Grahamhemmung

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TackTick
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Grahamhemmung

Beitrag von TackTick » 23 Apr 2013, 13:53

Hallo Uhrengemeinde,

sagt mal, ein alteingesessener Uhrmachermeister - sogar einer, der auf alte mechanische Uhren spezialisiert ist - sollte doch in der Lage sein, eine Grahamhemmung richtig zu justieren?

Habe meinen Mayr Seilzugregulator, der seit 10 Jahren einwandfrei lief, zur Revision (Reinigen, ölen) gegeben, 280,- €. Ist ja O.K.

Zu Hause aufgehängt, und was macht meine Hemmung? TickTick - Tack oder auch Tick - TackTack. Das Ankerrad bewegt sich nicht konstant in eine Richtung, sondern "schwanzelt" hin und her.

Ergebnis: Nach einiger Zeit bleibt die Uhr stehen. (Justieren des Gehäuses vertikal bringt auch nichts)

Ich möchte jetzt nicht wissen, was das sein könnte (vermute mal....falsch justiert :angry: )

Ich möchte nur mal von den Fachleuten hier wissen, ob eine Justage der Grahamhemmung wirklich soooo schwierig ist?

So, jetzt packe ich meinen Regulator wieder ein, ab zum Uhrmacher.


Schon mal Danke und viele Grüße

Günter

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retroman
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Re: Grahamhemmung

Beitrag von retroman » 23 Apr 2013, 14:46

Das sollte für einen Uhrmacher kein Problem sein. Zumal reinigen und ölen nichts mit dem Verändern der Paletten zu tun hat.

TackTick
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Re: Grahamhemmung

Beitrag von TackTick » 23 Apr 2013, 16:29

Hallo Uhrengemeinde,

zurück vom Uhrmacher.

Der sagte mir, das wäre keine "echte Grahamhemmung".

Bei der Grahamhemmung hat das Ankerrad nur die großen Zähne. Bei meinem Mayr Regulator wären zwischen diesen normalen großen Zähnen jeweils noch ein kleiner Zahn?????

Er hat mir es aufgemalt, muß ich ihm wohl so glauben?

Kann einer der Spezialisten etwas dazu sagen?

Viele Grüße

Günter

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Re: Grahamhemmung

Beitrag von A.J. » 23 Apr 2013, 17:01

Man sieht auf der Mayr HP leider nix von der Hemmung; das übliche Marketinggeschwurbel ohne richtig technische Details.

Ungeachtet der Hemmung (ruhend, rückführend oder frei) sollte das Ding nach Reparatur funktionieren....ob das jetzt x oder y Zähne hat.
:)

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Re: Grahamhemmung

Beitrag von Thomas H. Ernst » 23 Apr 2013, 17:06

Grüsse Thomas
Euer Board-Admin

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Re: Grahamhemmung

Beitrag von TackTick » 23 Apr 2013, 17:43

Habe gerade an Helmut Mayr gemailt, und der Firma das Problem geschildert.

Werde euch berichten, was die antworten.

Grüße Günter

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unnnamed
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Re: Grahamhemmung

Beitrag von unnnamed » 23 Apr 2013, 18:34

Das ist eine Abfallautomatik, da ist die Friktion am Anker so gering, dass du das Pendel einfach
weiiiiiiiiiiit auslenkst und der Abfall sich selbst einstellt. Stimmt, gell?

Wenn ja: Das ist eine anfällige Konstruktion, es hat einen Grund weshalb das heut eigentlich keiner
mehr macht. Die Uhren neigen massiv zum Prellen*. Mayr verbaut es ja auch nicht mehr.

* Ja, auch Pendeluhren können das :mrgreen:

Schau mal den Sekundenzeiger (falls vorhanden) an, dann erkennst du ein etwaiges Prellen sofort,
der Zeiger ruckt gelegentlich, nicht immer. Wenn du keinen Sekudenzeiger hast wird eher schwer
für dich dies zu erkennen.
Gruß Bernd

TackTick
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Re: Grahamhemmung

Beitrag von TackTick » 24 Apr 2013, 12:19

@unnnamed

BINGO!! Du hast es getroffen.

Hier die mail der Fa. Helmut Mayr:

"Tatsächlich handelt es sich um eine Graham- Hemmung, allerdings benötigt die Ankerautomatik (d.h. selbstständige Einstellung des "Abfalls" ) die spezielle Gangradform, an den kleinen Zähnen im Grund laufen die Paletten bei Überschwung des Pendels auf. Der Anker selbst sitzt mittels einer Friktion auf der Welle. Dieses Prinzip kann sogar leicht schief hängende Uhren ausgleichen.
Nachteil:
Der Anker kann sich auch verstellen, wenn es gar nicht erwünscht ist.
Im Prinzip sollten Sie nach jedem Aufzugsvorgang die Ankerautomatik über eine weite Auslenkung des Pendels aktivieren. Gleichmäßiges Ticken ohne "Hinken" ist für den Lauf der Uhr notwendig.
Die Grund-Einstellung der Hemmung (durch den Uhrmacher) erfolgt wie bei einer Graham-Hemmung ohne Ankerautomatik, das ist natürlich wichtig.
Kontrollieren Sie bitte, ob sich nach kräftigem Überschwung des Pendels (gerne nach links und nach rechts ausprobieren) fast bis an das Seitenglas wirklich ein absolut gleichmäßiges Ganggeräusch (Abstand zwischen "Tick" und "Tack" exakt gleich lang) einstellt.
Sollte dies nicht möglich sein, so funktioniert evtl. die Friktion des Ankers nicht richtig.
Wir stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung.
Sie oder Ihr Uhrmacher können uns ggf. das Werk auch zur Prüfung zukommen lassen, wenn die Uhr nicht mehr zur "Mitarbeit" zu überreden sein sollte.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Schultis

PS:
Ihre Uhr produzieren wir nach wie vor, wenn auch mit modifiziertem Uhrwerk. Die Handhabung der Ankerautomatik hat erfahrungsgemäß immer wieder Fragen aufgeworfen, deshalb sind wir zur traditionellen Hemmung mit Feineinstellung zurückgekehrt."


Grüße Günter

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