat geschrieben: 21 Nov 2022, 18:08Die Räder drehen sich nicht, wenn ich an der Krone drehe.
Dann ist vermutlich das kleine Trieb auf der Aufzugwelle zerbröselt, ist halt ein sehr belastetes Teil.
Grüsse Thomas
Euer Board-Admin
Subsudo
Beiträge: 4
Registriert: 20 Nov 2022, 09:10

Re: Brache Hilfe beim identifizieren eines Uhrwerks

Beitrag von Subsudo »

lottemann hat geschrieben: 21 Nov 2022, 18:38 Ähm...

...ein Toatalschaden wäre es, wenn eines der Hemmungsteile kaputt geht
und der Uhrmacher nicht zufällig ein Schlachtwerk in der Schblade hat.
Wenn's nur der Aufzug ist, dann sollte das mit vertretbarem Aufwand
machbar sein :wink:
Ja klar, mit Totalschaden meinte ich natürlich nicht, dass es nicht reparierbar wäre. Für mich ist halt einfach der Aufwand zu gross, da ich eigentlich gar nichts über mechanische Uhrwerke weiss. Zudem ist es mir zu wenig wert, da auch viel Geld reinzustecken...
Benutzeravatar
lottemann
Beiträge: 8078
Registriert: 15 Feb 2006, 11:52
Wohnort: BaWü

Re: Brache Hilfe beim identifizieren eines Uhrwerks

Beitrag von lottemann »

Subsudo hat geschrieben: 22 Nov 2022, 19:53
lottemann hat geschrieben: 21 Nov 2022, 18:38 Ähm...

...ein Toatalschaden wäre es, wenn eines der Hemmungsteile kaputt geht
und der Uhrmacher nicht zufällig ein Schlachtwerk in der Schblade hat.
Wenn's nur der Aufzug ist, dann sollte das mit vertretbarem Aufwand
machbar sein :wink:
Ja klar, mit Totalschaden meinte ich natürlich nicht, dass es nicht reparierbar wäre. Für mich ist halt einfach der Aufwand zu gross, da ich eigentlich gar nichts über mechanische Uhrwerke weiss. Zudem ist es mir zu wenig wert, da auch viel Geld reinzustecken...
Das allerdings ist nachvollziehbar :wink:
Antworten