Wasserdichtigkeit bei Speedmaster-Modellen

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Guntram
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Beitrag von Guntram » 21 Mai 2006, 15:58

Thomas H. Ernst hat geschrieben:Voraussetzung für solche Einsätze ist allerdings dass man die Dichtigkeit jährlich prüfen lässt und die äusseren Kronendichtungen regelmässig mit Silikonfett versorgt.
Um ein wenig zum Gelingen Deines Lebenswerks beizutragen, noch 'ne blöde Frage... :wink:

Wenn ich das richtig verstehe, zeigt eine Wadi-Prüfung doch nur, daß die Uhr zum Zeitpunkt des Prüfens dicht oder undicht ist. Ist das Prüfen nicht so wie das berühmte "ein bißchen schwanger"?

Wenn die Uhr bei der Prüfung dicht ist, kann sie trotzdem schon am Folgetag undicht sein - das hast Du ja auch beschrieben.

Wenn die Uhr bei der Prüfung undicht ist, dann ist zumindest bei einem "Mit-Uhr-Duscher" wie mir sowieso schon Wasser drin.

Daher die Frage: Was bringt die jährliche Prüfung? Sollte man nicht lieber alle 2 oder 3 Jahre die Dichtungen prophylaktisch austauschen lassen und für den Rest der Zeit aufs beste hoffen?

(Deine Hardcore-Taucherfreunde lasse ich mal außen vor, da werden die Dichtungen ja sowieso früher ersetzt...)

Liebe Grüße
Guntram

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Ralf
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Beitrag von Ralf » 21 Mai 2006, 16:38

wbf 10. Dez 2003

Dichtigkeitsprüfung - sehr lang, ausführlich, - und trocken!

Heute habe ich ein Deja-vu in der Firma gehabt.
Ich arbeite gerade an sogenannten Prüftemplates, das sind Vorgaben,
wie Prüfungen durchzuführen sind. Ein Test ist der 1000h-Test. Die
Diskussion ging um den Sinn und Zeitpunkt von Zwischenprüfungen.
Und ich bekam selbst von Diplomingenieuren zu hören:
Wenn ich nach drei Tagen eine Zwischenprüfung mache,
dann kann es trotzdem nach 4 Tagen ausfallen. Das bringt doch
nichts. ... Die Lebensdauer verändert sich doch nicht durch eine
Prüfung.
Die inhaltlich identische Argumentation kann man hier und anderswo
immer wieder auch bezüglich der Dichtigkeitsprüfung bei
Armbanduhren lesen. Sie ist und bleibt aber trotzdem falsch.
Nun ist der Beweis sehr sehr viel Mathematik und Statistik. Jedoch
wirft dar Computer auch allgemeinverständliche Grafiken aus. Ich
haben nun die Zahlen im Rechenmodell so abgewandelt, dass sie
einerseits in etwa dem Problem Dichtigkeit entsprechen,
andererseits die Grafiken den Effekt deutlich darstellen. Man
könnte beliebig lang über die Verwendung anderer Werte diskutieren,
das ist jedoch gar nicht die Absicht, sondern es
geht um das Prinzip, und das ändert sich nicht.

Das Missverständnis geht mit der Bedeutung des Wortes
>Lebensdauer< los. Lebensdauer ist der Zeitraum zu einer
bestimmten Ausfallwahrscheinlichkeit. Sie ist nicht genormt, die
darf jeder für sich selber festlegen (man trifft aber öfters auf
5 oder 10%). Bei 10% ist also die Lebensdauer der Zeitraum, den
90% aller Geräte wahrscheinlich überleben.

Als Ausfall wird das Fehlen der zugesicherten Eigenschaft, bei der
Uhr wäre das die Dichtigkeit, bezeichnet. Der Umstand, dass sich der
Ausfall erst auswirkt, wenn die Umstände entsprechend sind, bei der
Uhr also tatschlich auch noch Nässe vorhanden sein muss, um zur
>Katastrophe< zu führen, wird dabei nicht berücksichtigt.

Wie sieht der Zusammenhang von Ausfallwahrscheinlichkeit und Zeit
aus? Da gibt es eine Theorie, die ziemlich gut auf alle
technischen Produkte (und auch noch auf ein paar ander Dinge)
zutrifft. Die Ausfallrate ist der Anteil, der in einer bestimmten
Periode ausfällt, und der setzt sich aus:
- den Frühausfällen
- den zufälligen Ausfällen - und
- den altersbedingten Ausfällen - zusammen.
Die ersten nehmen exponentiell mit der Zeit ab, die zweiten sind
konstant und die dritten nehmen exponentiell zu. Die Summe hat ganz
offiziell den sehr anschaulichen Namen "Badewannenkurve" (rot)
Bild
Addiert man nun die Ausfallraten aller Perioden vom Start bis zum
Zeitpunkt T zusammen, bekommt man die Ausfallwahrscheinlichkeit
(blau). Gelb ist der o.g. Fall Lebensdauer für 10% eingezeichnet.
(Hinten bei den letzten paar Prozent stimmt die Rechnung nicht mehr,
da tritt schon das Problem der kleinen Stückzahl zutage und es wird
dann alles echtes Lottospielen)

Werden zu einem Zeitpunkt die Geräte geprüft, werden aus der
Gesamtheit ein Grossteil der Schlechten entnommen und fast alle
Guten bleiben drin. >Grossteil< und >fast alle< weil auch die
Prüfung ist nicht perfekt. Es ensteht eine neu Gesamtheit mit neuen
Startzahlen, auf die sich die unveränderten(!!!) Ausfallraten
addieren. Die allererste Prüfung zum Zeitpunkt 0 findet beim
Hersteller statt und heisst Endprüfung. Die fängt einen bedeutenden
Teil der Frühausfälle ab. Ohne Zwischenprüfung geht es dann auf der
roten Kurve weiter. Mit Zwischenprüfung ergibt sich die Grüne Kurve.
Bild
Die Ausfallwahrscheinlichkeit beträgt im gezeigten Beispiel in
Periode 30 knapp 4% ohne, aber nur knapp 1% mit Zwischenprüfung.
Die Lebensdauer erhöht sich von 62 auf 78 Perioden. Wenn das
keine Verbesserung ist!

Bei genauerem Hinsehen kann man auch noch einen weitern Trugschluss
entlarven.
Die Uhr ist noch so neu, da braucht man die
Dichtigkeitsprüfung noch gar nicht
Meine Brötchen verdiene ich mit Messgeräten, die "besseren" haben
sogenannte >predictive maintenance<, da meldet sich das Gerät selber
bevor es zu spät ist. Da stellt sich die Frage nach der optimalen
Startegie zur Selbstprüfung. Wendet man die o.g. Erkenntnisse an und
lässt es sich nicht in konstanten, sondern optimierten Abständen
selber prüfen, kommt sowas wie die blaue Kurve heraus.
Bild
GERADE bei der ersten Wiederholung rentiert es sich - wegen der
Frühausfälle - früher zu prüfen. Im Beispiel anstatt nach 10 schon
nach 6 Perioden. Danach kann man es eher etwas lockerer angehen.
Wenn das Teil dann schon deutlich älter wird dafür halt auch mal
zwischendrinn. Der Zeitraum ab 80, bei dem dann in jeder Periode
geprüft werden müsste, ist für Uhren eh nicht relevant, denn da
war sowieso vorher eine Generalüberholung fällig und wer dabei
keine neuen Dichtungen spendiert, dem gehört es eh nicht anders
als um die Ohren gehauen. (Bei unsern Geräte wird dann ein neues
gekauft, die Kosten bei einem ausfallbedingten ungeplanten
Produktionsstillstand sind in der Regel auch deutlich höher
als für ein neues Messgerät)

Das war jetzt etwas länger und eigentlich nur ein Abfallprodukt
aus der Firma. Trotzdem hoffentlich verständlich und informativ.
Einige werden sicher jetzt noch fragen >Wie lange ist eine Periode
in der Rechnung, eine Monat, ein Zehntel Jahr oder x Tage?< Das
genau herauszubekommen wäre sehr viel Arbeit und nicht ohne weiteres
von einer auf eine andere Uhr übertragbar. Ist auch gar nicht so
wichtig, weil die Frage, welche Ausfallwahrscheinlichkeit denn
akzeptabel ist bleibt absolut Geschmacks~ bzw. Gefühlssache und
hängt auch von der individuellen >Exposition< der Uhr ab, denn wie
gesagt erst die Kombination >feucht + undicht = Katastrophe<.
Womit wenigstens zum Schluss eine einzige Formel im ganzen Beitrag
auftaucht.



++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Guntram hat geschrieben: Daher die Frage: Was bringt die jährliche Prüfung? Sollte man nicht lieber alle
2 oder 3 Jahre die Dichtungen prophylaktisch austauschen lassen und für den Rest
der Zeit aufs beste hoffen?
Wenn Du die Dichtung tauschen lässt, fängst Du wieder ganz links bei Null an, und das ist, wenn man es nach nur 2 oder 3 Jahren machen lässt meist höher als die Wahrscheinlichkeit nach der Prüfung ohne Wechsel! Da beweist die Statistik den elementaren Grundsatz: never change a running system.
Man liest sich!

Ralf

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jeannie
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Beitrag von jeannie » 21 Mai 2006, 16:55

Ralf hat geschrieben:Da beweist die Statistik den elementaren Grundsatz: never change a running system.
Oder ausgeprägter: Never touch a running system. :wink:
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Ralf
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Beitrag von Ralf » 21 Mai 2006, 17:01

jeannie hat geschrieben:
Ralf hat geschrieben:Da beweist die Statistik den elementaren Grundsatz: never change a running system.
Oder ausgeprägter: Never touch a running system. :wink:
Hast recht! :oops:
War
never change a winning team
und
never touch a running system
gemixt.
Man liest sich!

Ralf

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Guntram
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Beitrag von Guntram » 21 Mai 2006, 18:52

Hallo Ralf,

zunächst mal danke für die ausführlichen Erläuterungen!

Also okay - der Fall der "60" in Deinem System (also der Zeitpunkt, ab dem die Ausfallwahrscheinlichkeiten rasch zunehmen) ist Deiner Annahme zufolge nicht bei 2 oder 3 Jahren, soweit es Uhrendichtungen betrifft.

Meine eigentliche Frage ist damit allerdings leider nicht beantwortet. Denn die lautet "Was bringt die Prüfung?" Außer, daß sie mir im Zweifel sagt, daß ich die Dichtung besser vorher hätte wechseln lassen, weil jetzt Wasser in der Uhr ist...

Nehmen wir mal an, die Uhr hätte 20 bar Dichtigkeit. Bedeutet das Prüfungsergebnis im Falle eines Ausfalls "jo, 10 bar gehen schon noch, aber 20 hält sie nicht mehr aus"? Oder sagt das Prüfergebnis "is' eh' zu spät, jetzt ist Wasser drin, aber vielleicht wär's gestern noch gegangen..."?

Also: Ist "dicht/undicht" eine 0/1-Geschichte? Oder kann man durch eine Prüfung eine abfallende Dichtigkeit diagnostizieren, die dann zum Dichtungsaustausch führen sollte?

Liebe Grüße
Guntram

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Albert H. Potter
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Beitrag von Albert H. Potter » 21 Mai 2006, 20:13

Dicht oder undicht kann man so sehen, wie mit der Aussage zur Schwangerschaft. Im Zeitpunkt der Prüfung ......
Wenn die Uhr "dicht" aus dem Prüfgerät genommen wird und man haut sie an den Türpfosten, heißet es immer noch : Im Zeitpunkt der Prüfung OK, aber jetzt deutlich angeb*mst.

Die Frage ist, ob man so einfach von "dicht" sprechen kann, da die Frage der Dichtheit von Zeit und Druck abhängt. Das WD-Prüfgerät gibt einen Druck oder Unterdruck auf das Gehäuse und mißt über einen gewissen Zeitraum die Rückverformung. Liegt diese innerhalb einer gewissen Größenordnung, dann gilt die Uhr als "dicht". Man hat aber eigentlich nicht den Begriff der Dichtheit gemessen, sondern die Leck-Rate bestimmt.
Welche Toleranzen sind hier anzunehmen ? Die Geräte fahren ein Testprogramm ab, welches nicht berücksichtigt, ob die Uhr beim Tauchen oder Nasebohren dicht sein soll. Gleiche Prüfdauer und gleiche Toleranzen für die Rückverformung. Es gibt Gehäuse, die so stabil gebaut sind, daß die Geräte die Verformung kaum wahrnehmen können. Die moderneren Geräte verlangen dann nach einer verkleinerten Meßauflage, die älteren Varianten zeigen nach der eingestellten Zeit einfach OK an, obwohl die Messung schon zum Anfang gescheitert war. Ist bei einem derart harten Gehäuse eine Rückverformung im eingestellten Toleranzbereich noch sinnvoll ?
Wir haben heute Uhren, die aus U-Boot-Stahl gefertigt werden, der im Vergleich zum gewöhnlichen Edelstahl bei längerer Einwirkung nicht zu rosten beginnt. Wenn man jetzt einen Zeitraum annimmt, der nötig ist, daß der normale Stahl korrosionsspuren zeigt, dann muß die Leckrate so gering sein, daß Feuchtigkeit in so geringer Menge eindringt, daß die Funktion nicht gefährdet wird.

Generell sehe ich in der Wasserdichtheit eher eine Sache für den Notfall. Wenn man besoffen in den Swimmingpool fällt und die Uhr ist dicht, hat man Glück gehabt. Ansonsten ist man selbst schuld, denn Präzisionsinstrumente gehören nicht ins Wasser. Hat man eine Uhr, die als Ausrüstungsgegenstand für Taucher konzipiert wurde, so kann man sie nur dann im Wasser einsetzen, wenn man sich an die Vorschriften zum Gebrauch und zur Wartung hält, wie sie für fast alle offiziellen "Dienstuhren" existieren. Sobald man die Uhren außerhalb ihrer Einsatzbestimmung und Wartungsvorschriften einsetzt, gilt das gleiche wie bei normalen Uhren: Präzisionsinstrumente gehören nicht ins Wasser. (Ich gehe noch weiter : Sportuhren gehören nicht an den Arm des Sportlers, sondern in die Hand des Zeitnehmers am Feldrand). Alles andere ist Glücksspiel.

Leider gibt es viele Hersteller, die ihre Uhren als wasserdicht anpreisen, obwohl sie nicht einmal die entsprechende DIN kennen. Andere Hersteller kennen die DIN und doch sind immer wieder undichte Neuuhren in der Auslieferung. Ich erinnerer mich auch immer wieder gerne an den Fall einer Edel-Citizen, deren Lünette in den Anstoßbereich reichte und bei ungünstigen Bandbewegungen aufgehebelt wurde - also konstruktiv undicht. Andere Hersteller (wie Ebel) machen viel für die Erleichterung des Dichtungstauschs und geben Wartungsintervalle von zwei (bis drei) Jahren vor.

Gruß,
Peter

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Guntram
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Beitrag von Guntram » 21 Mai 2006, 20:58

Albert H. Potter hat geschrieben:Generell sehe ich in der Wasserdichtheit eher eine Sache für den Notfall.
Hhhmmm. Das zu akzeptieren fällt mir zwar schwer - aber vermutlich ist was dran. Danke für Deine Erläuterungen!

Es mag sein, dass das an mir liegt - vielleicht bin ich zu blöd, obwohl Du und Ralf Euch Mühe gebt, mir das zu verklickern. Aber meine eigentliche Frage finde ich immer noch nicht beantwortet... Kann man - für den Fall des täglichen Gebrauchs-Duschers - mit einer Prüfung feststellen, dass ein Dichtungsaustausch ratsam ist, bevor Wasser eingedrungen ist, obwohl die Uhr täglich fließendem Wasser ausgesetzt wurde?

Liebe Grüße
Guntram

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jeannie
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Beitrag von jeannie » 21 Mai 2006, 20:58

Ralf hat geschrieben:Hast recht! :oops:
War
never change a winning team
und
never touch a running system
gemixt.
Darum verstehe ich auch Leute nicht, die den Wagen unbedingt vor dem Urlaub in die Wartung geben wollen. Wenn das Ding zuverlässig seine xx'xxx Kilometer fuhr dann ist das doch der beste Test. Oel nachfüllen, Luft pumpen und unbeschwert in den Urlaub. Der Motor ist nämlich zu dämlich um zu merken dass der Wartungsintervall um 15 km überschritten wurde. ;)

Wenn bei meinem Wagen etwas war, dann in 80% der Fälle nach der Wartung.
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Ralf
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Beitrag von Ralf » 21 Mai 2006, 21:02

Guntram hat geschrieben:Nehmen wir mal an, die Uhr hätte 20 bar Dichtigkeit. Bedeutet das Prüfungsergebnis im Falle eines Ausfalls "jo, 10 bar gehen schon noch, aber 20 hält sie nicht mehr aus"? Oder sagt das Prüfergebnis "is' eh' zu spät, jetzt ist Wasser drin, aber vielleicht wär's gestern noch gegangen..."?
Verflixt noch mal ich schreib mir hier noch eine Sehnenscheidenentzündung. DICHTIGKEIT ist, wieviel pro Zeit eindringt, Bar Ist DRUCKFESTIGKEIT, ab wann wird die Konstruktion beschädigt wird.

Ich nehm jetzt mal ein Beispiel, um es zu erklären. Einen Fahrradreifen, ganz hundsgewöhnliche Konstruktion mit Drahtreifen. Mal von meinem Reiserad, 622 x 32. Da steht >5 Bar< auf der Reifendecke drauf, das ist der zulässige Betriebsdruck. Nun ist die Reifendecke nichts weiter als ein Ring mit U-förmigem Querschnitt. Nach innen offen, und somit undicht, undichter geht gar nicht. Deswegen wird in die Reifendecke ein Schlauch eingelegt. Schon mal versucht, einen Fahrradschlauch >pur< mit 5 Bar aufzupumpen? Alles, wa man erreicht ist ein Knall, der Schlauch geht in Fetzen und man hat evtl. einen Gehörschaden. Erst in Zusammenhang mit der Decke ergibt sich eine sinnvolle Lösung. Hat man das alles richtig montiert, kann man es auf 5 bar aufpumpen, ohne das es kaputtgeht. Man kann sogar mehr aufpumpen, weil die 5 bar sind Betriebsdruck.
BTW:
Sollte man auch ab und zu tun, um die Felge und die Reifendecke zu prüfen. Ist die Decke morsch oder die Felge durchgebremst, geht sie bei über 8 bar kaputt. un dbesser sie tut das im Keller beim Test als nachher bei der Bergabfahrt.
Zurück zum Thema:
Die Konstruktion ist Druckfest für x Bar. Das sagt aber absolut gar nichts darüber aus, wie lange es dauert, bsi man wieder aufpumpen muss, weil sich der Druck verkrümelt hat. Das kann einen Tag dauern, eine Woche, einen Monat. Je nachdem, wie die Dichtigkeit des Schlauches ist. Irgendwann ist aber jeder Fahrardreifen platt. Alles, was länger als ein paar Wochen hält nennt man halt >dicht<!

DICHTIGKEIT und DRUCKFESTIGKEIT sind zwei UNTERSCHIEDLICHE Dinge!!!

@Albert H. Potter.
Die Masseinheit der Dichtigkeit IST Leckrate!
Guntram hat geschrieben:Also: Ist "dicht/undicht" eine 0/1-Geschichte? Oder kann man durch eine Prüfung eine abfallende Dichtigkeit diagnostizieren, die dann zum Dichtungsaustausch führen sollte?
Absolut dicht gibt es nicht!
FAQ: Sind wir nicht alle ein bisschen - nicht ganz dichtl

>Dicht< konkret heisst
Die Funktion einer intakten Dichtung besteht darin, diesen Ausgleich soweit abzubremsen, dass nicht so viele Wassermoleküle eindringen können, dass sie sich innen wieder zur Flüssigkeit zusammenfinden, sprich >kondensieren<. Das funktioniert aber nur für die begrenzte Zeitspanne, in den Uhren üblicherweise exterm hohen Partialdrücken von Wasser und extremen Druckunterschieden aussen höher als innen ausgesetzt werden, es handelt es sich um Stunden, maximal Tage.
Hab ich gerad erst hier geschrieben:
http://forum.watchtime.ch/viewtopic.php?p=43047#43047
Guntram hat geschrieben: Meine eigentliche Frage ist damit allerdings leider nicht beantwortet. Denn die lautet "Was bringt die Prüfung?" Außer, daß sie mir im Zweifel sagt, daß ich die Dichtung besser vorher hätte wechseln lassen, weil jetzt Wasser in der Uhr ist...
Wie soll ich es denn noch erklären? Im obrigen Beitrag meinerseits wird genau diese Frage beantwortet. Im Moment der Prüfung wohnen dem Prüfling zwei Möglichkeiten der Zukunft inne. >DICHT< und >UNDICHT<. Eine von beiden Möglichkeiten wird er einnehmen. Die Prüfung verändert die Grundgesamtheit so, dass der Anteil >Dicht< dramatisch zunimmt, auf Kosten des Anteils >Undicht<. Genau deswegen ist eine Uhr nach der Prüfung wahrscheinlicher dicht als ohne Prüfung.

Mir ist klar, das Menschen per Natur überhaupt nicht dazu veranlagt sind, so zu denken, dass einer Sache zwei Möglichkeiten gleichzeitig innewohnen (jeannie hat's auch nicht kapiert). Schrödingers Katze hat schon Legionen von Schülern und Studenten Kopfschmerzen bereitet. Das Thema ist nicht ganz einfach. Ich bitte darum, entweder mal wirklich gründlich über das oben Geschriebene zu hirnen, oder einfach zu akzeptieren, dass es so stimmt.

Genauso wenig wie es >absolut dicht< gibt, gibt es bei einer Prüfung >absolut sicher<. Ein Restrisiko bleibt immer. Ob man dieses akzeptiert oder nicht ist eine Frage des persönlichen Angstempfindens und nicht allgemeingültig zu beantworten. Mein persönlicher Eindruck hier beim Lesen der Beiträge zum Thema Dichtigkeit ist, das einige bei der Armbanduhr deutlich ängstlicher sind als beim eigenen Leben. Wenn sie bezüglich des Autofahrens genauso vorsichtig wären wie beim Wasserkontakt der Uhr dürften sie eigentlich den eigenen Betonbunker nie verlassen.
Man liest sich!

Ralf

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Beitrag von jeannie » 21 Mai 2006, 21:15

Guntram hat geschrieben:Meine eigentliche Frage ist damit allerdings leider nicht beantwortet. Denn die lautet "Was bringt die Prüfung?" Außer, daß sie mir im Zweifel sagt, daß ich die Dichtung besser vorher hätte wechseln lassen, weil jetzt Wasser in der Uhr ist...
Wenn deine Uhr in der Dichtigkeitsprüfung versagt dann ist sie nicht voll Wasser.

Normale Dichtigkeitsprüfungen bei Uhren gehen den umgekehrten Weg:
Man stellt die Uhr ins Wasser, nimmt Druck weg und wenn Luftblasen aufsteigen weiss man wo es undicht ist. Wie beim Fahrradschlauch. :wink:

Du kannst deine Uhr also ungeniert so oft prüfen wie du willst.
http://www.watchtools.ch Uhrenwerkzeug, direkt aus der Schweiz.

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Beitrag von Ralf » 21 Mai 2006, 21:26

jeannie hat geschrieben:
Guntram hat geschrieben:Meine eigentliche Frage ist damit allerdings leider nicht beantwortet. Denn die lautet "Was bringt die Prüfung?" Außer, daß sie mir im Zweifel sagt, daß ich die Dichtung besser vorher hätte wechseln lassen, weil jetzt Wasser in der Uhr ist...
Wenn deine Uhr in der Dichtigkeitsprüfung versagt dann ist sie nicht voll Wasser.

Normale Dichtigkeitsprüfungen bei Uhren gehen den umgekehrten Weg:
Man stellt die Uhr ins Wasser, nimmt Druck weg und wenn Luftblasen aufsteigen weiss man wo es undicht ist. Wie beim Fahrradschlauch. :wink:

Du kannst deine Uhr also ungeniert so oft prüfen wie du willst.
Jetzt fängt der auch mit'nem Fahrradschlauch an,
immer diese Trittbrettfahrer :!: :wink:

Zwei Edits:
1) Bezüglich der Testmethoden hier auch etwas ausführlicher:
http://forum.watchtime.ch/viewtopic.php?p=43397

2) Oben besser:
Die Masseinheit der Dichtigkeit IST Leckrate, z.B in mbar l / s (Millibar mal Liter pro Sekunde)
Man liest sich!

Ralf

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Beitrag von hermann » 22 Mai 2006, 08:46

Hallo
Generell sehe ich in der Wasserdichtheit eher eine Sache für den Notfall. Wenn
man besoffen in den Swimmingpool fällt und die Uhr ist dicht, hat man Glück
gehabt. Ansonsten ist man selbst schuld, denn Präzisionsinstrumente gehören
nicht ins Wasser. Hat man eine Uhr, die als Ausrüstungsgegenstand für Taucher
konzipiert wurde, so kann man sie nur dann im Wasser einsetzen, wenn man sich
an die Vorschriften zum Gebrauch und zur Wartung hält, wie sie für fast alle
offiziellen "Dienstuhren" existieren. Sobald man die Uhren außerhalb
ihrer Einsatzbestimmung und Wartungsvorschriften einsetzt, gilt das gleiche wie
bei normalen Uhren: Präzisionsinstrumente gehören nicht ins Wasser. (Ich gehe
noch weiter : Sportuhren gehören nicht an den Arm des Sportlers, sondern in die
Hand des Zeitnehmers am Feldrand). Alles andere ist Glücksspiel.
Danke, Danke, Danke!!!

Darf ich das als Glaubensbekenntnis in meiner Werkstatt aufhängen?

Gruß hermann (bekennender Anhänger der "Nixmit guteUhr badi gehen" Fraktion)
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Der Mensch hasst das Böse mehr als er das Gute liebt.

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Beitrag von jeannie » 22 Mai 2006, 09:49

Ralf hat geschrieben:Jetzt fängt der auch mit'nem Fahrradschlauch an,
immer diese Trittbrettfahrer :!: :wink:
Ich versteh die Pointe nicht, irgendwie steh ich auf dem Schlauch.
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Beitrag von Don Tomaso » 22 Mai 2006, 13:58

jeannie hat geschrieben:
Ralf hat geschrieben:Jetzt fängt der auch mit'nem Fahrradschlauch an,
immer diese Trittbrettfahrer :!: :wink:
Ich versteh die Pointe nicht, irgendwie steh ich auf dem Schlauch.
Was macht denn der Schlauch auf dem Trittbrett? (Aua)

@Ralf: Statistik "begreift" keiner siehe Lotto. Nur die Mathe ist klar :wink:.
Und hör mir auf mit das doofe Katzenvieh, da hab ich mir schon den Mund fusselig geredet! Die ist nämlich entweder tot oder nicht und eben NICHT beides! Ausserdem überflüssig: Das dissipative Element in dem Experiment ist der Geigerzähler :shock: . Aber mit Kätzchen dramatischer, quasi :wink:.
Gruss

Thomas

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Beitrag von andreaseck » 22 Mai 2006, 14:11

Hallo Leute

Macht es Euch doch ganz einfach.

Ihr montiert an Eure Speedy ein Lederband, und die Sache
ob wasserdicht oder nicht, hat sich erledigt, da damit nicht
ins Wasser geht :wink:

Gruß
Andreas

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