Unitas & Lang & Heyne

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playman205
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Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von playman205 »

Ich stöberte gerade ein wenig auf der Homepage von Lang & Heyne. Dabei betrachtete ich diese Dreizeigeruhr mit dem altväterlichen Namen "König Johann":
Bild
(c) Lang & Heyne

Darin verbaut ist das einfachste Kaliber, das "Kaliber I":
Bild
(c) Lang & Heyne

Dazu der Text:
Lang&Heyne hat geschrieben:Aufbauend auf den Ende des 19. Jh. technisch ausgereiften sächsischen Baustil mit der ¾ - Platine setzten wir schon bei der Konstruktion unseres "Caliber I" optische Raffinessen in dieses kleine Kunstwerk.
Sehr schöne klassische Dekoration, schönes Finish im Stil alter Lange-TU (zumindest im Photoshop :wink:). Breguet-Spirale, Schwanenhals, gravierter Unruhkloben, Gold-Chatons, wohin das Auge blickt, sehr exklusiv. Preis der König Johann, wenn ich's richtig aufgeschnappt habe, um die 20 k€ (wenn einer das genauer weiß, bitte korrigieren). Aber dann: 16 1/4 Linien, 18.000 A/h und das Layout kommt einem auch irgendwie bekannt vor, hmmmm...

Bild
(c) Roland Ranfft

Das war dann der Zeitpunkt, wo ich mir ein kleines bißchen verar... äh auf den Arm genommen vorkam. Dornblüth ist ein anderer Fall, kein Highendanspruch, keine Highendpreise, keine wohlklingenden Namen, ein ehrliches Produkt. Klar kann Lang&Heyne auch noch mehr, wie die beiden Aufbauten auf dieses Werk mit Vollkalender und Chronograph zeigen, aber ich hatte bei dem Auftritt irgendwie mehr tatsächliche Eigenständigkeit erwartet.

Wie seht Ihr das? Geht nobler Highendanspruch auf Höhe von PP und Lange mit Highendpreisen oberhalb davon und eine proletarische Unitas-6498-Basis zusammen? Und das unter Vermittlung des Eindrucks einer althergebrachten Manufaktur, die alles selber konstruiert? Oder habe ich hier einfach nur ein weiteres Potemkin'sches Dorf gefunden, mit dem Geld abgegriffen werden soll? :?

Holger
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indiana
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von indiana »

Dazu gibt es hier auch den ein oder anderen Faden und in der Preisklasse
bräuchte ich nicht überlegen welche Uhr ich nehmen würde -> Lange & Söhne!!!
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hart-metall
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von hart-metall »

Da ich zufällig eh gerade meine 99.1 gassi führe (am Stahlband ein echter Sommerhammer), lass sie mich doch mal umdrehen:

- ok, rückführendes Gesperr habe ich auch...
- ok, die Goldchatons sind bei mir auch drin...
- naja, meine Genfer Streifen finde ich persönlich schöner als diese matte Dreiviertelplatine...
- ok, doppelten Sonnenschliff habe ich auch...
- der Bandanstoss ist diskutierbar - an meine Dornblüth kann ich jedes 22er Band meiner Wahl ansetzten...
- zugegeben, die Uhnruhebrücke ist breiter, und die Stosssicherung ist bei mir nicht so schön verfidelt...
- die unter der Unruhe sitzende Konstruktion erschliesst sich mir nicht vollständig, sieht aber schick aus...

Am Ende landen wir wahrscheinlich bei der von Stefan so geliebten Diskussion um "Angebot und Nachfrage" - den Rest möge jeder selber entscheiden... achja, die vom Werk mit der L&H vergleichbare Dornblüth ist eigentlich eher die 99.0, und die liegt immer noch unter 3k€... ein Mensch, wer Arges dabei denkt...

Nachtrag von Tante Edith: vor mir tickt an der Wand ein Manufakturwerk mit 8 Tagen Gangreserve und Emaille-Zifferblatt für unter 100,- Euro... :wink:
Ciao - Peter

Bitte verzeih, aber ich lese in einem Uhrenforum lieber über Uhren als über Leute, die gerne welche hätten.
falko
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von falko »

Es ist bekannt, dass Lang und Heyne das Unitas-Werk als Basis verwenden, ausser dem Räderwerk scheint aber nicht viel von der Basis übrig zu sein. Man kann dazu stehen wie man will, diese Vorgehensweise hat immerhin den Vorteil einer zu erwartenden, dauerhaften Funktionsfähigkeit, was nicht von allen "Manufakturwerken" behauptet werden kann.
Viele Grüsse

Gerd


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playman205
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von playman205 »

Mir war's nicht bekannt, ich hatte mich zugegebenermaßen bisher auch nicht sehr dafür interessiert. Zu dem Preisniveau halte ich die Verwendung von solchen Basiskomponenten für den offensichtlichen Versuch der Augenwischerei. Da kann man mir auch nicht mit dem Argument der besseren Alltagstauglichkeit kommen, hier soll ja gerade die außergewöhnliche handwerkliche Exklusivität im Vordergrund stehen. Oder kauft ein Dufour jetzt auch schon bei ETA einfachste Basiswerke? :wink: Wenn man in der Champion's League mitspielen will, sollte man auch in jeder dafür notwendigen Beziehung Champion sein.

Holger
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indiana
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von indiana »

hart-metall hat geschrieben: Nachtrag von Tante Edith: vor mir tickt an der Wand ein Manufakturwerk mit 8 Tagen Gangreserve und Emaille-Zifferblatt für unter 100,- Euro... :wink:
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hart-metall
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von hart-metall »

indiana hat geschrieben:
hart-metall hat geschrieben: Nachtrag von Tante Edith: vor mir tickt an der Wand ein Manufakturwerk mit 8 Tagen Gangreserve und Emaille-Zifferblatt für unter 100,- Euro... :wink:
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andreaseck
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von andreaseck »

falko hat geschrieben:Es ist bekannt, dass Lang und Heyne das Unitas-Werk als Basis verwenden, ausser dem Räderwerk scheint aber nicht viel von der Basis übrig zu sein.
Dito.

Vor rund zweieinhalb Jahren waren wir bei Lang & Heyne.
Es ist schon beachtlich was da alles selbst gemacht wird.
Damals waren auch nur vier oder fünf Leute beschäftigt.
Heute sind es zwischen 15 und 20.

Natürlich haben die Uhren ihren Preis.
Ich habe gegenüber Marco Lang ja auch folgenden Satz fallen lassen:

"Das sind die Dornblüths für Reiche" :wink:

Gruß
Andreas
Nikolaus B.
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von Nikolaus B. »

andreaseck hat geschrieben:..."Das sind die Dornblüths für Reiche" ...
Und die Stowa MO ist dann die Dornblüth für Arme? :shock:

Gruß Nikolaus :wink:

PS: Ist schon witzig, daß alle drei das "gleiche" U(h)rwerk benutzen... :whistling:
Gruß Nikolaus
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andreaseck
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von andreaseck »

Nikolaus B. hat geschrieben: Und die Stowa MO ist dann die Dornblüth für Arme? :shock:
Das habe ich aber nicht gesagt :mrgreen:

Gruß
Andreas
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indiana
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von indiana »

hart-metall hat geschrieben:
indiana hat geschrieben:
hart-metall hat geschrieben: Nachtrag von Tante Edith: vor mir tickt an der Wand ein Manufakturwerk mit 8 Tagen Gangreserve und Emaille-Zifferblatt für unter 100,- Euro... :wink:
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von retroman »

Ich möchte in die Diskusion werfen:
bei Lang & Heyne wurden von Anfang an nur die Räder und die Hemmung vom ETA/Unitas übernommen. Grundplatte und Platinen wurden neu gefertigt. Inzwischen machen die auch die Unruh, den Ankerkörper und die Räder komplett neu in eigener Fertigung, die Spiralen werden auch selber gebogen (Endkurven) Die Triebe werden aufwändig nachgearbeitet und es würde mich nicht wundern wenn auch die bald aus eigener Fertigung wären.
Ich war im letzten Jahr da und muss sagen : beeindruckend!
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Marechal
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von Marechal »

Ahja, die Gravuren bei der Dornblüth sehen einfach ekelhaft aus.

Technisch ist das ein Rückschritt, so ne Billigmaschinengravur.
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taktix
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von taktix »

Marechal hat geschrieben:so ne Billigmaschinengravur.
Ich glaube nicht, daß das eine Maschinengravur ist:
dornblueth.com hat geschrieben:rotvergoldete Dreiviertelplatine mit gelbvergoldeter Handgravur des Firmennamenszuges und der Seriennummer
Gruß
Andreas
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Marechal
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Re: Unitas & Lang & Heyne

Beitrag von Marechal »

Dann haben die das wieder geändert... in einem anderen Thread hier wurde so eine Graviermaschine bei einer Besichtigung vorgestellt, und da hab ich mich das 1. Mal mokiert :mrgreen:
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