ETA 2824 "Handaufzug"

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retroman
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ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von retroman »

Hallo, ich möchte Euch etwas aus meinem Erfahrungsschatz zeigen. Es geht um eine „Wochenenduhr“ mit ETA 2824. Die Marke spielt in diesem Fall keine Rolle. Ich kenne keinen Hersteller der an diesem Bauteil etwas ändert. Die Uhr ist ca. 10 Jahre alt und wurde eben nur am WoEnde getragen. Dazu musste sie natürlich 52 mal im Jahr auch aufgezogen werden. Nun ist das Kronrad auf einem linsenförmigen Butzen gelagert. Dadurch kann es beim Aufzug durch den Rotor zurückfedern und der Rotor muss das Kronrad (und damit auch Kupplungsrad und Kupplungstrieb) nicht mitdrehen. Hier mal mit abgenommener Kronradschraube.

Bild

Durch das „ständige“ aufziehen von Hand hat sich das harte Kronrad langsam in diesen Butzen (weiches Material) gefressen und richtig Material abgetragen.

Bild

Man sieht deutlich wo das Material fehlt. Ich habe mal grob nachgemessen: 0,3mm sind weg. Dieser Abrieb (Späne) liegen natürlich alle im Werk.

Bild

Bei „richtigen“ Handaufzuguhren ist das Kronrad mit einem Kronradring aus gehärtetem Stahl gelagert. Hier mal beim ETA 2804

Bild

Und hier noch mal auseinander genommen.

Bild

Hier ist jetzt kein erhobener Zeigerfinger meinerseits, ich möchte auch nicht wieder eine Debatte über Sinn und Unsinn von Uhrenbewegern eröffnen. Ich wollte das nur mal zeigen. Die Kollegen unter Euch kennen das wahrscheinlich und haben das auch schon öfter gesehen.
Was kann der Träger dagegen tun? Bei solchen Wochenend-Uhren nicht zu viel aufziehen, maximal 10 Umdrehungen der Krone sollten reichen für den Anfang. Regelmäßig zur Kontrolle und diesen Punkt überprüfen lassen. Gegebenenfalls mal sauber machen und neu fetten lassen.
vorollo
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von vorollo »

Danke für den sehr interessanten Beitrag. Das ist aber keine TOP-Variante, sondern eine Standard- oder Elaboré-, oder? Vielleicht haben die COSC-Versionen des 2824 bessere Komponenten inside.

Ich persönlich ziehe meine abgelaufenen Automatikuhren morgens ohne Krone (nur durch Bewegung) auf, bis sie laufen, dann stelle ich Zeit und Datum und trage sie.

V.
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indiana
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von indiana »

Technisch sicher keine schöne Lösung, wirtschaftlich
wahrscheinlich. Für den Kunden auch eher ärgerlich.

Da sieht man auch mal wieder das die Seikolösung
auch bei ihren sehr günstigen Uhren einfach Sinn macht.
Dort lässt sich die 7S....Reihe einfach nicht über
die Krone aufziehen, was wie man sieht konsequent
weitergedacht ist.

Bild

c purists

Hier noch der Link, wo das Seikokaliber zerlegt wird. Sehr lesenswert.

http://www.thepurists.com/watch/features/8ohms/7s26/
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Crusader
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von Crusader »

Sehr interessant, ein echter "eye-opener", zumindest für mich.

Ich habe auch bislang die Automatikuhren tapfer von Hand aufgezogen ... aber der Drang nach echten Handaufzugswerken wird durch den Thread größer.

Die Seiko-Lösung bzw. der Teilaufzug per Hand liegen mir nicht, da ich Uhren oft wechsele, oder bei der Arbeit ablege. Meine Seiko mit 7s26 ist mir dabei einige Male stehen geblieben - das System kommt für mich nicht mehr infrage. Da ist eine Quarzuhr die zuverlässigere Lösung, wenn es eine Uhr nicht als Handaufzug gibt.
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retroman
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von retroman »

indiana hat geschrieben:
Da sieht man auch mal wieder das die Seikolösung
auch bei ihren sehr günstigen Uhren einfach Sinn macht.
Dort lässt sich die 7S....Reihe einfach nicht über
die Krone aufziehen, was wie man sieht konsequent
weitergedacht ist.
Ich denke bei Seiko hat das nur wirtschaftliche Gründe (weglassen von Rädern) denn dieses Rad ist auf einem harten Ring gelagert.

@vorollo:
stimmt, das ist eine einfache Ausführung. Meines Wissens nach sind aber aber alle 2824, auch die in ganz hoher Verarbeitung mit dieser Federhausbrücke ausgerüstet.
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walter
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von walter »

Hallo Rainer,
hab Dank für die interessante Info.

Verhindern lässt sich dieser Schaden ja wohl nur durch Vermeiden.
Interessant wäre noch für mich, wie sich der Schaden bemerkbar macht ?

Bei der Inspektion aufgefallen, oder wie ?

Walter

Mein Indischer Schachmeister sagte: Am Ende kommen Bauer und König in die selbe Kiste
unruh(ig)
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von unruh(ig) »

retroman hat geschrieben:
indiana hat geschrieben:
Da sieht man auch mal wieder das die Seikolösung
auch bei ihren sehr günstigen Uhren einfach Sinn macht.
Dort lässt sich die 7S....Reihe einfach nicht über
die Krone aufziehen, was wie man sieht konsequent
weitergedacht ist.
Ich denke bei Seiko hat das nur wirtschaftliche Gründe (weglassen von Rädern) denn dieses Rad ist auf einem harten Ring gelagert.
Der von Retroman verwendete Fettdruck ist meiner Ansicht nach treffend gewählt.

Als ich den Beitrag von Indiana las, erinnerte mich das hieran :mrgreen: :

http://forum.watchtime.ch/viewtopic.php ... er#p570165
Shelby-Driver, Don., 2. Juli 2009, 4:44 Uhr
Dafür gibt es mehrere Gründe ... zum anderen umgibt das Werk der Spirit nicht die besondere Aura der unverwüstlich-robusten Konstruktion, für die das 5er-Werk legendär ist. Ausserdem steht nicht "Seiko 5" auf dem Ziffernblatt, ein Zeichen der Konsumverweigerung, des Auflehnens gegen den Prestigewahn, eine Ikone der Sozialverträglichkeit und des uhrmacherischen Purismus, konsequent spartanisch im Verzicht auf die Möglichkeit des Handaufzugs und des Sekundenstopps.

Hier nochmals:
http://forum.watchtime.ch/viewtopic.php ... er#p570448
Shelby-Driver, Don., 2. Juli 2009, 11:42 Uhr
retroman hat geschrieben: Außerdem hat die Krone sehr wohl eine Funktion in eingedrücktem Zustand: aufziehen ????
Hier die Antwort:
Shelby-Driver hat geschrieben:Nö, nicht bei einer Seiko 5. Die ist konsequent automatisch und lässt dich ins Leere laufen, sorry, drehen. :mrgreen:
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retroman
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von retroman »

walter hat geschrieben:
Interessant wäre noch für mich, wie sich der Schaden bemerkbar macht ?

Bei der Inspektion aufgefallen, oder wie ?

Walter
Der Aufzug wird nach und nach etwas schwergängiger, fällt aber nicht weiter aus weils eben nach und nach ist. Und der Aufzug "knackt" schon mal beim Drehen. Mir ist das ja seit längerem bekannt. Allein in den letzten 6 Wochen das dritte mal.....
Wann immer ich ein 2824 und vergleichbare zur "Durchsicht" bekomme, also Band und Geh. reinigen, Dichtungen prüfen etc. schaue ich mir diese Stelle genau an. Automatik runter, Kronradschraube runter. Dann evt. etwas saubermachen und neu fetten. Dauert nur ein paar Minuten. Das kann man (ich) sogar machen ohne das Werk auszubauen. Und bei einer kompletten sieht man das natürlich sofort und kann geeignete Maßnahmen treffen sprich: Federhausbrücke austauschen.
Rainer
@Handaufzug: ich hatte das gerade vergessen.........
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playman205
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von playman205 »

Crusader hat geschrieben:Sehr interessant, ein echter "eye-opener", zumindest für mich.
Allerdings, auch für mich, ganz herzlichen Dank, Rainer. Und dabei habe ich erst gestern ein 2824 in Chronomètre-Variante getragen und natürlich per Hand voll aufgezogen. Ich trage die Uhr bei meinem Wechselrhythmus nicht häufig, aber 10 bis 15 Mal voller Handaufzug pro Jahr werden da schon zusammen kommen. Das Aufzugsgefühl ist bisher ganz normal für das Kaliber, die Gangwerte sind auch nach 4 1/2 Jahren immer noch nahe dem Neuzustand. Aber sehr gut zu wissen, welche "Sollbruchstelle" es da gibt. :shock:

Holger
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indiana
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von indiana »

Der Schaden ist ja hier entstanden wegen dem vorhandenen Handaufzug
und dessen Nutzung!

Seiko lässt den Handaufzug hier weg, somit auch diese Fehlerquelle!

Wenn es auch noch wirtschaftlich ist und
für den Kunden gut ist, brauche ich nicht fragen wer da die bessere
Lösung gefunden hat!
unruh(ig)
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von unruh(ig) »

indiana hat geschrieben:Der Schaden ist ja hier entstanden wegen dem vorhandenen Handaufzug
und dessen Nutzung!

Seiko lässt den Handaufzug hier weg, somit auch diese Fehlerquelle!

Wenn es auch noch wirtschaftlich ist und
für den Kunden gut ist, brauche ich nicht fragen wer da die bessere
Lösung gefunden hat!
Da ist - wie gezeigt - Shelby Driver ganz Deiner Meinung. :D

Nicht jedes 2824 wird solche Schäden aufweisen. Auch dann nicht, wenn der Träger die Uhr dann händisch aufzieht, wenn es ihm in den Kram passt.
Retroman sagt ja auch, dass mit entsprechender Pflege ...
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indiana
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von indiana »

Wessen Meinung das noch ist interessiert mich eigentlich wenig.
Das hat auch nichts mit den Argumenten zu tun oder aus wessen
Grund führst du das auf?

Was soll das für ein Argument sein, bei entsprechender Pflege,
wenn die Konstruktion so ausgeführt wurde das ein Handaufzug
bei Anwendung Schäden verursachen kann?
Wie ETA das mit einem zusätzlichen Billgteil hätte lösen können
zeigt ja die Handaufzugsvariante.

Hättest du das vorher gewusst wenn Rainer diesen Thread nicht
eröffnet hätte?
Es bleibt an dieser Stelle einfach ein Billigkonstruktion auf Kosten
des Kunden. Wo gedreht werden kann wird gedreht!
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playman205
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von playman205 »

Das ist schon richtig, Werner, und erschreckend genug, aber die Handaufzugsmöglichkeit gleich ganz wegzulassen, finde ich jetzt auch nicht die richtige technische Lösung des Problems, mal unabhängig davon, was der Shelby-Troll so zum besten gegeben hat. Sonst könnte man folgerichtig auch gleich das ganze Uhrwerk weglassen und die Zeiger festkleben. Dann hätte man überhaupt keinen Verschleiß, keine Revisionskosten und sogar zwei Mal pro Tag eine 100%-ige Übereinstimmung mit dem Zeitnormal. :D

Gerade als Vielwechsler mag ich die Handaufzugsmöglichkeit, damit ich aus dem Stand heraus auf gute Gangwerte komme, ohne mich körperlich zu verausgaben (No sports! :wink:), sie sollte nur auch standfest genug sein.

Holger
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unruh(ig)
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von unruh(ig) »

indiana hat geschrieben:Wessen Meinung das noch ist interessiert mich eigentlich wenig.
Wie so oft, leider. Wer hier die Ansicht von Shelby Driver teilt, sollte wirklich so langsam ins Grübeln geraten.
indiana hat geschrieben:Das hat auch nichts mit den Argumenten zu tun oder aus wessen
Grund führst du das auf?.
Lies doch einmal, was auf diese Argumentation von Dir und Shelby Driver von anderen geantwortet wurde. Die Links sind ja eingestellt worden.
Das wiederholt sich nämlich jetzt.
indiana hat geschrieben:Was soll das für ein Argument sein, bei entsprechender Pflege,
wenn die Konstruktion so ausgeführt wurde das ein Handaufzug
bei Anwendung Schäden verursachen kann?
Im Maschinenbau ist es nicht unüblich, weiches auf härteres Material treffen zu lassen.
Das hat den Vorteil, dass nicht beide Kontaktflächen gleichmäßig Schaden nehmen, sodass beide Bauteile ausgetauscht werden müssten, sondern immer das billigere.
indiana hat geschrieben:Wie ETA das mit einem zusätzlichen Billgteil hätte lösen können
zeigt ja die Handaufzugsvariante.
Obige Antwort gilt auch hierfür. Das Werk steht im Ruf, besonders robust zu sein. Das ist ein zarter Hinweis darauf, dass dieser Schaden eben nicht so viele Träger ereilt.
Auch dürfte Dir bekannt sein, dass Retroman fast schon regelmäßig extremen Verschleiss hier mit Bildern dokumentiert. Erinnert sei an das völlig versiffte Armband, das Saphirglas mit mehreren Absplitterung usw.
Gemäß Deiner Ansicht, müsste ein Mitarbeiter einer Motorüberholungsfirma Tag und Nacht zetern, alle Motoren taugen nichts, da die Firma sich vor Aufträgen nicht retten kann.
indiana hat geschrieben:Hättest du das vorher gewusst wenn Rainer diesen Thread nicht
eröffnet hätte?!
Nein, das habe ich nicht gewusst - Du aber auch nicht.
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indiana
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Re: ETA 2824 "Handaufzug"

Beitrag von indiana »

Lass doch einmal das persönliche weg und bringe
mal vernünftige Argumente!
Du mutmaßt und setzt voraus.
Ich respektiere jeden seine Meinung was du anscheinend
nicht kannst und Leute lieber beleidigst weil sie nicht deiner
Meinung sind.
Auch ein Shelby Diver kann man richtig liegen wie ein CF auch.
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