Ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre IWC

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u2112
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Ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre IWC

Beitrag von u2112 »

Liebe Uhrenfreunde,

in der heutigen Zeit ist die Uhrenbranche eine weitgehend von großen Konzernen dominierte, globale Industrie, in der nur noch wenig Raum bleibt für authentische, menschliche Momente. Das gilt für die Produktion ebenso wie für die Vermarktung - auch wenn gerade die Werbung oft etwas anderes suggeriert.

Eine der bekanntesten Kampagnen der letzten Jahrzehnte ist sicherlich die Patek-Werbung unter dem Slogan "Eine Patek gehört einem nie ganz allein. Man erfreut sich ein Leben lang an ihr, aber eigentlich bewahrt man sie schon für die nächste Generation". In der heutigen Flipper- und Investment-Zeit wirkt dieser Spruch ziemlich aus der Zeit gefallen - viele Uhren bleiben nicht wirklich lang in einer Hand und die emotionale Bindung ist ebenfalls oft überschaubar.

Und doch gibt es genau diese Momente - nicht nur bei Patek :whistling:

Vergangene Woche ploppte eine Outlook-Erinnerung bei mir auf "100 Jahre IWC". Die Profis stutzen bei dieser Nachricht, wurde IWC doch 1868 gegründet und befindet sich damit schon im 157. Lebensjahr. Aber es geht hierbei auch nicht um die Firma, sondern um eine besondere Uhr:

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Vor 100 Jahren kam diese IWC Taschenuhr in meine Familie. Der Stammbuchauszug nennt den 23.09.1925 als Verkaufsdatum, aber der heutige Besitzer von Stüwen & Spann in Ulm hatte mir mal mitgeteilt, dass die Firma nur ein Großhändler und der zentrale Vetriebspartner von IWC in Süddeutschland war. Es lässt sich deshalb nicht auf den Tag genau bestimmen, wann genau mein U(h)rgroßvater diese Uhr erstmals in Händen hielt. Es gab jedoch genau heute vor 100 Jahren einen runden Geburtstag - und der war vermutlich der Anlass für diesen Kauf.

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Ein Jahrhundert ist eine lange Zeit. Das wird einem besonders klar, wenn man sich vor Augen führt, was diese Uhr alles "erlebt" hat: 1925 war gerade die Währungskrise überwunden, es gab eine (kurze) Phase der Hoffnung und Perspektive - wirtschaftlich wie politisch, wie mit dem Locarno-Abkommen des gleichen Jahres. Und doch wurde auch 1925 die Saat gelegt, für die größten Katastrophen der 1930er und 1940er Jahre.

Und das gilt auch für die Familie: Diese Uhr begleitete seinen Käufer auf Zeppelin-Flügen, durch den wirtschaftlichen Aufstieg, den Zusammenbruch der Weltwirtschaft bis in dunkle Zeiten nach 1933. Mit meinem Großvater überquerte sie den Atlantik, vor dem Krieg mit dem Schiff, danach mit den ersten Linienflügen. Sie wurde auch nicht verkauft, als alles ausgebombt war und man komplett bei Null wieder anfangen musste. Und sie erlebte das Wirtschaftswunder und den neuen Wohlstand. Mein Vater hat sie dann geerbt und als Erinnerungsstück in einer Schreibtischschublade verwahrt, wo ich sie Anfang der 1980er erstmals entdeckt hatte. Und seit gut 15 Jahren habe ich sie bei mir in der Sammlung.

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Die Zeit hat Spuren hinterlassen, von denen manche mit Erinnerungen verbunden sind. Den Riss auf dem Email-Zifferblatt hat ein mäßig talentierte bayrischer Dorfuhrmacher in den 1950er Jahren verursacht (dessen Ladengeschäft mein Vater mir noch nach Jahrzehnten zeigen konnte, der Wutausbruch meines Opas hatte sich eingebrannt :angry: :evil: ).

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Die fehlende Werkhalteschraube ist die Folge einer Revision Anfang des Jahrtausends, als mein Vater den dreifachen Verkehrswert der Uhr in einen Service investierte. Der trotz der fehlenden Schraube erfolgreich war, denn die Uhr läuft auch heute noch in der Chronometer-Norm :thumbsup: .

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Diese Lepine-Taschenuhr ist vom Marktwert her ziemlich am unteren Rand meiner Sammlung. Sie ist auch technisch nichts wirklich Besonderes - das Werk ist solide, aber weder selten noch hochkomplex. Spektakulär ist die Optik auch nicht und das Gehäuse nur aus Silber und nicht Gold.

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Trotzdem wäre das die letzte Uhr, die ich weggeben würde - und es ist die einzige, die wirklich unersetzbar ist. Und so wartet sie meist sicher verwahrt auf die nächste Generation, die sie zumindest schon mal in den Händen hatte und die Geschichte dazu erzählt bekommen hat.

Wird sie nochmal 100 jahre in der Familie bleiben? Und was wird dieses kommende jahrhundert an Herausforderungen und Erlebnissen mit sich bringen? Hoffen wir das Beste - und dass ihr und ihren zukünftigen Beseitzern zumindest die katastrophalen Phasen der letzten 100 Jahre erspart bleiben, und sie aber gleichermaßen fantastische Momente erleben können...

Gruß,
Christian
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MCG
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Re: Ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre IWC

Beitrag von MCG »

Welch schöne und berührende Geschichte, Christian!
Danke vielmals, dass du das mit uns teilst! 🙏🏻
Je „älter“ ich werde, je mehr finde ich Gefallen an - und „Zugang“ zu solchen Geschichten!

Leider gibt es das in meiner Familie nicht, oder hat es nicht gegeben. Und damit meine ich jetzt nicht die Uhr als solches, sondern generell auch die Geschichte der Familie. Es ist schön, wenn man sowas weitergeben und weiter leben lassen kann.

Viel Freude weiterhin an dem schönen Stück! 🤗
LG aus Mostindien - Markus
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mezdis
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Re: Ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre IWC

Beitrag von mezdis »

Was für eine tolle Geschichte! Es ist sicher etwas ganz Besonderes, so ein tolles Erbstück in der Familie zu haben und dieses dann irgendwann an die nächste Generation weiterzugeben.
Danke fürs Teilen!
___________
Gruss mezdis
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Paulchen
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Re: Ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre IWC

Beitrag von Paulchen »

Glückwunsch Christian, sehr schöne Familiengeschichte. :thumbsup:
Auch wenn die Uhr sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft, verkaufen darf man sowas nicht.
MCG hat geschrieben: 29 Sep 2025, 23:10 Leider gibt es das in meiner Familie nicht, oder hat es nicht gegeben. Und damit meine ich jetzt nicht die Uhr als solches, sondern generell auch die Geschichte der Familie. Es ist schön, wenn man sowas weitergeben und weiter leben lassen kann.
Ein Onkel meines Vaters, der Teil der Familie lebt seit ~100 Jahren in den USA, hat sich mal die Mühe gemacht und die
Familiengeschichte beleuchtet. Dazu wurden die "Alten" aufgefordert ihre Erlebnisse, insbesondere aus den Kriegsjahren/ Vertreibung
zu schildern. Das war sehr interessant, aber es zeigt auf, dass sich die Geschichten schnell in alle Richtungen verzweigen.
Ich habe mal mit einem Stammbaum angefangen, da wird das innerhalb kürzester Zeit unübersichtlich und teils widersprüchlich.
Schön, wenn man etwas in der Hand hat, um die Geschichte darzustellen.
H-P
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Thomas H. Ernst
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Re: Ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre IWC

Beitrag von Thomas H. Ernst »

Tolle Uhr, toller Bericht. Vielen Dank dafür. :thumbsup:
Grüsse Thomas
Euer Board-Admin
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MCG
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Re: Ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre IWC

Beitrag von MCG »

Paulchen hat geschrieben: 30 Sep 2025, 10:23 Glückwunsch Christian, sehr schöne Familiengeschichte. :thumbsup:
Auch wenn die Uhr sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft, verkaufen darf man sowas nicht.
MCG hat geschrieben: 29 Sep 2025, 23:10 Leider gibt es das in meiner Familie nicht, oder hat es nicht gegeben. Und damit meine ich jetzt nicht die Uhr als solches, sondern generell auch die Geschichte der Familie. Es ist schön, wenn man sowas weitergeben und weiter leben lassen kann.
Ein Onkel meines Vaters, der Teil der Familie lebt seit ~100 Jahren in den USA, hat sich mal die Mühe gemacht und die
Familiengeschichte beleuchtet. Dazu wurden die "Alten" aufgefordert ihre Erlebnisse, insbesondere aus den Kriegsjahren/ Vertreibung
zu schildern. Das war sehr interessant, aber es zeigt auf, dass sich die Geschichten schnell in alle Richtungen verzweigen.
Ich habe mal mit einem Stammbaum angefangen, da wird das innerhalb kürzester Zeit unübersichtlich und teils widersprüchlich.
Schön, wenn man etwas in der Hand hat, um die Geschichte darzustellen.
Einen Stammbaum habe ich auch mal gemacht. Das war wirklich sehr spannend und hat mich Monate im Schweizer Staatsarchiv an der Universität Zürich "gekostet". Die alte deutsche Schrift habe ich dabei auch gelernt und die Einsicht, das Rechtschreibung damals nicht so wichtig war... :lol: Schlussendlich bin ich bis in die 1570-er Jahre zurück gekommen und unser Familien-Name war immer noch in der Bürger-Gemeinde aufzufinden! :o

Aber natürlich fehlt hier das Essenzielle dahiner - und das sind die überlieferten Geschichten!
LG aus Mostindien - Markus
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Paulchen
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Re: Ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre IWC

Beitrag von Paulchen »

MCG hat geschrieben: 30 Sep 2025, 11:57 Einen Stammbaum habe ich auch mal gemacht. Das war wirklich sehr spannend und hat mich Monate im Schweizer Staatsarchiv an der Universität Zürich "gekostet". Die alte deutsche Schrift habe ich dabei auch gelernt und die Einsicht, das Rechtschreibung damals nicht so wichtig war... :lol: Schlussendlich bin ich bis in die 1570-er Jahre zurück gekommen und unser Familien-Name war immer noch in der Bürger-Gemeinde aufzufinden! :o

Aber natürlich fehlt hier das Essenzielle dahiner - und das sind die überlieferten Geschichten!
:thumbsup:
H-P
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cool runnings
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Re: Ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre IWC

Beitrag von cool runnings »

Danke fürs Zeigen. Ich liebe Uhren mit Geschichte. Und diese ist eine ganz besondere.
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u2112
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Re: Ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre IWC

Beitrag von u2112 »

... ja, die Geschichten und persönlichen Erlebnisse sind eine Herausforderung - wenn man jung ist, gehen einem die "Opa erzählt vom Krieg"-Stories eher auf die Nerven. Wenn man älter ist, gibt es meist keinen mehr, der sie nochmal erzählen könnte.

Und dann merkt man erst, wie wenig man wirklich weiß oder welche Lücken man in den Biographien hat. Ich hatte das Glück, dass einer der Altvorderen sein Leben aufgeschrieben hat (auch wenn die Umstände nicht so erfreulich waren) - und das ist schon sehr interessant zu lesen, wie das Leben in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts im Alltag war. Diese Taschenuhr ist der einzige physische Besitz aus dieser Zeit, der alle Wirren überstanden hat. Dafür scheinen Uhren auch besonders gemacht zu sein, denn ich habe auch noch die Uhren von meinem Großvater (eine Eterna-matic 2002) und meinem Vater (eine Omega Seamaster De Ville). Zu denen fehlen mir aber die Hintergrundgeschichten...

Gruß,
Christian
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schlumpf
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Re: Ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre IWC

Beitrag von schlumpf »

Wow, das macht das Sammeln aus! Danke für den Bericht und die Mühe. Mir gefällt ein Silberhäuse eher besser als eines aus Gold, zumindest bei einer Taschenuhr. Klasse Familienstück, wollen wir hoffen, dass es die nächsten 100 Jahre in der Familie bleibt! :thumbsup:
Schöne Uhrengrüße, Gerhard
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khs3770
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Re: Ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre IWC

Beitrag von khs3770 »

Um mal erneut eine Passage aus "everyman" von Philip Roth zu klauen... 8)
the incantatory power of long-gone watch brands – ‘Benrus, Bulova, Croton, Elgin, Hamilton, Helbros, Ovistone, Waltham, Wittnauer’; the newly arrived Jews whose English in those distant pre-war years extended no further than asking for a ‘Schaffhausen watch’.
Maximus82
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Re: Ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre IWC

Beitrag von Maximus82 »

Vielen Dank, dass du diese persönliche Geschichte mit uns geteilt hast
Schön, dass das gute Stück so lange in der Familie ist. Das ist wirklich besonders und ich kann verstehen, dass es die letzte Uhr der Sammlung wäre, die gehen müsste.
lg Stephan
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