die Ostertage bieten nach längerer Zeit einmal wieder die Gelegenheit, einen (inzwischen schon nicht mehr so neuen) Neuzugang etwas umfassender vorzustellen: Meine Dornblüth 99.4.
Wenn ich so meine Uhrenansammlung anschaue, dann folgt die im Wesentlichen zwei Strategien: Bei wenigen Marken (eigentlich so richtig nur IWC) geht es in die Tiefe, aber ansonsten eher in die Breite - d.h. möglichst verschiedene Uhren von verschiedenen Marken. Mit der Zeit hat sich da einiges angesammelt, wobei nicht jede Marke dauerhaft vertreten bleibt. Manchmal passt es einfach nicht (z.B. Breguet), manchmal war ein Hersteller auch erfolgreich in der Kunden-Vertreibung (z.B. Breitling oder ML).
Je mehr Marken man schon mal in den Fokus genommen hat, desto weniger Hersteller bleiben für Neuentdeckungen noch übrig. Nun gibt es zwar eine Vielzahl an neuen, meist Socia-Media-getriebenen Micro Brands, aber so richtig glücklich bin ich in diesem Segment selten geworden. Es gibt aber auch andere "kleine" Marken, die es durchaus ins Herz und die Uhrenbox geschafft haben. Ein solcher Hersteller ist Dornblüth, der gerade den erfahrenen Uhrenfreunden hier natürlich ein Begriff ist
In knapp drei Jahrzehnten haben die Dornblüths eine durchaus beeindruckende Kollektion aufgebaut, bei den Komplikationen sicherlich mit dem eigenen Chrono-Werk als Highlight. Das Design der Uhren und Werke ist dabei bewusst "Old School" ohne großen Firlefanz, auch wenn es ab und zu farblich mal etwas aus der Reihe schlagen darf. Und auch uhrmacherisch sind die Dornblüths Teil der alten (Glashütter) Schule mit Dreiviertelplatinen und traditioneller Finissage.
Ein Nachteil solch kleiner Marken liegt naturgemäß in der Verfügbarkeit der Uhren. Das Vertriebsnetzwerk ist eher dünn und der letzte Uhrenhändler mit eine Konzession hier im Norden schon länger nicht mehr aktiv. Auch der Gebrauchtmarkt ist sehr überschaubar - zudem ist es ziemlich riskant, eine Uhr zu kaufen, ohne sie jemals am Arm gehabt zu haben. Denn anders als bei den Pop-up Micro Brands handelt es sich hier ja um "richtige" Uhren mit entsprechenden Preisen.
Aber manchmal hilft der Zufall
Die 99.4 hatte ich bis dahin nicht auf dem Radar, bei Dornblüth dachte ich eher an klassiche Dreizeiger wie 99.0. oder 99.1. Doch das symmetrische Layout mit dem Zeigerdatum hatte mich gleich überzeugt und da auch der Rest des Pakets passte (inklusive frischer Revision) fand diese Uhr den Weg zu mir. Und das war ein Spontankauf, den ich nicht bereut habe - denn die Uhr passt optisch wie technisch gut in die Sammlung und die Authentizität der familiengeführten Marke ist ein seltenes Gut in der heutigen Welt von Storytelling und Brand Bullshitting...
Und so sieht das gute Stück aus:




Das Zifferblatt ist aus Sterling-Silber mit einer körnigen Oberfläche, die im Sonnenlicht schön glitzert:




Klassisches Layout mit Dreiviertelplatine:

Goldene und verschraubte Chatons:

Der Unruhkloben ist mit Gravuren verziert:

Auch der Firmenname ist handgraviert:

Frohe Ostern!
Christian